Mit dem 30:28-Sieg im Derby über die favorisierte HSG Ostfildern sorgt der TVP in der Handball-Regionalliga für eine ziemliche Überraschung.
Trainer Marco Gaßmann von Handball-Regionalligist HSG Ostfildern saß nach der Schlusssirene erst mal einige Minuten leicht konsterniert auf der Bank – mit einem 30:28 (15:19)-Heimsieg war dem TV Plochingen im Derby gegen seine Filderhandballer ein dickes Ausrufezeichen gelungen. Denn im Vorfeld hatten nur die größten Optimisten einen Pfifferling auf die Plochinger gesetzt – das Hinspiel war mit 36:25 klar an die HSG gegangen und während in Ostfildern die Weichen für die kommende Saison gestellt sind, ist in Plochingen nach wie vor vieles unklar. „Vielleicht haben wir das Spiel zu sehr auf die leichte Schulter genommen. Wir waren nicht hundertprozentig da“, sagte Gaßmann.
Das konnte Plochingens Co-Trainer Volker Haiser, der den privat verhinderten Michael Stettner als Chefcoach vertrat, über seine Mannschaft nicht behaupten: „Die Spieler haben alles gegeben, ich bin sehr stolz auf diese Leistung.“ Der Trainerfuchs hatte sich schon im Vorfeld zusammenklamüsert, dass gegen Ostfildern was gehen könnte: „Dank des Videostudiums hatten wir ein paar Dinge identifiziert, die wir angreifen können.“
Gesagt, getan: Die Plochinger legten los wie die Feuerwehr und rissen immer wieder Lücken in die Ostfilderner Abwehr, die nutzte vor allem TVP-Kreisläufer Lukas Mäußnest, der – mustergültig bedient von seinen Mitspielern um Regisseur Axel Steffens – in den ersten zehn Minuten gleich vier seiner insgesamt sechs Treffer erzielte. „Ihn haben wir zunächst überhaupt nicht in den Griff bekommen, wir hatten deutliche Probleme in der Defensive“, gab Gaßmann zu. Nach dem 4:7 (11.) hatte der HSG-Coach genug gesehen und warf seine erste grüne Karte. Mit Erfolg. Ostfildern drehte auf, unterstützt von einigen Paraden des mittlerweile eingewechselten Torwarts Sebastian Arnold glichen die Gäste beim 8:8 (16.) erstmals wieder aus und hatten die Nase bis zum Seitenwechsel mit vier Toren vorne (19:15). Wer nun aber dachte, dem TVP schwämmen in Durchgang zwei die Felle endgültig davon, war schief gewickelt. Im Gegenteil. Die Plochinger nahmen ihr Herz in die Hand, kämpften sich im Laufe des zweiten Abschnitts langsam, aber sicher wieder heran und stellten hinten den Ostfilderner Angriff mit einer kompakten 6:0-Deckung vor Probleme. „Damit haben wir einige Impulse gesetzt“, sagte Haiser.
Wichtig für das Ego
Ein Sonderlob verdiente sich neben Yannik Leichs, der nach einem halbjährigen Spanien-Aufenthalt mit vier Treffern Akzente setzte, auch Keeper Felix Maar. Der junge Torwart (Jahrgang 2004) vereitelte ab seiner Einwechselung in der 26. Minute zahlreiche Großchancen der Ostfilderner, darunter zwei Siebenmeter – und avancierte letztlich mit zwei wichtigen Paraden zum Matchwinner: In Unterzahl – Plochingens Steffens hatte von den Schiedsrichtern eine zweiminütige Denkpause verordnet bekommen (58.) bei mit einer knappen Zwei-Tore-Führung der Plochinger (28:26) – wehrte Maar in der Crunchtime gleich zwei Würfe des sonst treffsicheren HSG-Rückraumshooters Dominik Keim ab. Dabei zahlte sich auch das gute Verhältnis der Plochinger Torhüter aus: „Mein Kollege Marc Krammer hatte mich in der Auszeit vorgewarnt, dass Dominik ins lange Eck werfen wird. Also habe ich alles da rein geworfen“, erklärte Maar, der zur kommenden Saison zum VfL Pfullingen in die 3. Liga wechselt.
Für das Ego der Plochinger sei der Sieg unheimlich wichtig gewesen, sagte Maar weiter: „Wir wollten unbedingt gewinnen, in den vergangenen beiden Jahren haben wir gegen Ostfildern immer verloren. Deswegen haben zum Abschluss alle richtig Vollgas gegeben.“
Unterm Strich hätte seine Mannschaft verdient verloren, gab Gaßmann indes zu. „Wenn man in der zweiten Hälfte nur neun Tore wirft, ist eben nicht mehr drin.“ Zudem hätten angesichts der Ausfälle von Manuel Späth (privat verhindert), Lukas Aichele (Verletzung der Patellasehne) sowie Lukas Lehmkühler (Schulter) einfach die nötigen Körner gefehlt: „Das hat man deutlich gemerkt, aber das kann keine Entschuldigung sein.“
TV Plochingen: Gübele, Maar, Krammer; Hägele (2), Bischoff (4), Hauff (2) Schmid (1), Leichs (4), Euchenhofer, Steffens (10/2), Klingler (1), Mäußnest (6), Peter, Serrano, Kopf, Bauer.
HSG Ostfildern: Schlemmer, Arnold; Distel (5), Gehrung (2/1), Böhm (3), Keim (7), Soteras Merz (3/1), Steinfath (2), Piskureck, Fleisch (5), Fischer, Maier, Pollich (1).
Schiedsrichter: Georgios Dalampakis/Levin Wanders (Leinfelden-Echteringen).
Zuschauer: 450.
Zeitstrafen: 8:2 Minuten – zwei Minuten für Schmid, Steffens, Mäußnest, Peters (Plochingen), Distel (Ostfildern).
Beste Spieler: Steffens, Leichs, Maar/Keim, Fleisch.