Im packenden Derby der Handball-Verbandsliga gewinnt der TV Reichenbach gegen den TSV Denkendorf mit 28:27. Der Reichenbacher Co-Spielertrainer wird zum Matchwinner.
Zwei rote Karten, insgesamt acht Hinausstellungen und der Siegtreffer in der letzten Sekunde per Siebenmeter: Es war wieder Derbyzeit an der Fils. Und wieder gewann der TV Reichenbach gegen den Rivalen TSV Denkendorf in der Handball-Verbandsliga – wieder kurz vor Schluss. Diesmal hieß es 28:27 (10:12). Bereits in der vergangenen Saison hatten sich die beiden Teams ein hitziges Duell mit Herzschlagfinale geliefert – auch mit dem besseren Ende für den TVR.
Dass die Reichenbacher Derbys gewinnen können, hatte sich auch in der Woche davor gezeigt, als das Team von Trainer Jochen Masching durch einen eindrucksvollen Kampf den TSV Deizisau mit 35:33 niederrang. Trotzdem war Masching nicht zufrieden mit der Leistung gegen Reichenbach: „Es war in keiner Weise das, was wir uns vorgenommen haben – wenn wir uns letzte Woche anschauen und sehen, was wir da gezeigt haben. Denkendorf kommt voll über den Kampf und wir matchen es gar nicht.“
Mit elf Pluspunkten ging der Tabellenvierte Reichenbach in die Partie und hatte vier Zähler Rückstand auf den Tabellenfünften Denkendorf. An der Tabellenkonstellation sollte auch das Derby nichts ändern. Für die Denkendorfer war die Begegnung in der Reichenbacher Brühlhalle zugleich das letzte Spiel des Kalenderjahres – die Motivation für das Derby war dementsprechend groß. Ganz unzufrieden wird die Mannschaft am Ende zumindest mit ihrer Leistung nicht gewesen sein. Das erkannte auch der gegnerische Trainer Masching an: „Die Denkendorfer haben hier mindestens einen Punkt verdient, so wie sie gespielt haben.“ Das sah auch Denkedorfs Trainer Moritz Müller so: „Wir haben 59 gute Minuten gespielt und absolut verdient geführt. Dass das Spiel dann durch die zwei Blackouts entschieden wird, ist unglaublich bitter.“
In der Tat begann die Partie kampfbetont. Die Denkendorfer schienen zunächst besser eingestellt zu sein und belohnten sich früh mit der Führung und schafften es in den ersten 15 Minuten, die Partie zu kontrollieren. Dann der Schock in der 21. Minute: Der Reichenbacher Co-Spielertrainer Daniel Roos setzte zum Wurf an und wurde vom Denkendorfer Niklas Ockers am Hals getroffen. Roos musste behandelt werden und verließ mit Schmerzen das Feld, Ockers sah Rot.
Roos trotzt der Verletzung
Bis in die letzten zehn Spielminuten hinein gelang es dem TSV, den Gastgeber mit zwei Toren auf Distanz zu halten. Dann jedoch kippte es. Der bärenstarke Mattis Sohn im Tor des TVR hielt mit seinen Paraden den Glauben an einen Punktgewinn aufrecht. Im Gegenzug nutzten seine Kollegen ihre Chancen konsequent und kämpften sich heran. Zur tragischen Figur auf Denkendorfer Seite wurde schließlich Neil Jäger. Mit insgesamt acht Treffern hatte er seine Mannschaft zuvor offensiv angeführt. In der 58. Minute unterlief ihm jedoch ein technischer Fehler. Tim Pussert vom TVR nutzte die Situation eiskalt, lief allein auf das Denkendorfer Tor zu und verwandelte zum 27:27-Ausgleich. Zuvor schon hatte der ehemalige Reichenbacher Heiko Glatze für sein rabiates Einsteigen am Siebenmeterraum rot gesehen.
Die Denkendorfer warfen in Unterzahl alles rein. In der 60. Minute geschah es dann: Jäger betrat ohne Erlaubnis das Spielfeld, was eine Zweiminutenstrafe nach sich zog und den Reichenbachern den Ballbesitz einbrachte. Masching reagierte umgehend, nahm seine letzte Auszeit und schwor seine Mannschaft auf die Schlusssekunden ein. Die Ansprache zeigte Wirkung: Die Reichenbacher nutzten die Überzahl und erzielten tatsächlich noch den Siegtreffer. Der Torschütze: Daniel Roos. Dem aufmerksamen Zuschauer dürfte aufgefallen sein, dass sich Reichenbachs Nummer 23 bereits ab der 40. Minute wieder warm gemacht hatte, ehe er noch einmal das Spielfeld betrat und schließlich zum Matchwinner wurde. „Im Endeffekt sind es 40 Sekunden, die das Spiel entscheiden. Das müssen wir jetzt erst mal wegstecken“, sagte Müller. Rund zwei Wochen sind dafür nun Zeit, ehe es für den TSV Anfang Januar beim EZ-Pokal an den Start geht. Ausrichter ist der TVR.
TV Reichenbach Sohn, Uckmann; Neumann (2), Hofmann, Colin Farrell, Ewan Farrell, Fahrion, Küstner, Gehring (1), Roos (5/2), Mäntele (3), Pussert (8/3), Scheffold (2), Munck (2), Glatzel (5).
TSV Denkendorf: Schrade, Sürer; Schmid (1), Jäger (8), Lohmann, Quintus (2), Beck, Geiselhart (2), Piskureck (1), Müller (3), Kaiser (1), Riehs (8/3), Ockers (1), Neuber.
Schiedsrichter: Marcel Glas / Hannes Mettmann (Ludwigsburg / Leinfelden-Echterdingen).
Zuschauer: 300.
Zeitstrafen: 6:10 – zwei mal zwei Minuten für Mäntele (Reichenbach), zwei Minuten für Glatzel (Reichenbach), Ockers, Schmid, Jäger, Müller, Geiselhart (Denkendorf).
Beste Spieler: Sohn, Roos / Schrade, Riehs, Jäger.