Beim Geld ausgeben sparen – diesem Trugschluss sitzen manche Verbraucher auf. Foto: Oliver Berg/dpa

Black Friday oder Black Week, Erfindungen des Onlinehandels, sind längst im Einzelhandel angekommen. Nicht alle Händler im Kreis Böblingen ziehen mit.

Die Schnäppchenjagd hat einen Namen: Mit Black Friday oder Black Week werben seit einigen Jahren im November Händler im Internet, aber auch im stationären Handel mit scheinbar supergünstigen Preisen. Was halten lokale Händler von der Rabattschlacht?

 

Der Elektrofachhandel Euronics Elsässer in Sindelfingen wirbt seit Freitag auf seiner Internetseite mit „tiefschwarzen Deals“ und bis zu 60 Prozent Rabatt auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP). Sowohl im Onlinegeschäft als auch im Laden, der gegenüber des Breuningerlands liegt, gibt es bei Elsässer während der gesamten Black Week Sonderangebote auf elektronische Geräte. „Der Kunde erwartet es, dass es in dieser Zeit Besonderes gibt, und im Sinne der Kundenzufriedenheit gehen wir auf die Erwartung ein“, sagt der Geschäftsführer Lorenz Elsässer. Die Black Week sei seit Jahren fester Bestandteil der Geschäftswelt.

Sind die Rabatte am Black Friday echt?

Die Kritik von Verbraucherschützern, Preise seien mitunter eine Mogelpackung, da manche Händler sie vorab heraufsetzten, um dann mit besonders hohen Rabatten zu werben, wehrt Elsässer für sein Geschäft ab. „Preise sind für Kunden heute so transparent, so was kann man sich nicht erlauben. Der Kunde ist nicht dumm“, sagt der Elektrofachhändler. Gibt es bei ihm also wirkliche Schnäppchen? Elsässer: „Auf jeden Fall.“

Black Week: Im Elektrofachgeschäft Euronics Elsässer in Sindelfingen gibt es während der Rabattaktion Sonderpreise. Foto: Stefanie Schlecht/Stefanie Schlecht

Er bedauert, dass sich die Black Week zu sehr im Internet abspiele. In seinem Laden gebe es dieselben Rabatte – und zusätzlich eine gute Fachberatung und die Möglichkeit, die Produkte anzufassen, auszuprobieren und miteinander zu vergleichen. Er wünsche sich, dass die Black Week mehr Menschen in die Geschäfte locke.

Ohne Rabatte durch die Black Week

Ein Einzelhändler, der nichts vom Black Friday hält und sich auch nicht daran beteiligt, ist der Schuhverkäufer Martin Breitner vom gleichnamigen Schuhladen in Herrenberg. „Ich mache keine expliziten Black-Friday-Rabatte“, sagt Breitner. „Ich finde es kontraproduktiv für alle Beteiligten.“ Verbraucher würden dazu verleitet, Dinge zu kaufen, die sie gar nicht bräuchten, um vermeintliche Superschnäppchen zu ergattern. Und aus Händlersicht mache es keinen Sinn, Winterware schon jetzt rabattiert zu verkaufen, wo der Winter doch gerade erst anfange.

Außerdem wolle er seine Kundschaft nicht an der Nase herumführen. „Ich halte nichts davon, dass wir die Kunden veräppeln, indem wir Produkte für eine Woche verbilligt raushauen und danach wieder teurer“, sagt Breitner. Der Schuhhändler trauert dem Winter- und Sommerschlussverkauf nach, der bis 2004 in fixen Zeiträumen stattfand. Zum Saisonende wurde damals Restware günstig unter die Leute gebracht und so die Lager für neue Ware freigemacht. „Der Rhythmus damals war sinnvoll für den Handel und den Kunden.“

Im Geschäft werde er hin und wieder von Kunden auf Black-Friday-Angebote angesprochen, berichtet Breitner, wenngleich er das Gefühl habe, dass der große Hype etwas nachgelassen habe. Wenn er dann erkläre, warum er sich nicht beteilige, zeigten Kunden in der Regel Verständnis und gäben ihm sogar Recht. „Aber das sind die, die kommen. Ich weiß nicht, was die Leute denken, die nicht kommen.“ Im Onlinehandel, den Breitner als zweites Standbein betreibt, merke er ab der Black Week einen starken Einbruch im Absatz. Die Flaute halte dann bis Weihnachten an. Dennoch hält er an seinem Grundsatz fest, denn: „Man muss nicht bei allem mitmachen.“

„Aus kaufmännischer Sicht absurd“

Ein Laden, der einen Mittelweg gewählt hat und sich ein kleines bisschen an der Rabattaktion beteiligt, ist das Küchenfachgeschäft Messerschmied Hermann in Böblingen. Im Schaufenster an der Stadtgrabenstraße werben Plakate für den „Black Week Monster Sale“. Ein paar Artikel aus dem Sortiment sind vergünstigt erhältlich. „Das ist unser kleines Black-Friday-Paket“, sagt die Chefin Monika Hermann und räumt ein, selbst kein Fan der Rabattaktion zu sein. Gleichwohl seien manche Kunden darauf aus. „Es gehört dazu, man macht das Beste draus“, sagt sie. Aus kaufmännischer Sicht sei es absurd, Preisnachlässe von 80 Prozent zu geben, „das geht gar nicht“.

Genau wie der Schuhhändler Breitner stellt aber auch Hermann fest, dass die Hysterie um den Black Friday, den es noch vor zwei, drei Jahren gegeben habe, nachgelassen habe. „Wir sind froh, dass es nicht mehr so ein Thema ist.“ Grundsätzlich versuchten sie und ihr Mann, der Ladeninhaber Helmut Hermann, ihre Kunden von hoher, nachhaltiger Qualität zu überzeugen. Und gute Angebote gebe es bei ihnen das ganze Jahr über. Ihre Branche sei ohnehin davon geprägt, dass man Dinge kaufe, weil man es wirklich brauche, „und nicht, weil Black Friday ist“.

Rabattaktionen früher und heute

Black Friday
Der Black Friday (zu deutsch: „schwarzer Freitag“) kommt aus den USA und ist der Name, den die Polizei von Philadelphia ab 1966 jenem Freitag nach Thanksgiving gegeben haben soll, weil er für Staus und überfüllte Innenstädte sorgte. Thanksgiving wird in den USA am vierten Donnerstag im November gefeiert, den darauffolgenden Freitag nutzen viele für Weihnachtseinkäufe. In Deutschland findet die Rabattaktion seit 2013 statt.

Schlussverkauf
Der gesetzlich geregelte Winter- und Sommerschlussverkauf wurde im Jahr 2004 abgeschafft, jeder Händler darf seither zu jedem Zeitpunkt seine Preisnachlässe weitgehend selbst bestimmen. Davor durften Einzelhändler zwei Saisonschlussverkäufe pro Jahr durchführen mit maximal zwölf Verkaufstagen, jeweils Ende Januar/Anfang Februar und Ende Juli/Anfang August.