Nach elf Niederlagen in Folge, davon fünf mit einem Tor, ist die Abstiegsgefahr beim Handball-Verbandsligisten Team Esslingen real – die Hoffnung aber auch.
„Am Ende verlieren wir mit drei, aber bis zur 58. Minute war es offen – es hätte auch diesmal mit einem Tor Unterschied ausgehen können.“ Timo Flechsenhar sagt diesen Satz mit fester Stimme. Dabei könnte der Trainer des Handball-Verbandsligisten Team Esslingen der Verzweiflung nahe sein. Mit 30:33 unterlag das Team bei der SG Ober-/Unterhausen, und damit fast schon überraschend hoch. Denn das meint Flechsenhar mit seiner Aussage: Die Esslinger haben nun elf Niederlagen in Folge kassiert, sage und schreibe fünf davon mit einem Tor weniger als der Gegner und davon wiederum jahresübergreifend drei hintereinander – 33:34, 28:29, 30:31. Der bislang letzte Sieg datiert vom 19. Oktober 2025 – gegen Ober-/Unterhausen. Die Folge des Ganzen: Das Team ist Letzter.
„Die Tabelle ist brutal“, sagt Flechsenhar. Noch brutaler ist für ihn, „dass wir aufgrund der Qualität nicht Letzter sein müssten“. Und eben die Serie der knappen Niederlagen. „Die Crunchtime ist nicht unser Freund“, fasst der ehemalige Drittligahandballer zusammen, und da liegt dann doch ein bisschen Frust in seiner Stimme. Deshalb geht er die Sache auch nicht an, indem er im Training Medizinbälle schleppen lässt oder neue taktische Varianten einstudiert: „Wir haben uns in eine Negativspirale gespielt. Es hat erst einmal nichts mit der handballerischen Qualität zu tun, sondern ist ein mentales Problem. Deshalb führe ich viele Einzelgespräche.“
„Das ist mental schwer zu verkraften“
Das ist auch in den Augen von Benedikt Frohna, der vor dem Saisonbeginn die Kapitänsbinde von seinem in den Handball-Ruhestand gegangenen Bruder Christopher übernommen hat, der richtige Weg. „Natürlich denkt man am Ende eines Spiels manchmal: Hoffentlich kommt es nicht wie vergangene Woche – und dann kommt es genau so“, erklärt er. Da mache man dann Dinge falsch, die man das ganze Spiel über richtig gemacht habe. „Es sind jede Woche andere Spieler, die die entscheidenden Fehler machen oder das Pech an der Hand haben“, erklärt Frohna.
Flechsenhar und Frohna finden zwar auch ein paar handfeste Erklärungen für die Misere, wie etwa die vielen Auswärtsspiele in Folge während der Hinrunde oder die insgesamt zu hohe Zahl an Gegentoren. Aber der Umstand der vielen knappen Niederlagen nährt einerseits den Glauben daran, dass man es kann, andererseits „ist das auf Dauer noch bitterer, als wenn man chancenlos ist – das ist mental schwer zu verkraften“, wie Frohna sagt. Das mit den Auswärtsspielen zumindest dreht sich nun um. Viele wichtige Duelle haben die Esslinger in den kommenden Wochen daheim, wie gleich das nächste nach der Faschingspause am 21. Februar (18 Uhr) gegen den drei Punkte entfernten Drittletzten TSV Bad Saulgau.
Darauf baut auch Vorstand Nils Fehrlen. „Jetzt kommen die Mannschaften, gegen die wir punkten müssen. Der Februar und der März sind entscheidend“, sagt er und rechnet vor, dass das Team ein Torverhältnis von nur minus 18 hat – für ein Schlusslicht ein interessanter Wert: „Das Gute ist ja, dass die Spiele größtenteils knapp waren.“
Nachdem das Team in den vergangenen Spielzeiten schon meistens unter den eigenen Fähigkeiten und vor allem Erwartungen abgeschnitten hatte, sollte mit der Verpflichtung von Flechsenhar, der davor Co-Trainer beim Regionalligisten HSG Ostfildern war, ein Ruck durch die Mannschaft gehen. Auch Flechsenhar selbst hat sich seine erste Station als Chefcoach anders vorgestellt. Frohna drückt es so aus: „Sowohl Flechse als auch wir Spieler und die Vereinsführung haben gedacht, dass es in die andere Richtung geht.“
Keine Trainerdiskussion
Eine Trainerdiskussion gibt es beim Team trotzdem nicht. Flechsenhar hat vor dem Saisonbeginn einen Zweijahresvertrag unterschrieben, gerade weil klar war, dass der Verjüngungsprozess Zeit braucht. Durch die Verpflichtung von Marcus Maier (HSG Ostfildern II), Moritz Straub und Sebastian Goga (beide JANO Filder) soll er in der kommenden Runde fortgesetzt werden. „Wir stehen hinter der Mannschaft und wir stehen hinter Flechse“, betont Fehrlen und erklärt weiter: „Die Erwartung, dass er die Spieler individuell besser macht, ist auf jeden Fall eingetreten. Wir nehmen auch uns als Verein in die Pflicht, denn auch wenn der Kader besser ist als in der vergangenen Saison, haben wir bei der Planung nicht die Breite erreicht, die wir brauchen.“ Das soll sich im Hinblick auf die kommende Spielzeit ändern.
„Wenn ich 20 Freie verwerfe, liegt es nicht am Trainer“, stellt auch Frohna klar, „Flechse macht ein klasse Training und macht es auch bei den Spielen gut.“ Die Frage ist derweil auch, ob es auf dem Feld genügend Spieler gibt, die Verantwortung übernehmen und die Kameraden mitreißen. Frohna findet, schon.
Die Zahl der Absteiger wird vermutlich bei drei, vielleicht auch bei vier liegen – das rettende Ufer ist also sechs bis acht Punkte entfernt. Noch ist der Optimismus bei den Esslingern groß, dass sie die Kurve kriegen. „Wir gehen alle davon aus, dass wir auch in der kommenden Saison in der Verbandsliga spielen“, sagt Fehrlen – aber auf die Frage, was es bedeutet, wenn es doch nicht reicht: „Mit diesem Kader wäre es nicht gut.“ Zumal der direkte Wiederaufstieg alles andere als ein Selbstläufer wäre, wie etwa das Beispiel TSV Köngen zeigt.
„Man darf aber nichts beschönigen“, betont derweil Frohna und auch Flechsenhar hält die Abstiegsgefahr für real. Der Trainer formuliert es aber lieber so: „Ich sage meinen Männern, dass wir all die knappen Spiele auch hätten gewinnen können.“ Nur muss es das Team auch mal tun. Der bislang letzte Sieg im Oktober war mit 39:33 recht deutlich. Gegen Bad Saulgau in eineinhalb Wochen täte es auch ein 30:29 oder 33:32.