Noch bis 30. November führt Zorica Tadic den Kiosk am Cannstatter Platz. Foto: Gottfried Stoppel

Zorica Tadic gibt ihr Kiosk am Cannstatter Platz schweren Herzens auf. Die Fellbacherin und ihr Mann gehen im Ruhestand in ihre alte Heimat nach Zlatibor. Wie sieht es mit der Nachfolge aus?

Es ist ein Kommen und Gehen – die Kunden begrüßt Zorica Tadic herzlich, viele auch mit Namen. Ohne Frage, der Kiosk am Cannstatter Platz in Fellbach ist ein Treffpunkt und eine Institution. Zorica Tadic ist mit ihrer offenen Art das Herz des Kiosks auf dem markanten Platz, der von Kastanien umsäumt ist. „Ich bin hier wie ein Tante-Emma-Laden“, sagt sie.

 

In ihrem kleinen Neun-Quadratmeter-Reich findet ganz schön viel Platz: Es gibt Kaffee, gekühlte Getränke, verschiedenste Süßigkeiten in bunten Farben aus großen Gläsern, wie sie manche noch aus der Kindheit kennen, Zeitschriften, Zeitungen, Zigaretten und dazu werden noch jede Menge Päckchen und Pakete in dem Räumchen gestapelt. Der Kiosk fungiert unter anderem auch als DHL-Paketshop, und es werden Lottoscheine angenommen. Durch das kleine Fensterchen nach draußen gibt es dazu immer wieder ein paar freundliche Worte. „Service ist das A und O“, sagt Zorica Tadic. Daher hätte sie so gerne auch Müllmarken und Fahrkarten in ihr Sortiment aufgenommen, das habe sie über viele Jahre versucht, doch das klappte nicht.

Nun rückt der Abschied schneller heran, als sie gedacht hat

Zorica Tadic ist in ihrem Element, wenn sie so auf dem Drehstuhl in ihrem Kiosk sitzt. Sie ist ihre eigene Chefin, das habe ihr auch gefallen. „An dem Kiosk hängt mein Herz“, sagt sie. „Ich konnte erst mal einige Tage nicht gut schlafen.“ Denn nun rückt der Abschied schneller heran, als sie gedacht hat. „Liebe Fellbacherinnen und Fellbacher, es ist Zeit, eine Ära geht zu Ende, und für meinen Mann und mich wird es Zeit, nach Hause und in den Ruhestand zu gehen. Daher suchen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge einen Käufer für unser kleines Goldstück von Kiosk am Cannstatter Platz“ – das hatte sie vor wenigen Tagen in den sozialen Medien gepostet.

„Und zu meiner Überraschung haben sich so schnell ernsthafte Interessenten gemeldet“, erzählt sie. Fazit: Sie führt den Kiosk nur noch bis Donnerstag, 30. November. Und die Nachfolger wollen bereits am Montag, 4. Dezember, öffnen. Es sei eine Fellbacher Familie, die den Kiosk übernimmt, berichtet Zorica Tadic.

Bei diesem schnellen Stabswechsel stehe sie natürlich noch für Fragen zur Seite. Doch gleichzeitig freut sich Zorica Tadic auch auf die Phase, wo sie etwas mehr Zeit mit ihrer Mutter in Serbien verbringen kann. „Meine Mutter ist jetzt 89 Jahre alt“, sagt sie, „da ist die Zeit besonders wertvoll.“ Sie plant, immer wieder zwischen Serbien und Fellbach zu pendeln. Zorica Tadic und ihr Mann, der Ende 2024 in den Ruhestand geht, haben in Zlatibor ein Haus.

Die serbische Kleinstadt mit einer langen touristischen Tradition sei für ihre gute Luft, die Heilquellen und ihre Skigebiete bekannt, sagt sie. Acht Jahre hat Zorica Tadic den Kiosk geführt – und sich immer wieder Neues einfallen lassen. Sie hatte eine Popcorn-Maschine angeschafft, das Häuschen mit einer Krone versehen und zudem mit weihnachtlichem Schmuck, Lichterketten und Nikoläusen dekoriert. Auch historische Aufnahmen von Kiosk-Kunden, die Schlaglichter auf die Geschichte des Cannstatter Platzes werfen, hat sie zusammengetragen. Bewusst schenkt sie keinen Alkohol aus.

Bei entsprechendem Wetter nehmen auch immer wieder Menschen an den beiden Tischchen Platz, die am Kiosk aufgestellt sind. „Die Leute wollen reden, wollen einen persönlichen Kontakt“, sagt Zorica Tadic. Und das liegt der Fellbacherin. Wenn eine ältere Stammkundin mal Butter gebraucht habe, dann habe sie auch welche durch das Fensterchen von ihrem privaten Vorrat gereicht, erzählt sie.

Herzblut steckt in dem kleinen Häuschen

„Unsere Kinder stehen auf eigenen Füßen, ich möchte mich mehr um meine Mutter kümmern“, betont Zorica Tadic noch mal. „Ich würde den Kiosk nicht verkaufen, wenn ich Deutschland nicht verlassen würde“. Man merkt, ihr fällt es wirklich nicht leicht, ihren Kiosk in Fellbach aufzugeben. Herzblut steckt in dem kleinen Häuschen. Auch in der schweren Corona-Zeit hat sie sich nicht unterkriegen lassen: So ist sie etwa im Imagefilm, den die Stadtverwaltung damals gedreht hat, um zu zeigen, wie sich Fellbacher Einzelhändler in Corona-Zeiten gemeinsam behaupten, zu sehen.

Zorica Tadic hat schon viele Hürden genommen. Sie ist in Ex-Jugoslawien aufgewachsen und hat dort eine Lehre zur Chemisch-technischen Assistentin absolviert. Bei einem Besuch ihrer Cousine Ende der 80er Jahre in Deutschland hat sie ihren Mann kennengelernt – und ist geblieben. Viele Jahre hat sie auch in großen Kaufhäusern in Stuttgart und Waiblingen gearbeitet. Längst sind die Kinder groß geworden – die eine Tochter studiert in Wien Jura, die andere ist erfolgreich bei einem namhaften Automobilhersteller im Personalmanagement tätig. Zorica Tadic erzählt mit viel Stolz von ihren beiden Kindern.

Sie ist sehr froh, dass es weitergeht mit dem Kiosk am Cannstatter Platz – und dieser fast ohne Unterbrechung fortgesetzt wird. „Der Kiosk ist Kult“, sagt Zorica Tadic und wünscht ihren Nachfolgern das Beste. Sie möchte sich auch ausdrücklich für die lange Treue ihrer Kundinnen und Kunden bedanken. Diese haben noch ein paar Tage die Möglichkeit, persönlich „Tschüss“ zu sagen. Doch die Tage sind gezählt. Im Kiosk arbeitet Zorica Tadic nur noch bis 30. November.

Kioske in Fellbach

Kiosk am Cannstatter Platz
  Zorica Tadic führt den Kiosk bis 30. November. Sie öffnet am Cannstatter Platz Montag und Dienstag von 7 bis 13 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 7 bis 18 Uhr, Samstag von 7 bis 13 Uhr.

Bahnhofskiosk
 Hasan Dümrül und sein Sohn Hüseyin führen mit weiteren Familienmitgliedern und Mitarbeitern den Kiosk „Baki“ in der ehemaligen Schalterhalle am Fellbacher Bahnhof. An der Ostseite betreiben Stavros Tekidis und seine Frau Polyxeni Grammatikopoulou die Bahnhofsgaststätte, in der auch ein Kiosk integriert ist.