HBW-Coach Runar Sigtryggsson ist in Stuttgart bedient.HBW-Trainer Runar Sigtryggsson ist in Stuttgart bedient. Foto: Pressefoto Baumann

Das war nichts: Die 21:25-Niederlage beim TVB Stuttgart im Handball-Derby wollte beim HBW Balingen-Weilstetten niemand schönreden. Geschäftsführer Wolfgang Strobel sagte: „Wir müssen uns bei Fans uns Sponsoren entschuldigen.“

Stuttgart - Oh wie ist das schön“, sangen die Fans des TVB Stuttgart nach dem 25:21 im Bundesliga-Derby gegen den HBW Balingen-Weilstetten. Schöner Handball sieht zwar etwas anderes, aber das Ergebnis stimmte. Und nur das zählte am Freitagabend in diesem Abstiegsduell, nach dem der TVB an Balingen vorbeigezogen ist – und noch zwei Spiele in der Hinterhand hat. Entsprechend bedient waren die Gäste, und das so sehr, dass ein geknickter Geschäftsführer Wolfgang Strobel später in den Katakomben sagte: „Für uns war das ja auch ein gefühltes Heimspiel – wir müssen uns bei den mitgereisten Fans und Sponsoren entschuldingen.“

Vor allem für die erste Hälfte, als die Mannschaft gerade einmal sechs Treffer zustande brachte. „Das war einfach katastrophal“, sagte Spielmacher Martin Strobel, auch wenn auf der Gegenseite der frühere Weltmeister Johannes Bitter zwischen den Pfosten stand. „Aber jeder weiß, wie man gegen ihn Tore wirft.“ Doch die Mannschaft versagte auf der ganzen Linie. Das fing schon damit an, dass Yves Kunkel (136 Tore) bei seinem ersten Siebenmeter gleich einen Heber probierte – und kläglich scheiterte, was Trainer Runar Sigtryggsson die Zornesröte ins Gesicht trieb: „Das war eine Frechheit und Überheblichkeit.“ Dabei betonte Spieler Strobel nochmals, dass im Abstiegskampf „jeder Punkt, vielleicht sogar jedes Tor zählt. Wir haben jetzt das erste Endspiel verloren.“ Das nächste folgt am Mittwoch gegen Berlin.

Pflicht-Sieg für Stuttgart

Doch auch TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt weiß angesichts des Restprogramms: „Das war ein Muss-Spiel, davon kommen nicht mehr viele.“ Gegen Coburg, Gummersbach vielleicht. „Also müssen wir auch mal einen Gegner schlagen, der stärker ist als wir.“ Das geht nur mit einem Michael Kraus in Topform, der das Duell der Ex-Nationalspieler gegen Strobel (10:3 Tore) klar für sich entschied. Der Isländer Sigtryggsson hatte eine Vorahnung: „So ein torgefährlicher und effektiver Spieler wie Kraus fehlt uns.“

Da konnte auch Weltmeisterkollege Pascal Hens (3) nicht mithalten, dem aber die fehlende Fitness anzumerken war. Im Nachhinein war’s doch ein Fehleinkauf, der Vertrag wird auch nicht verlängert. Stattdessen setzen die Gallier von der Alb auf dieser Position auf den jungen Schweden Markus Stegefelt (20), der letzte Woche gegen Deutschland sein Länderspieldebüt fürs Drei-Kronen-Team feierte.

Überhaupt dominiert beim HBW, der in dieser Saison auch mit Dauerverletzten wie Dennis Wilke oder Felix König zu kämpfen hat, die Verjüngungskur: In Jona Schoch (TV Neuhausen), Gregor Thomann (HSG Konstanz), Valentin Spohn (SG Leutershausen) wurden Spieler von unterklassigen Clubs verpflichtet, zudem der Isländer Oddur Grétarsson und der Norweger Simern Schönningsen als Ausländer. „Wir stehen vor einem Umbruch“, sagt Sigtryggsson.

Ein Torwart zu viel

Zuletzt hatte der HBW mit Viachaslau Saldatsenka (22) sogar noch einen dritten Torwart geholt. Doch den Weißrussen suchte man in Stuttgart vergebens, was durchaus Fragen nach dem Sinn der Verpflichtung aufwirft. Stattdessen spielten Tomas Mrkva und Peter Johannesson. Ordentlich, aber eben längst nicht so stark wie Bitter. Tenor des Handball-Experten Rolf Brack: „Mit einer Achse Bitter/Kraus steigt man nicht ab.“

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