Handball Von Hemmingen über Erfurt ins Nationalteam

Von Luca Kraus 

Dinah Eckerle: mit dem Thüringer HC schon zweimal Deutscher Meister. Foto: Mario Gentzel
Dinah Eckerle: mit dem Thüringer HC schon zweimal Deutscher Meister. Foto: Mario Gentzel

Mit Dinah Eckerle (Hemmingen) und Louisa Wolf (Stuttgart) kommen gleich zwei Nachwuchshoffnungen aus der Region. Beide träumen von einer Karriere in der Nationalmannschaft.

Hemmingen/Korntal-Münchingen - Zwei deutsche Handballnationalspielerinnen aus dem Raum Stuttgart hat der württembergische Handballverband in seiner 65-jährigen Verbandsgeschichte hervorgebracht. Kathrin Blacha (Marbach) wurde 2003 und 2004 Deutschlands Handballerin des Jahres, Nadine Krause (Waiblingen) 2006 sogar Welthandballerin des Jahres. Aus dem Altkreis Leonberg hat es bisher noch niemand an die nationale oder sogar internationale Spitze geschafft. Die Betonung liegt auf ‚noch‘, denn das könnte sich schon bald ändern. Mit Dinah Eckerle (Hemmingen) und Louisa Wolf (Stuttgart) kommen gleich zwei Nachwuchshoffnungen aus der Region.

Die Karriere von Dinah Eckerle verlief in den vergangenen zehn Jahren steil bergauf. Im Jahr 2003 begann sie beim GSV Hemmingen mit dem Handball. Über die Zwischenstation TSF Ditzingen kam die 17-Jährige vor knapp vier Jahren zum Thüringer HC. Seit 2011 steht Eckerle im Bundesliga-Kader und gewann mit dem Club zweimal in Folge die Deutsche Meisterschaft. Auch in der laufenden Spielzeit steht das Team aus Erfurt zwei Spieltage vor Ende der regulären Saison auf Platz eins und hat damit gute Chancen, in den Playoffs den Titel zu verteidigen. Neben dem Triple geht es für Eckerle außerdem darum, sich einen Platz im Team zu erkämpfen. Zurzeit steht sie als dritte Torhüterin noch selten auf dem Parkett. Spielpraxis gibt’s in der zweiten Mannschaft, die in der dritten Liga vertreten ist. „Ich nehme mit, was ich bekomme und sammle Erfahrungen, um mich weiterzuentwickeln. Mir war von Anfang an klar, dass es zunächst schwer wird, sich durchzusetzen“, sagt Eckerle. Im Nachwuchs-Nationalteam ist sie eine feste Größe. Unter dem neuen Trainer Andreas Schwabe teilt sie sich mit Nicole Roth (HC Leipzig) die Spielzeit.

Ihren Wechsel nach Erfurt hat die Schwäbin zu keiner Zeit bereut. Sie fühlt sich wohl in der thüringischen Landeshauptstadt. „Ich wurde super aufgenommen und habe mir hier mein zweites Leben aufgebaut.“ Dabei hilft ihr auch ihre Mannschaftskameradin Maike März, die das Handball-ABC ebenfalls in Hemmingen erlernt hat. Der Kontakt in die Heimat ist nicht abgerissen, alle zwei bis drei Monate fährt Dinah Eckerle nach Hause zu ihrer Familie. Das wichtigste aus ihrem Freundeskreis erfährt sie über das Internet. Auch in Erfurt hat sie neue Kontakte geknüpft, vor allem innerhalb des Teams und an ihrer Schule. Das 1,70 Meter große Talent besucht das Pierre-de-Coubertin-Gymnasium in Erfurt und macht dort 2014 ihr Abitur. Im Anschluss will sie studieren.

Darin hat ihr Louisa Wolf, Tochter des Korntal-Münchinger Bürgermeisters Joachim Wolf, etwas voraus. Die 18-Jährige hat in Tübingen bereits ihr erstes Semester in den Fächern Sport und Mathematik absolviert. Nebenher spielt sie beim Zweitligisten TV Nellingen und fährt während der Vorlesungszeit jeden Abend die rund 45 Kilometer lange Strecke ins Training. Viel Zeit um zu lernen, bleibt da nicht. „Es ist ein enormer Aufwand, man muss jede freie Minute nutzen. Aber man will ja auch etwas erreichen“, sagt die zentrale Rückraumspielerin, die in der laufenden Saison ihre Ziele nicht nur erreicht sondern übertroffen hat. 20 bis 30 Minuten spielt sie im Schnitt pro Partie, das ist mehr als sie vor der Saison erwartet hat. Schließlich wurde Louisa Wolf erst vor Beginn der aktuellen Spielzeit in den Kader der ersten Mannschaft berufen. Diese steht derzeit auf dem elften Tabellenplatz und hinkt ihrem Anspruch, um den Aufstieg mitzuspielen, deutlich hinterher.

In der Nationalmannschaft läuft es besser. Nach einer fast zweijährigen Pause wurde die Stuttgarterin im November erstmals wieder berufen und ist seitdem ein fester Bestandteil des Kaders – vor allem wegen ihrer Stärken. „Mein Wurf soll ganz gut sein, außerdem bin ich immer motiviert und habe einen guten Überblick, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das Vertrauen, das mir der Trainer schenkt, versuche ich zurückzuzahlen“, sagt Wolf, die sich früher auch als Schwimmerin und Judoka versuchte. Über ihren handballbegeisterten Bruder und ihren Vater kam sie schließlich zu dem körperbetonten Mannschaftssport. Zunächst spielte sie beim MTV Stuttgart. Bis zu ihrem Wechsel nach Nellingen war sie unter anderem für den VfL Waiblingen aktiv – der Verein, bei dem auch Nadine Krause groß wurde.

Der Karriereweg ist vorgezeichnet. Nun liegt es an Wolf und Eckerle diesen auch zu beschreiten. Mittelfristig träumen beide davon, für die A-Nationalmannschaft aufzulaufen – Dinah Eckerle wäre die erste Altkreis-Spielerin, der das gelingt.

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