Riesenjubel nach dem Schlusspfiff in Köln. Foto: dpa

Den deutschen Handballern gelingt der Halbfinaleinzug. Unser Redakteur zieht den Hut vor der Leistung der Prokop-Mannschaft.

Köln - Das hätten vor der WM nicht einmal die allergrößten Superoptimisten erwartet: Die deutschen Handballer stehen bereits vor dem letzten Hauptrundenspiel im Halbfinale. Das verdient allerhöchsten Respekt.

Denn vor dem Turnier türmten sich ein paar dicke Fragezeichen auf: Kann eine Mannschaft bei einem Großturnier auf allerhöchstem Niveau etwas reißen mit einem Spielmacher Martin Strobel aus der zweiten Liga? Ist es denkbar, dass die Hauptlast auf der Königsposition im linken Rückraum bei Steffen Fäth liegt, der bei seinem Verein Rhein-Neckar Löwen regelmäßig nur die Bank drückt? Kommt das Berliner Duo Paul Drux und Fabian Wiede nach den langen Verletzungspausen rechtzeitig in Form? Und vor allem: Hält das neu gewonnene Vertrauensverhältnis zwischen Trainer Christian Prokop und der Mannschaft auch Stresssituationen stand?

Das deutsche Gebilde: einst zerbrechlich, jetzt stabil

Alle diese Fragen können mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden. Das anfangs noch zerbrechlich wirkende Gebilde blieb stabil. Nach dem leichtfertig verspielten Sieg gegen Russland gingen die Köpfe nach unten. Zweifel kamen wieder auf. Aber nur ganz kurz: Gleich einen Tag später rief die Mannschaft gegen Frankreich eine Weltklasse-Leistung ab. Dass auch in diesem Härtetest in den verflixten Schlussminuten ein Punkt flöten ging, brachte das Team nicht von seinem Weg ab.

Es surft weiter munter auf der Welle der Euphorie. Das Fieber steigt von Tag zu Tag. Deutschland lässt sich von diesem Sport mitreißen. Der Handball poliert in diesen Tagen sein zuletzt etwas ramponiertes Image kräftig auf.

Jetzt also Halbfinale. Das erste Ziel bei der Heim-Weltmeisterschaft ist souverän erreicht. Das zweite wäre eine Medaille, deren Gewinn von DHB-Vizepräsident Bob Hanning einst als „unverhandelbare Vision“ eingefordert wurde. Von Gold hat er nicht gesprochen. Weil er weiß, dass das Finale in Dänemark über die Bühne geht. Und das hat dann mit einer Heim-WM nicht mehr viel zu tun.

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