Nationalspieler Hendrik Pekeler hat eine klare Meinung zum Terminkalender der Handballer. Foto: Getty

Handball-Nationalspieler stöhnen über die zu hohe Belastung – beim DHB sieht man allerdings keinen Handlungsbedarf. Vor allem nationale Alleingänge sollen vermieden werden. Zudem widersprechen Sportwissenschaftler der Darstellung, die Belastung sei in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen.

Stuttgart - Die erste Aufregung war groß, als Handball-Nationalspieler Hendrik Pekeler vor der WM die Terminhatz beim Handball kritisierte: „Wer in Deutschland spielt, ist nach der Saison körperlich am Ende. In den entscheidenden Saisonphasen können wir die Leistungen nicht mehr abrufen.“ Nicht nur die Anzahl der Spiele sei ein Problem, sondern vor allem die zu kurze Sommerpause von nur drei Wochen – durch die Aufstockungen der WM (von 24 auf 32) ab 2021 und der EM (von 16 auf 24) ab 2020 wird der Zeitplan noch enger. „Hier wird schon lange nicht mehr im Interesse der Sportler sondern nur der Funktionäre entschieden“, sagte Pekeler. Deshalb würden Stars wie Uwe Gensheimer lieber im Ausland als in der Bundesliga spielen . Dort gebe es zwar nicht unbedingt weniger Spiele, allerdings ist die Intensität im Ligaalltag weniger hoch.

Wiencek spricht sich für Reduzierung der Bundesliga aus

Die Lösung? „Eine Reduzierung der Bundesliga von 18 auf 14 Teams“, könnte sich Pekelers Teamkollege in Kiel und der Nationalmannschaft, Patrick Wiencek, vorstellen. Dem widerspricht Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann: „Zehn Spiele weniger bedeuten auch 30 Prozent weniger Geld.“ Das sei zwar für die großen Clubs wie den THW Kiel, die Rhein-Neckar Löwen und die SG Flensburg dank der Champions-League-Einnahmen zu verkraften. Für Teams wie den TVB Stuttgart oder den VfL Gummersbach wäre es jedoch existenzbedrohend – sofern sie überhaupt noch zu den besten 14 Teams Deutschlands zählen würden.

Dass die Anzahl der Spiele und damit die Belastung für die Nationalspieler extrem hoch sei, bestreitet auch DHB-Vorstandschef Mark Schober nicht, sieht aber die Verantwortung bei den Top-Vereinen selbst: „Wenn die Belastung für einzelne Spieler zu hoch ist, muss der Kader vergrößert werden.“ So bestreitet ein Spieler beim THW Kiel in einem Olympia-Jahr um die 70 Partien, der TVB-Spieler hingegen nur 34 Liga- und eventuell noch zwei bis drei Pokalspiele.

Widerspruch seitens der Sportwissenschaft

„Die Belastung im Handball ist seit 2008 nicht signifikant gestiegen“, fand Jörn Uhrmeister heraus, der an der Uni Bochum eine Studie zu dem Thema verfasste. „Die Belastung von Bundesliga-Spielern, deren Teams sich zur Teilnahme an internationalen Wettbewerben qualifizieren, ist ungleich größer als die von Spielern anderer Bundesliga-Vereine“, sagt Uhrmeister. „Allerdings hat sie sich in den vergangenen zehn Jahren nicht so verändert, als dass das eine lang anhaltende Diskussion rechtfertigen würde.“

Eine Reduzierung der Champions-League-Spiele, wie ebenfalls von Wiencek ins Spiel gebracht, hält DHB-Sportvorstand Axel Kromer für unrealistisch: „Clubs wie Veszprem oder die spanischen Topvereine refinanzieren sich nur über die Champions League.“ Auch eine Reduzierung der Bundesliga hält der 42-Jährige für nicht machbar: „Wir sollten stolz darauf sein, eine solch ausgeglichene, starke Liga zu haben, in der sich auch die Topteams strecken müssen, um ihre Spiele zu gewinnen.“

Kromer könnte sich Reduzierung der Großereignisse vorstellen

Er sieht zwar auch die Mehrbelastung der Clubs mit vielen Nationalspielern, den Spielplan zu entzerren könne aber nur eine internationale Aufgabe sein, die zudem viele verschiedene nationale Interessen zu berücksichtigen hätte. Mit einer Idee könnte sich Kromer anfreunden: „Ob wir jedes Jahr ein Großereignis wie eine WM und eine EM brauchen, sollte man sich fragen. Aber es ist auch verständlich, dass die IHF ihr Produkt so groß wie möglich vermarkten muss.“

„Im Handball bekommst du frei, wenn du verletzt bist“, sagt Superstar Nikola Karabatic – das ist aber wohl weder im Interesse der Spieler noch dem der Funktionäre.

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