Beim ersten WM-Spiel in der Stuttgarter Porsche-Arena trafen die deutschen Handballerinnen auf Island – und gewannen. Foto: Marijan Murat/dpa

Wer geht zur Handball-WM in Stuttgart? Mobilfunkdaten zeigen, wie viele Frauen im Publikum sitzen – und von wo sie angereist sind.

Zum zweiten Mal ist Stuttgart derzeit Gastgeber einer Handball-WM. In der Porsche-Arena spielen die besten Frauenmannschaften der Welt. Aber wer sitzt im Publikum, wenn Deutschland spielt? Anonymisierte Mobilfunkdaten von Telefonica-Kunden zeigen es. Erfasst werden nur Besucherinnen und Besucher, die länger als eine halbe Stunde in der Funkzelle eingeloggt waren.

 

Zwei Spiele des deutschen Teams wurden analysiert: am 26. November gegen Island und am 30. November gegen Serbien. Ausweislich der Daten war die Geschlechterverteilung im Publikum ziemlich ausgeglichen: Frauen stellten knapp mehr als die Hälfte der Besuchenden.

Bricht man den Wert auf einzelne Altersgruppen herunter, wird das Bild komplexer: Insbesondere bei den 18- bis 39-Jährigen saßen bei beiden Spielen mehr Frauen als Männer im Publikum. Die zahlenmäßig größte Gruppe sind jedoch die 40- bis 59-Jährigen: sie machen knapp die Hälfte aller Zuschauerinnen und Zuschauer aus.

Große Unterschiede bei Altersgruppen in der Porsche-Arena in Stuttgart

Die Grafik zeigt die detaillierten Werte. Sie können mit Klick auf das Datum zwischen den beiden untersuchten Spielen hin- und herwechseln.

Woher reisen die Fans an? Beim Spiel gegen Island am 26. November waren laut der Telefonica-Daten tatsächlich 0,6 Prozent des Publikums von der Insel im Nordatlantik angereist (und 0,4 Prozent aus den Niederlanden). Selbst beim Spiel gegen Serbien am Sonntag (30. November) waren die meisten ausländischen Fans aus Island. Aus Serbien waren dagegen quasi keine Handballfans in die Halle gekommen.

Woher die Fans zu den Spielen in Stuttgart anreisen

Tatsächlich stammt das Publikum bei den WM-Spielen der deutschen Mannschaft allerdings ganz überwiegend aus Süddeutschland und schwerpunktmäßig aus Stuttgart und Umgebung. Das zeigt die Karte:

Telefonica hat exakte Zahlen ausrechnen lassen: Gegen Island reisten rund 28 Prozent der Besucher aus Stuttgart an, am Sonntag rund 21 Prozent. Das hat vermutlich mit dem Wochenende zu tun: Zum Island-Spiel am Mittwoch legten 80 Prozent der Besucher maximal 50 Kilometer Anreiseweg zurück. Am Sonntag reisten vier von fünf Fans aus mehr als 80 Kilometer entfernten Orten an.

Frauenhandball ist also zumindest am Wochenende ein überregionales Phänomen. Die Vermutung, dass Frauensport überproportional viele Frauen anzieht, bestätigt sich aber nicht. Das berichtet für die Frauenfußballerinnen des VfB Stuttgart auch Pressesprecher Jochen Ritter: „Betrachtet man die Käuferinnen und Käufer von Heimspielen der VfB-Frauen, zeichnet sich ein ungefähr 50:50-Verhältnis zwischen Frauen und Männern ab.“ Ähnlich wie bei der Handball-WM sei der Frauenanteil „in der jüngeren Zielgruppe tendenziell höher als bei den Älteren“, so Ritter.

Ganz unabhängig von den Zuschauern blieben die deutschen Handballerinnen bei beiden analysierten Spielen ungeschlagen. Ob sie es ins Halbfinale schaffen, entscheidet sich am Dienstagabend gegen Brasilien. Das Spiel wird bei dieser WM zum ersten Mal auch im ZDF übertragen.

Über die Besucher

Mobilfunkdaten
Die Informationen über die Besucher der Handball-WM-Spiele in Stuttgart liefert der Telekommunikationsanbieter o2 Telefónica gemeinsam mit dem Analysespezialisten Invenium Data Insights auf Basis anonymisierter und aggregierter Mobilfunkdaten.

Herkunft der Besucher
Damit Anwohner nicht in die Statistik einfließen, werden nur Geräte gezählt, die maximal acht Stunden in der Funkzelle bei der Porsche-Arena eingeloggt waren. Wer kürzer als eine halbe Stunde eingeloggt ist, wird ebenfalls nicht gezählt. Um anzugeben, woher die Besucherinnen und Besucher angereist sind, wird jeweils betrachtet, an welchem Ort eine Person die letzte Nacht verbracht hat.