Handel Stuttgart West Markthalle am Vogelsang ist angezählt

Von Kathrin Wesely 

Der neue Besitzer Geschäfte, die mehr Kunden anziehen. Foto: privat
Der neue Besitzer Geschäfte, die mehr Kunden anziehen. Foto: privat

Wahrscheinlich löst eine Supermarktkette die Mieter in der Halle ab. Auch das Restaurant Lässig wird wegziehen – auf die Uhlandshöhe.

Stuttgart-West - Reinhard Möhrle skizziert eine „bedauerliche Entwicklung“: Die Biowarenhändler, der Buchladen und das Lokal Lässig in der Markthalle am Vogelsang sollen einem normalen Vollsortimentsupermarkt weichen. Im Februar solle Schluss sein, nur ganz vielleicht gebe es noch eine Gnadenfrist bis zum Frühjahr, berichtet der Bezirksvorsteher von Stuttgart West. Schuld daran sind aus Möhrles Sicht die Stadtverwaltung und die Immobilienfirma Pflugfelder, die mehr Miete aus der Liegenschaft ziehen wolle.

Hauptsache, die Miete stimmt

Die Pflugfelder Unternehmensgruppe und die Dr. Vogg Unternehmensgruppe hatten die Halle samt dem 8000 Quadratmeter großen Areal, das sich dahinter erstreckt, im vergangenen Jahr von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) gekauft. Auf der Freifläche sollen 40 Wohnungen entstehen. Vertraglich sei festgelegt, dass die Halle mindestens für weitere zehn Jahre als Markthalle fortbestehen soll – allerdings nicht, von wem und in welcher Weise, kritisiert Bezirksvorsteher Möhrle. Die Stadt hätte hier Vorgaben machen müssen, denn für den neuen Besitzer gelte nun: Ob Discounter oder Bioladen – Hauptsache die Miete stimmt.

„Es ist noch nichts unterschrieben“, dementiert Gesellschafter Julian Pflugfelder. „Wir sind immer noch mit den Mietern im Gespräch“, man habe von ihnen ein neues Konzept erbeten. Überzeugt habe ihn dies dann leider nicht. Man sei zwar „offen für alles“ aber eines müsse klar sein: So wie bisher könne es nicht weitergehen, die Markthalle habe zu wenig Kunden. Man wolle Mieter, die den Standort beleben.

Die Untermieter sind die Leidtragenden

Sabine Lässig und Joachim Latsch mit ihrem Bio-Lokal sind neben dem Marktladen mit seinen regionalen Biolebensmitteln die Hauptmieter der Halle. Die übrigen, Waschbär und der Buchladen von Marie-Luise Zeuch, sind Untermieter des Marktladens. Das Lokal Lässig läuft bestens und erfreut sich einer treuen, sogar eigens angereisten Kundschaft. Gerne wäre das Paar in der Markthalle geblieben, doch der andere Hauptmieter habe die Sache verbockt, sagt Joachim Latsch. Das Lässig hatte seinen bestehenden Mietvertrag um weitere fünf Jahre verlängert. Der Marktladen, hinter dem die Handelskontor Willmann für Naturprodukte GmbH steht, ließ den Vertrag einfach auslaufen – ohne darüber seine Untermieter zu informieren.

Die Firma Pflugfelder habe sich „sehr kooperativ“ gezeigt, hätte zwar die Miete erhöhen aber die bestehenden Mieter in der Halle belassen wollen, sagt Latsch. „Aber die Gemeinschaft in der Halle ist zu schwach“, ein tragfähiges Konzept vorzulegen. Das Lässig wird deshalb weiterziehen. Denn ein Tegut, Edeka oder Rewe bietet in den Augen der Bio-Gastronomen kein angemessenes Ambiente. Sie haben inzwischen eine neue Location aufgetan, verrät Latsch: das ehemalige Kulturcafé Gant in der Gerokstraße. Im Februar ist Einzug.

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