Die Killesberghöhe verliert mit dem Einrichtungshaus Fleiner by Architare einen seiner Ankermieter. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Killesberghöhe verliert mit dem Einrichtungshaus einen seiner Ankermieter. Das Geschäft für exklusive Designermöbel will sich verkleinern. Zum Jahresende ist der Umzug ins Stuttgarter Zentrum geplant.

S-Nord - Dem Einkaufszentrum Killesberghöhe stehen gravierende Veränderungen bevor. Das lässt die Württembergische Versicherung AG wissen – aber der Investor verliert kein Wort darüber, wie diese Veränderungen aussehen sollen. Eine erste Veränderung steht allerdings kurz bevor: Ein Ankermieter, was die Fläche betrifft, das Einrichtungshaus Fleiner Möbel by Architare, wird seinen Standort am Killesberg zum Jahresende aufgeben und ins Zentrum von Stuttgart ziehen. Die Stammkunden hatten von den Plänen durch die Einladung zum „Presale“ erfahren, dem Vor-Ausverkauf, der an diesem Freitag endet und der dem endgültigen Schlussverkauf voraus geht.

Fleiner Möbel wurde 2014 von Architare aus der Insolvenz gekauft und heißt seither Fleiner Möbel by Architare. Nach Auskunft von Angelika Böhland, Prokuristin des Unternehmens, ist zwar noch kein neuer Standort gefunden. Aber es gibt bereits Gespräche, sodass der Übergang vom einen zum anderen Standort nahtlos verlaufen soll. Klar ist: Fleiner Möbel by Architare wird sein Angebot an exklusiven Möbeln nicht mehr wie bislang auf vier Etagen und einer Fläche von 2700 Quadratmetern präsentieren, sondern mit wesentlich weniger Platz auskommen. „Künftig werden uns 150 bis 200 Quadratmeter ausreichen“, stellt Böhland fest.

Einer der Gründe für die Neuorientierung ist, dass sich das Unternehmen stärker als bisher auf Planung und Projektentwicklung direkt beim Kunden spezialisieren will. „Wir brauchen nicht mehr so viele Ausstellungsstücke an einem Standort. Unser Angebot lässt sich für den Kunden auch digital sehr gut visualisieren“, sagt Böhland und weist daraufhin, dass Käufer auch am Standort in Nagold (Kreis Calw) die Schaustücke anschauen können. Von einer Geschäftsfläche im Zentrum verspricht sich Möbel Fleiner by Architare eine größere Kundenfrequenz. Außerdem lasse sich eine kleinere Fläche kostengünstiger betreiben, weil weniger Personal notwendig sei. Wie viele von den 15 Mitarbeitern den Umzug in den Kessel mitmachen werden, sei noch offen.

Derzeit steht auf der Killesberghöhe laut Immo Dehnert, Sprecher der Württembergischen, ohne Architare ein Prozent der etwa 12 000 Quadratmeter Geschäftsfläche leer. Und das sind die 120 Quadratmeter, die derzeit noch vom Centermanagement zwischengenutzt werden. Auf den 2700 Quadratmetern von Architare sind laut Dehnert Büros geplant.

Die Entwicklung auf der Killesberghöhe liegt voll im Trend. Denn Büros sind in Stuttgart Mangelware. Laut dem Gewerbeimmobilien-Experten Colliers liegt die Leerstandsquote bei Büroflächen in Stuttgart bei nur einem bis zwei Prozent. „Der Markt ist ausverkauft, die Mieten steigen“, sagt Jürgen Track von Colliers. Seine Erfahrung: Mehrgeschossige Geschäfte sind für Kunden nicht mehr attraktiv. Sie bleiben im Erdgeschoss. Auch in der Königstraße hat sich die Entwicklung bereits bemerkbar gemacht: Das Modelabel Esprit hat alle seine vier Verkaufsebenen aufgegeben, Telekom ist ins Erdgeschoss eingezogen. In den übrigen Etagen sollen Büros entstehen. Und beim Gerber, wie die Killesberghöhe im Besitz der Württembergischen, kursiert das Gerücht, dass die schlecht frequentierte obere Etage ebenfalls in Büros umgewandelt werden soll.

Auch Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Einzelhandelsverbands Stuttgart, macht als Grund für ein Umdenken der Händler den Wandel im Kundenverhalten aus:. „Die Kunden informieren sich vorab im Internet über das Angebot und kommen dann mit ganz bestimmten Vorstellungen ins Geschäft. Showrooms braucht es deshalb nicht mehr in dem Maße“, sagt sie und weist auf die enorme Kostensteigerung im Handel hin. Da das Konsumverhalten nicht mehr so klar einschätzbar ist, werde im Handel viel experimentiert, um die Kunden mit neuen Konzepten zu erreichen. Ihre Einschätzung zur Killesberghöhe: Die Nahversorgung durch Edeka und Aldi habe der Kunde gut angenommen. Aber ein großes Angebot in unterschiedlichen Bereichen, wie es der Kunde erwarte, könne ein Wohnstandort wie die Killesberghöhe nicht bieten. Die Kundenfrequenz soll dort künftig laut Dehnert durch die Mitarbeiter der neuen Büros erhöht werden. Die Killesberghöhe wurde 2012 eröffnet und ist seit 2013 im Besitz der Württembergischen Versicherung AG.

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