David Späth (links) mit seinem Kumpel Juri Knorr. Foto: Sina Schuldt/dpa

Der 23-jährige Handball-Nationaltorhüter plaudert in Wolfschlugen aus dem Nähkästchen.

Wahrnehmungen können täuschen. Sicher, als der 2,02-Meter-Hüne David Späth das Podium in der Wolfschlugener Turn- und Festhalle betritt, da wirkt selbst der eigentlich groß gewachsene Fragesteller Holger Laser für einen Moment eher klein. Da werden die Bilder aus dem Fernsehen wach, jene etwa, die Handball-Nationaltorwart Späth bei den Olympischen Spielen in Paris oder der im Januar ausgetragenen Europameisterschaft zeigen, wie er seinen Jubel nach einer Parade frenetisch herausbrüllt, wie er seine Kontrahenten regelrecht aufzufressen droht. „Da erschrecke ich mich selbst jedes Mal, wenn ich es sehe“, erzählt Späth den mehr als 260 geladenen Gästen, die sich beim Sport-Elite-Talk der Deutschen Vermögensberatung eingefunden haben. Es ist eine der vielen Anekdoten, die der 55-malige Nationalkeeper an diesem kurzweiligen Abend im Gespräch mit VfB-Stuttgart-Stadionsprecher Laser preisgibt.

 

30 Minuten sind für die beiden eingeplant. Am Ende unterhalten sie sich nach der Einführung von Michael Handte, der Späth sozusagen nach Wolfschlugen gelotst hat und Sponsoring-Beauftragter des gastgebenden TSV Wolfschlugen ist, fast eine Dreiviertelstunde lang. Der junge, sympathische Torhüter des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen wirkt dabei entspannt, reflektiert, wie ein alter Hase schon, gibt ein ganz anderes Bild ab, als jenes aus dem Fernsehen – und: kaum zu glauben, dass da ein erst 23-Jähriger vor einem sitzt.

Nicht nur Fußball in Kaiserslautern

David Späth scheint Spaß an der Veranstaltung zu haben, antwortet ausführlich und humorvoll auf Lasers Fragen, erzählt etwa vom Trainingsspiel Alt gegen Jung, bei dem er „gefühlt“ in der Torschützenliste auch ganz vorn liegt. Und er gibt sich auch immer wieder selbstkritisch. „Ich war nicht der Fleißigste“, blickt er auf seine Anfänge in seiner ja ansonsten so vom Fußball geprägten Heimatstadt Kaiserslautern.

Zum Handball sei er 2008 eher zufällig gekommen. Er wollte etwas anderes ausprobieren. In einem Training sollte dann jeder mal ins Tor, und „ich habe es wohl ganz gut gemacht, habe Spaß daran gefunden“, blickt er auf seine Anfänge. „Aber Kaiserslautern ist ja auch nicht die Handball-Hochburg“, wirft Laser ein und will wissen, wie es weiterging. „Ich wollte die Schule fertig machen und bin dann mit 16 aufs Internat“, erzählt Späth. Nach und nach habe er auch gemerkt, dass das Talent da ist, das aber nicht alleine ausreiche, dass er mehr machen musste, was er dann auch tat. Denn schon als 13-,14-Jähriger war für ihn eigentlich klar, „dass ich das machen will, dass ich Profi werden will. Handball ist alles für mich.“

David Späth berichtet den gespannten Zuhörern, bei denen vorwiegend Mitglieder der TSVW-Handballabteilung zugegen sind, aber auch Vorstandsmitglied sowie Fußballabteilungsleiter Reiner Vollmer, der bei der Auslosung später das signierte Trikot gewinnt, von seiner ersten Trainingseinheit mit den Profis, darüber, wie er sich den Zettel mit Datum und Uhrzeit des Trainingsbeginns ans Bett heftete, um es ja nicht zu verpassen. „Und dann saßen sie alle da“, erinnert er sich an seine Premiere. Spieler, die der damalige A-Jugendliche teilweise nur aus dem Fernsehen kannte. „Ich war nervös.“

Ein Rückschlag und viele Erfolge

Späth erzählt auch, wie er sich im November 2021 als 19-Jähriger das Kreuzband riss. Drei Tage sei er nur im Bett gelegen, habe in der Folgezeit auch „viele depressive Phasen“ durchlebt, kämpfte sich aber wieder zurück.

Der U-19-Europameister von 2021 konnte allerdings schon bald neue Erfolge feiern. Beim Pokalsieg der Rhein-Neckar Löwen 2023 wurde er zum Matchwinner, obwohl er davor kaum gespielt hatte. Er selbst bezeichnet das als „prägendsten Moment“ seiner bisherigen Karriere. Im gleichen Jahr wurde er mit der U-21-DHB-Auswahl Weltmeister, 2024 folgte Olympia-Silber in Paris, vor fast zwei Monaten EM-Silber. Das nächste Ziel: „Ich hoffe, bei der Heim-WM dabei zu sein.“ Einem Engagement beim TSV Wolfschlugen schiebt er allerdings (noch) einen Riegel vor. „Ich habe meinen Vertrag bei den Rhein-Neckar Löwen schon verlängert“, beantwortet er eine Publikumsfrage. „Ich bin begeistert, das war ein toller Abend mit vielen Impulsen“, resümiert Gastgeber Handte treffend.