Der Handball-Fuchs Velimir Petkovic trainiert jetzt den HC Zagreb – nachdem er vergeblich auf ein Angebot aus der Bundesliga gewartet hat. Ein Treffen beim Champions-League-Spiel des Clubs in Barcelona.
Am Donnerstagabend war Derby-Zeit im schwäbischen Handball. Kein Wunder, dass sich Velimir Petkovic nach dem Ergebnis erkundigte. Die Niederlage von Frisch Auf Göppingen nahm er dabei relativ gelassen hin, obwohl er jahrelang die Göppinger trainierte – und nun beim Rivalen TVB Stuttgart hätte landen können, der bekanntlich auf Trainersuche war. „Doch es gab keinen Kontakt“, sagt der 68-Jährige gegenüber unserer Redaktion in Barcelona, wo er mit seinem neuen Verein HC Zagreb gerade in der Champions League 30:38 (16:23) verloren hat. „Ich wollte in die Bundesliga“, gibt Petkovic zu, aber nach dem Ende seines Engagements in Russland „war ich zwei, drei Monate in Berlin und habe die Vereine verfolgt, die einen Trainer suchen könnten – aber es hat sich keiner gemeldet“.
Dann kam das Angebot aus Zagreb. „Da konnte ich nicht nein sagen, der Direktor ist ein alter Freund von mir.“ Also unterschrieb er mitten in der Saison für eineinhalb Jahre, um die Mannschaft wieder nach vorne zu bringen. „Ich bin über die Situation jetzt nicht unglücklich.“ Warum? Der Verein spielt in der Champions League, „da ist man auf der großen Bühne“. Und die liebt und liegt Petkovic, er ist Handballer durch und durch. Das merkt man auch am Donnerstagabend: Selbst wenn seine Mannschaft chancenlos ist, ist er an der Seitenlinie dermaßen engagiert, dass er die Gelbe Karte sieht.
Petkovic-Team besiegt SC Magdeburg
Gegen den deutschen Meister SC Magdeburg bei seiner Premiere gab es sogar gleich einen Sieg, danach aber einige Probleme mit Verletzungen und internen Querelen. Topspieler Milos Kos wurde suspendiert, weil es in der Kabine offen zu Unstimmigkeiten gekommen war. So etwas duldet Petkovic nicht, also mussten kurzfristig neue Spieler her, wie Davor Gavric, der in Barcelona sein Debüt gab. „Unter diesen Umständen bin ich mit dem Spiel vor allem nach der Halbzeit zufrieden“, sagt Petkovic, dem die Winterpause gelegen kommt. Da will er die Mannschaft nochmals neu einstellen. Obwohl Zagreb aktuell mit vier Punkten Gruppenletzter ist, hat der Trainerfuchs die Hoffnung aufs Viertelfinale noch nicht aufgegeben. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich Optimist bin.“ Das Team habe noch drei Heimspiele, „und in der Champions League haben wir zu Hause schon 5000, 6000 Zuschauer – wenn wir alle gewinnen, müsste es reichen“.
„Ich schaue nach vorne“, sagt Petkovic, der auch noch ein Jahr bei der russischen Nationalmannschaft hätte verlängern können. Doch das kam nach gut vier Jahren nicht mehr infrage. „Es hat keinen Spaß gemacht, wenn man international nicht antreten kann“, sagt Petkovic, der sich gegenüber unserer Redaktion ansonsten bereits zu dem wegen des Ukraine-Krieges umstrittenen Vertrag geäußert hatte: „Ich bin Handballer, die Handballer liegen mir am Herzen. Warum sollen wir Sportler Probleme lösen, die die Politik nicht lösen kann?“ Das Thema ist beendet. „Ich habe einen eigenen Kopf zum Denken, meine Familie und meine Freunde haben mich in meiner Haltung immer unterstützt“, sagte der gebürtige Bosnier, dessen Frau Nada dieses Wochenende nach Zagreb kommen wird, von wo sie stammt und wo das Ehepaar eine Wohnung hat, aber auch weiterhin in Berlin, sodass pendeln angesagt sein wird.
Und vielleicht ja auch noch der Traum Bundesliga? „Wer weiß“, sagt Velimir Petkovic, „in anderthalb Jahren bin ich zwar siebzig. Aber ich fühle mich fit, der Handball hält mich jung.“