Der ehemalige Handball-Profi und Trainer der TSF Ditzingen verfolgt die Handball-EM mit großem Interesse. Sein Topfavorit ist Dänemark – und wenn Deutschland am Donnerstag auf Kroatien trifft, hat er ein Problem.
Es überrascht nicht, dass sich Almir Mekic bei der Handball-Europameisterschaft so viele Spiele wie möglich anschaut. Um das dritte Gruppenspiel von Deutschland gegen Frankreich zu sehen, verlegte er auf Wunsch seiner TSF Ditzingen sogar das Training am Dienstagabend zeitlich ein gutes Stück nach vorne, damit alle zusammen anschließend den Handball-Klassiker im Fernsehen verfolgen konnten. Der ehemalige Zweitliga-Profi von Frisch Auf Göppingen und des TV Kornwestheim kennt das Gefühl, Teil einer Nationalmannschaft zu sein. Bei der Qualifikation für die Europameisterschaft 2000 gehörte er zum Kader von Bosnien-Herzegowina.
Sein Herz schlägt bei der Europameisterschaft gleich für mehrere Teams. Da der 51-Jährige im ehemaligen Jugoslawien aufgewachsen ist, hegt er Sympathie für alle Teams des ehemaligen Vielvölkerstaats. Das sind bei dieser EM gleich sechs: Kroatien, Serbien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Nordmazedonien. Das Erbe Jugoslawiens, Doppel-Olympiasieger (1972 und 1984) sowie Weltmeister 1986, erkennt er am stärksten im Team von Kroatien wieder. „Das ist ein Team, das für sein Land sterben würde“, schwärmt er. Die Klasse Kroatiens habe man beim 39:29-Sieg gegen Mitfavorit Spanien gesehen. „Aber ihr großes Manko ist, dass sie schwächere Gegner gern unterschätzen“, weiß er nur zu gut.
Ganz vorne sieht er die Kroaten bei den derzeitigen kontinentalen Titelkämpfen daher nicht. Sein Topfavorit ist der dreifache Weltmeister Dänemark – aus zwei Gründen: „Sie schaffen es seit Jahren, immer wieder junge Talente hervorzubringen“, erklärt er. Darin sieht er den entscheidenden Vorteil gegenüber Frankreich, das er mittlerweile für ein wenig überaltert hält. Der zweite große Trumpf Dänemarks sei Niklas Landin. „Er ist derzeit der beste Torhüter der Welt. Und Titel haben zuletzt stets die Mannschaften mit den besten Keepern geholt“, erläutert Almir Mekic seine Sicht der Dinge. Neben Frankreich und Kroatien zählt er auch noch Titelverteidiger Schweden zum erweiterten Favoritenkreis, Island traut er durchaus die Rolle des Geheimfavoriten zu.
Wichtiger Heimvorteil für Deutschland
Und Deutschland? Da ist sich der ehemalige Profi sicher: „Deutschland sollte das Halbfinale erreichen– und dann entscheiden Torhüterleistung und Tagesform“, sagt er vor dem Spiel der Deutschen gegen Ungarn am Montagabend (Partie war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Der Heimvorteil kitzle aus den Spielern noch einmal 20 Prozent mehr Leistung heraus. Der große Trumpf des Teams von Bundestrainer Alfred Gislason sei die mannschaftliche Geschlossenheit. „Deutschland hat keinen Ausnahmekönner in seinen Reihen, aber viele junge Talente, aus denen Juri Knorr herausragt“, findet Almir Mekic.
Der Profi der Rhein-Neckar Löwen gehöre schon jetzt zu den besten Spielmachern der Welt. Einen von solcher Qualität habe Deutschland zuletzt vor fast zwei Jahrzehnten mit Markus Baur in den Reihen gehabt. Wenn Deutschland und Kroatien bei der EM an diesem Donnerstag aufeinandertreffen, hat Almir Mekic kein Lieblingsteam. „Da schlägt mein Herz für beide, ich lebe seit 1992 in Deutschland“, erläutert er.
Großes Lob für die Organisatoren
Große Stücke hält der Ditzinger Coach auf die Fähigkeit Deutschlands zur Organisation. „Deutschland ist der beste Organisator von Großereignissen, egal in welcher Sportart“, lobt Mekic. Das habe sich nicht nur am Zuschauerrekord mit mehr als 53 000 Besuchern beim Eröffnungsspiel gegen die Schweiz im Düsseldorfer Fußballstadion gezeigt. „In anderen Ländern wären die Spiele der eigenen Mannschaft und Spitzenspiele auch ausverkauft. Aber in Deutschland sind es alle“, erzählt der 51-Jährige voller Begeisterung. Die EM sei Werbung für den Handballsport, die Vereine in Deutschland werden davon profitieren, ist er sich sicher.
Und Almir Mekic muss es wissen. Für die ganz große internationale Karriere hat es bei ihm zwar nicht gereicht. Doch kann er sich rühmen, unter einem Weltklasse-Coach trainiert zu haben: Vlado Stenzel, der Jugoslawien 1972 zum Olympiasieg und Deutschland 1978 zum WM-Titel führte, holte Almir Mekic am Ende seiner aktiven Spielerkarriere von Leipzig zur TS Regensburg.