Wer hinfällt, muss wieder aufstehen: Die Handballer des SV Leonberg/Eltingen um Christoph Hönig kommen derzeit nicht so recht auf die Beine. Foto: Andreas Gorr

Matthias Groß, der Handball-Chef des SV Leonberg/Eltingen, über die nicht ganz einfache Trainersuche und das Niveau des Teams. Gegen den TV Flein betreut Philip Schückle das Team

Chefcoach Oliver Cicione ist Geschichte, die Partie des SV Leonberg/Eltingen in der Handball-Oberliga Württemberg an diesem Samstag (20 Uhr) im Sportzentrum gegen den TV Flein ist Spiel Nummer eins nach dessen Abschied. Matthias Groß (56) will bis Weihnachten einen neuen Coach präsentieren und setzt bei der Fahndung auf verschiedene Methoden – der Abteilungsleiter sieht nun die Mannschaft in der Pflicht.

 

Herr Groß, wer sitzt gegen den TV Flein als Trainer auf der Bank?

Philip Schückle, der bisherige Co-Trainer.

Es geht gegen den Zweiten, das wird ein dickes Brett – ist das ein Nachteil oder ein Vorteil für dieses besondere Spiel?

Wir können Flein nicht einschätzen, damit meine ich die Verantwortlichen Werner Neuffer, Stefan Schuster und mich. Wir vermuten, das Team ist nicht so stark, wie es der Tabellenstand ausdrückt.

Vorteil oder Nachteil?

Sagen Sie mir, wie wir hätten reagieren müssen. Holen wir schnell einen neuen Trainer von außen, besteht die Gefahr, dass er mit einer Niederlage einen schlechten Start hat. Oder holen wir einen sogenannten Feuerwehrmann, der nur das Ziel hat, die Mannschaft vor dem Abstieg zu bewahren? Philip ist am nächsten an der Mannschaft dran – er hat damit die beste Chance, das Team vorzubereiten, weil er im Thema drin ist.

Wo steht der SV bei der Trainersuche und: Wie ist das Anforderungsprofil?

Wir haben die Augen offen nach allen Richtungen und lassen uns sämtliche Türen geöffnet – wobei ich glaube, dass das Szenario Feuerwehrmann kein gutes ist. Diesbezüglich sind wir nicht aktiv. Jetzt gehen wir in das Spiel gegen Flein, wir haben Philip unser Vertrauen ausgesprochen. Trainer und Team sollen sich darauf konzentrieren und dann sehen wir mal, wie das läuft.

Es dürfte nicht ganz einfach sein, während der laufenden Saison einen Trainer zu finden, der exakt ins Anforderungsprofil passt und der eine Perspektive über das Saisonende hinaus bietet.

Ich denke, das ist wie im Berufsleben – die Guten sind alle untergebracht. Aber was immer eine Chance darstellt, ist der Blick in die zweite Reihe. So haben wir das im Gesamtverein auch getan, als wir einen neuen Geschäftsführer gesucht haben. Wir schauen daher auch auf die Co-Trainer. Da spielt es natürlich eine Rolle, wie der mit seinem Verein mental verbunden ist – manche Leute holst du nie von einem Club weg. Aber es gibt sicher Co-Trainer, die bereit für einen Wechsel wären und die den nächsten Schritt auf der Karriereleiter machen wollen. Da kann man dann Kontakt aufnehmen.

Ein Blick auf die Tabelle kann ebenso hilfreich sein.

Ganz genau. Man checkt die Clubs, in denen gute Trainer arbeiten und lotet aus, wie es denen gerade wohl geht. Man sondiert die Möglichkeiten, und wenn man dieses Geschäft nicht erst seit ein paar Tagen macht, besitzt man darüber hinaus ein entsprechendes Netzwerk.

Ist Philip Schückle in irgendeiner Form bei der Suche mit eingebunden?

Zunächst sind wir gefragt, damit meine ich den Sportlichen Leiter Werner Neuffer, Stefan Schuster und mich. Wenn wir einen Kandidaten haben, dann kennt man den für gewöhnlich – wir werden wohl keinen von weit her holen, er wird ziemlich sicher aus der Region kommen. Und dann kommt Philip Schückle ins Spiel. Dann wird er sich äußern, wie er zu der Personalie steht. Es könnte ja auch sein, dass dieser neue Mann unbedingt seinen eigenen Co-Trainer mitbringen will. Das wird dann im Dialog entschieden. Aber so weit sind wir noch nicht.

Gibt es ein Zeitlimit, bis wann der neue Coach unterschrieben haben sollte?

Weihnachten ist ein guter Zeitpunkt. Das haben wir drei zwar so nicht explizit festgelegt, aber ich denke, da herrscht zwischen uns ein stillschweigender Konsens.

Die letzten zwei Trainer sind vorzeitig gegangen – von Michael Zimmermann hat sich der Club nach knapp einem halben Jahr getrennt, Oliver Cicione stieg nach knapp einem Jahr aus. Müssen Sie das Auswahlverfahren überdenken?

Vorzuwerfen haben wir uns nichts. Wir haben stets offene Gespräche geführt. Die beiden Fälle samt der Trennung sind in keiner Weise vergleichbar. Wenn mal etwas nicht passt, dann passt es eben nicht. Noch ein Satz zu Oliver Cicione: Es war seine erste Station als Chefcoach einer Herren-Mannschaft, sein Weg ist noch nicht zu Ende – wenn so jemand sagt, ich steige aus, bevor es ein massives Zerwürfnis gibt, dann ist das vollkommen in Ordnung. Und dabei hat der Verein doch auch keinen Fehler gemacht.

Woran machen Sie die Talfahrt in der Oberliga und die stark schwankenden Leistungen der Mannschaft fest?

Wir hatten starke Gegner zum Start, da sind wir nicht auf Touren gekommen, wofür wir in Leonberg bekannt sind: für schnellen Handball, für Kombinations-Handball. Da haben wir nicht performt. Betrachten wir sämtliche Ergebnisse, stellen wir fest, dass da auch knappe Dinger dabei waren, die wir hätten gewinnen können. Wir müssen nun den Schalter finden, den wir umlegen können – das kann auch einer im Kopf der Spieler sein. Denn: Die Mannschaft steht jetzt in der Pflicht.

Wurde die Mannschaft nach den Rücktritten der Routiniers Andreas Binder und Philip Schückle nicht adäquat verstärkt? Fehlen die Führungsspieler?

Für Andi Binder kam Luis Hönninger zurück, der vergangene Saison einen Kreuzbandriss hatte. Er macht seine Sache gut. Am Kreis haben wir für Philip Schückle mit der Rückkehr des langzeitverletzten Jakob Ulrich geplant, doch er musste leider die Karriere beenden – dann war es wie bei den Trainern: Die Guten sind nicht mehr auf dem Markt.

Ist die Mannschaft damit also schwächer als in der vergangenen Saison?

Nicht schwächer, anders. Bernhard Kutzner hat sich am Kreis klasse entwickelt, nachdem Schückle und Ulrich nicht mehr verfügbar waren, er löst die Aufgabe gut. Chris Hönig kam zurück, das war sicher keine Schwächung. Ich denke, wir sind nicht schwächer. Die Individualität im Team ist eine andere, wir sind in der Breite anders aufgestellt.