Noch ein Sieg fehlt Mikkel Hansen zum ersehnten Weltmeistertitel. Foto: dpa

Der dänische Rückraumschütze Mikkel Hansen will sich im Finale gegen Norwegen mit dem WM-Titel krönen.

Hamburg - Die Auszeichnung zum Spieler des Spiels – nie war so klar, wer sie bekommen würde, wie nach diesem Spiel: Mikkel Hansen zog beim 38:30 im Halbfinale der Handball-WM gegen Frankreich eine Supershow ab. Der dänische Topstar warf 12/4 Tore und glänzte mit zauberhaften Anspielen. „Mikkel Hansen war kurz davor, die Notenskala zu durchbrechen. Es ist ärgerlich, dass diese Skala nur bis 10 geht“, schrieb die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ am Samstag. „Er hat Tore mit der gleichen Leichtigkeit gemacht, wie ein Dealer am Black-Jack-Tisch die Karten austeilt.“

Nikolaj Jacobsen gehört nicht zu den Trainern, die mit solchen Superlativen um sich werfen. Aber wenn die Sprache auf Hansen kommt, dann macht der dänische Nationaltrainer vor dem WM-Finale gegen Norwegen an diesem Sonntag (17.30 Uhr) eine Ausnahme: „Er ist sicherlich mit der bedeutendste Handballer, den Dänemark je hatte.“ Hansen hat ein begnadetes Handgelenk, einen wahnsinnig harten Wurf, ein geniales Auge. Auch gegen Frankreich bediente er die Kreisläufer und Außen mit spektakulären No-Look-Pässen und Rückhandanspielen.

„Er ist sicherlich mit der bedeutendste Handballer, den Dänemark je hatte“

Trotz seiner imposanten äußeren Erscheinung (1,96 m groß, 100 kg schwer) und seiner handballerischen Wucht, wirkt er schüchtern und zurückhaltend. „Wenn du zehn Tore wirfst und dann nicht wild jubelst, wird von Arroganz gesprochen. Die Leute verwechseln dabei Selbstbewusstsein, einen großen Glauben an die eigene Stärke mit Arroganz. Das sind zwei unterschiedliche Dinge“, hat der 31-Jährige in einem Interview in seiner dänischen Heimat erklärt. Dort wird der Mann mit der Löwenmähne und dem markanten Stirnband oft wie ein Popstar gefeiert. So richtig wohl fühlt er sich dabei nicht.

Der Star vom französischen Topclub Paris Saint-Germain (geschätztes Brutto-Jahresgehalt knapp eine Million Euro) beschäftigt sich mit Kunst und Literatur und ist mit der Stylistin Stephanie Gundelach verheiratet, das Glamour-Paar ist auch ein Thema für den Boulevard. Doch Hansen geht ungern in Talkshows, gibt wenig von seinem Privatleben preis. Wenn es aber um sein Projekt MH24 (www.MH24.dk) geht, dann tritt der scheue Star ins Rampenlicht. Er kämpft dabei gegen Mobbing bei Kindern.

Hansen engagiert sich gegen Mobbing bei Kindern

Jetzt aber kämpft er um den WM-Titel. Gegen Norwegen und seinen Pariser Vereinskollegen Sander Sagosen, der ebenfalls zu den besten Handballer auf diesem Planeten zählt. Sagosen hat seine Handball-Zukunft noch vor sich. Er ist erst 23. Ob Hansen noch so viel Zeit bleibt, ist die Frage: Seine Spielweise ist kraftraubend, seine Erfolgsbilanz beeindruckend: Olympiasieger 2016, Europameister 2012, Vize-Europameister 2014, Vize-Weltmeister 2011 und 2013. Dreimal dänischer Meister, fünfmal französischer Champion. Welthandballer 2011 und 2015. Doch der WM-Titel fehlt ihm nach zwei verlorenen Endspielen 2011 und 2013 noch in seiner Sammlung. Die kann er an diesem Sonntag vervollständigen – und das auch noch vor heimischer Kulisse.

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