Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh: Johannes Bitter (vorn) hat allen Grund zum Feiern – er bleibt weiter in Stuttgart. Foto: Pressefoto Baumann

Der TVB Stuttgart bleibt in der Handball-Bundesliga. Dafür waren 23 Punkte nötig, mehr als Manager Jürgen Schweikardt erwartet hatt – deshalb muss er jetzt ein Abendessen ausgeben.

Göppingen/Stuttgart - Seit Samstag kurz vor 18 Uhr ist die Saison für den TVB Stuttgart nach dem 26:26 in Göppingen definitiv zu Ende. Selbst das war in dieser verrückten Handball-Bundesliga vor dem Derby noch mit einem Fragezeichnen versehen. Denn hätten die Wild Boys und der Bergische HC als direkter Konkurrent im Abstiegskampf am Ende die gleiche Punktzahl und Tordifferenz aufgewiesen, dann hätte es im Laufe dieser Woche noch zwei Entscheidungsspiele um den Klassenverbleib gegeben. Das hätte die Spannung im Kampf gegen den Abstieg sozusagen an die 100 Grad gebracht – zum Siedepunkt also. „Ich glaube so eine Dramatik hat es schon lange nicht gegeben“, sagte der verletzte Stuttgarter Spielmacher Michael Kraus.

Wobei es zu einigen sinnvollen Nebentätigkeiten auch am Samstag an seiner alten Wirkungsstätte reichte. Mitte der zweiten Hälfte raste Kraus wie von der Tarantel gestochen aus der Halle – das Mobilfunknetz war zusammengebrochen. Der Helfer im Kampf gegen den Abstieg. „Wir waren durch unsere Spieler hinter der Bank immer informiert“, sagte später der TVB-Trainer Markus Baur, „dass der Bergische HC so mit sechs, sieben Toren führt.“ Das reichte Stuttgart bei einem Plus von 15 Toren. Am Ende waren es beim 32:24 gegen die 2017 sieglose TSV Hannover-Burgdorf dann acht, aber das war schließlich uninteressant, weil der TVB den Klassenverbleib über das Punktekonto sicherstellte – und Kraus sich danach einen Seitenhieb an die Hannoveraner nicht verkneifen konnte. „Die sind das Gespött der Liga.“

Wichtiger Schritt in die Zukunft

Und der TVB Stuttgart? „Das war vielleicht der entscheidende Schritt hin zu dem Ziel, uns mittelfristig in der Liga zu etablieren“, sagte ein erleichterter Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Nachdem sein Club sich im vorigen Jahr als Aufsteiger letztlich nur durch die Insolvenz des HSV Hamburg gehalten hatte, gelang dies jetzt rein sportlich, wenn auch erst auf den letzten Drücker. Was vielleicht mit dem Verletzungspech vom ersten Spieltag an zu tun hatte. Beim TVB traf es immer wieder Schlüsselspieler wie zuletzt Michael Kraus (Trümmerbruch der Mittelhand) oder Johannes Bitter, der auch am Samstag nach verhaltenem Beginn mit 17 Paraden maßgeblichen Anteil am Punktgewinn hatte. Und dessen Verbleib beim TVB nach dem Klassenverbleib zwar noch nicht verkündet, aber dennoch besiegelt ist.

In den entscheidenden Momenten hat die Mannschaft aber auch gezeigt, dass sie nicht nur aus dem Weltmeisterduo besteht. Zuletzt hat jeder Spieler mehr Verantwortung übernommen, stellvertretend sei hier allen voran Marian Orlowski erwähnt, der vor der Saison als relativ unbeschriebenes Blatt aus der zweiten Liga gekommen war und sich zu einem Leistungsträger entwickelt hat. Oder aber auch Routinier Michael Schweikardt, der die Rolle als Mittelmann zwar etwas anders interpretiert als Michael Kraus, das Spiel aber in Göppingen nochmals intelligent gesteuert und auch drei Treffer beigesteuert hat.

Celebis Zukunft noch offen

Kadermäßig bleibt nur noch die Frage auf der Linkshänderposition, wo nach dem Klassenverbleib einer Weiterverpflichtung des Nicht-EU-Ausländers Can Celebi aus der Türkei juristisch nichts mehr im Wege steht. Und sportlich? „Wir werden uns jetzt zusammensetzen“, sagt Schweikardt. Ausgang offen. In der Hinterhand lauert auf dieser Position zudem Djibril M’Bengue, wobei dessen Krankenakte (Stichwort Patellasehne) eben ein großes Fragezeichen beinhaltet. Schweikardt weiß mit Blick nach vorne: „Wir müssen besser werden, um noch so ein Jahr zu vermeiden.“

Wobei er in einem anderen Punkt falsch lag: Dass 20 Punkte in dieser Saison zum Klassenverbleib reichen. Sein Trainer Markus Baur hatte dagegen gehalten – und hat nun ein schönes Abendessen gewonnen. „Der einzige Wermutstropfen“, sagte Schweikardt am Samstag. Er wird ihn leichten Herzens verkraften können.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: