Der Kleinbottwarer Christian Schäfer hat in Bietigheim bis 2022 verlängert. Foto: Archiv (Baumann/Hansjürgen Britsch)

Der Kleinbottwarer Christian Schäfer hat sein 400. Spiel für Zweitligist SG BBM Bietigheim absolviert.

Kleinbottwar - Handballprofi Christian Schäfer hat kürzlich beim Heimsieg gegen Aue sein 400. Bundesliga-Spiel für die SG BBM Bietigheim bestritten. Schon zuvor hatte der Linkshänder seinen Vertrag beim derzeit Vierten der Zweiten Bundesliga bis 2022 verlängert. Im Interview blickt der 31-jährige Kleinbottwarer auf seine bisherige Karriere zurück.

Du bist 2007 als 18-Jähriger nach Bietigheim gewechselt. Hast Du es je für möglich gehalten, dass Du mal 400 Bundesliga-Partien für die SG BBM absolvieren wirst?

Ich habe natürlich gehofft, dass es mal so viele Spiele auf dem Niveau werden. Aber so etwas ist nie absehbar. Man weiß nie, was kommt, wie man sich in den jungen Jahren weiterentwickelt und wie es mit Verletzungen läuft. Ich bin froh, dass ich jetzt schon so lang dabei bin und dass ich auch noch länger dabei bleiben werde.

Was war der bisher schönste Moment in Deiner Bietigheimer Zeit?

Da gab es viele. Wenn ich mich festlegen muss, würde ich die beiden Erstliga-Aufstiege nennen. Beim ersten war ich leider in der Rückrunde verletzt, beim zweiten stand ich dann auf der Platte.

Und der schrecklichste Moment?

Ganz klar das Gummersbach- Spiel im vergangenen Jahr. Da hatten wir den Klassenerhalt eigentlich schon in greifbarer Nähe, lagen in der 46. Minute mit vier Toren vorne und hatten auch mit dem letzten Angriff noch die Chance, das Siegtor zu machen, um drinzubleiben. Dann noch abzusteigen, das war extrem bitter.

Auch im Handball ist es ungewöhnlich, so lange für ein und denselben Verein zu spielen. Was steckt hinter Deiner Treue zur SG?

Ich fühle mich einfach extrem wohl in der Region. Ich komme von hier, habe meine ganze Familie in der Nähe, meine Frau ist Lehrerin am Ellental-Gymnasium. Wie ich hat sich auch die SG in all den Jahren weiterentwickelt – von einem durchschnittlichen bis guten Zweitligisten zu einer Mannschaft mit höheren Ambitionen. Wir sind quasi zusammen gewachsen. Das alles hat den Ausschlag gegeben, dass ich nie weggegangen bin.

Hat es Dich denn nie gereizt, Dich mal woanders zu beweisen?

Sicherlich gab es den einen oder anderen Moment, an dem ich mal über einen Vereinswechsel nachgedacht habe. Da stellt man sich immer die Frage, was zu diesem Zeitpunkt das Richtige für einen ist. Und für mich war das Richtige dann immer, bei der SG zu bleiben. Mein Traum war schon als Kind, mal in der Ersten Liga zu spielen. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man das mit dem Verein schafft, in dem man groß geworden ist.

Dein früherer Mitspieler Patrick Zieker hat in jungen Jahren Bietigheim verlassen, ist zu einem gestandenen Erstliga-Profi gereift und war im Januar sogar bei der EM für Deutschland am Ball. Wenn man das sieht – wird man da nicht neidisch?

Auf keinen Fall. Ich gönne das „Paddy“. Wir kennen uns schon ewig und kommen ja auch aus dem gleichen Dorf. Hin und wieder haben wir auch noch Kontakt. Früher sind wir zusammen nach Bietigheim ins Training gefahren. Als er noch keinen Führerschein hatte, habe ich ihn da immer mitgenommen. Es ist extrem schwierig, nach ganz oben zu kommen. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und kontinuierlich Leistung abliefern. „Paddy“ macht das in Stuttgart und spielt überragend. Deswegen hat er sich so einen Höhepunkt wie die EM auch absolut verdient. Ich freue mich sehr für ihn.

Und nächste Saison spielst Du mit Zieker wieder gemeinsam, wenn auch bei unterschiedlichen Vereinen, in der Ersten Bundesliga?

Das wäre natürlich ein Traum. Ich habe es ja schon im Zuge meiner Vertragsverlängerung gesagt: Unser Ziel ist ganz klar der Wiederaufstieg. Nach dem schwachen Saisonstart hätte wohl keiner mehr daran geglaubt, dass wir noch mal da oben herankommen. Jetzt haben wir zehn der letzten elf Spiele gewonnen und sind vorne wieder voll dabei.