Die Oberliga-Handballer müssen nach dem überraschenden Rücktritt von Trainer Zoran Stavreski mehrere Baustellen beackern. Einige Ex-Spieler unterstützen die Mannschaft.
Manchmal enden Partnerschaften ziemlich unerwartet und abrupt. Eine Trennung aus heiterem Himmel, bei der der Verlassene aus allen Wolken fällt. Das passiert in Liebesbeziehungen wie in Vertragsgemeinschaften – am Sonntagmorgen hat es die Handballer des SV Leonberg/Eltingen eiskalt erwischt.
Cheftrainer Zoran Stavreski informierte den Sportlichen Leiter des Oberligisten, Werner Neuffer, am Telefon von seiner Entscheidung, wegen seines starken beruflichen Engagements seinen Posten aus Zeitgründen niederzulegen. Seine Mannschaft setzte Stavreski mit einer knappen Erklärung in der Whatsapp-Gruppe in Kenntnis, dass er nach sechs Saisonspielen zurückgetreten sei. Ein schneller Abschied durch die Hintertür.
Werner Neuffer hat dieser unerwartete Rückzug auf dem falschen Fuß erwischt. „Zu einem so frühen Zeitpunkt in der Saison hast du keinen Namen eines möglichen Nachfolgers parat“, erklärt er, „es gab für uns ja auch keinerlei Anlass dafür.“ Nun haben Neuffer, Abteilungschef Matthias Groß und dessen Stellvertreter Stefan Schuster alle Hände voll zu tun, um die Folgen der Leonberger Handball-Havarie zu kitten – es muss erstens der Trainingsbetrieb neu organisiert werden und zweitens ein Nachfolger für den Frühaussteiger Zoran Stavreski gefunden werden.
Die schnelle, unbürokratische Lösung lautet: Christoph Hönig, Kapitän und verlängerter Arm des Ex-Coaches in die Mannschaft, wird vorerst die Trainingseinheiten leiten. Der 29-Jährige betritt damit kein Neuland, Hönig fungierte bereits schon jeden Montag als Ersatzcoach in der Halle, da Stavreski berufsbedingt nicht anwesend war. „Da kommt jetzt sogar noch eine Schippe drauf“, stöhnt der Spielführer, der nicht nur die beiden weiteren Trainingstage stemmen muss – Hönig trainiert zudem die Handballerinnen des TSV Denkendorf.
SV Leonberg/Eltingen: Die alten Hasen helfen nach Abschied des Trainers
Doch weil sie beim SV Leonberg/Eltingen nicht nur vorgeben, eine verschworene Handball-Familie zu sein, sondern weil sie diesen Begriff auch tatsächlich mit Leben füllen, muss Christoph Hönig nicht den Alleinunterhalter in der Trainerrolle geben. Die einstigen Spielführer Lars Neuffer, Andreas Binder und Dominik Fischer (die ihre Karrieren beendet haben) sowie der erfolgreiche Ex-Trainer Christian Auer haben zugesagt, ihrem Herzensverein nach Kräften kurzfristig aus der überraschenden Klemme zu helfen.
„Ich bin sehr dankbar, dass die alten Hasen mich in der Trainingsarbeit unterstützen“, sagt Christoph Hönig, „ich kann nicht alleine den Hut aufhaben.“ Der derzeit verletzte Torhüter Max Schneider wird neben einem der Routiniers im Spiel an diesem Samstag (20 Uhr) beim TSV Schmiden von der Bank coachen.
Organisatorisch wurde in der Abteilungsleitung ebenfalls gewirbelt und schnell gehandelt. Da Hönig dienstags die Denkendorfer Frauen trainiert, wurde die Dienstagseinheit der Leonberger Männer auf Mittwoch umgeschichtet. „Unsere Frauen-Mannschaft hat sich bereit erklärt, die Tage vorerst zu tauschen“, sagt Matthias Groß, „wir sind dankbar, dass diese Lösung so schnell gefunden wurde. Unsere Planung derzeit ist sehr kurzfristig.“ Man könnte sagen: Die Handballer leben von der Hand in den Mund.
Der Nachfolger von Trainer Zoran Stavreski soll von extern kommen
Aber dann ist da noch die viel wichtigere Frage, auf die der Verein noch keine Antwort gefunden hat: Wer wird Nachfolger von Zoran Stavreski? In der frühen Phase der Saison ist der Markt an verfügbaren Trainern nicht so üppig wie das Angebot an frischen Äpfeln im Herbst. Werner Neuffer ist am Sondieren, wer frei ist und in die Liste der potenziellen Kandidaten aufgenommen werden kann. „Wir werden auf jeden Fall einen Trainer holen, der von außen kommt“, sagt der Sportliche Leiter.
Wie zu hören ist, hat sich die inoffizielle Trainerfindungskommission des SV Leonberg/Eltingen schon zwei Namen samt Telefonnummern notiert, die Gesprächstermine sollen demnächst über die Bühne gehen. „Ich hoffe“, sagt Christoph Hönig, „dass wir so schnell wie möglich eine Lösung finden.“ Und am Samstag wartete auch noch die recht anspruchsvolle sportliche Aufgabe auf die Handballer des SV Leonberg/Eltingen – sie treffen auswärts auf den Tabellenführer TSV Schmiden . . .
Die bisherigen Trainer der SV-Handballer
Zoran Stavreski
(Juli 2025 bis Oktober 2025): Der Trainer tritt nach erst sechs Oberliga-Spielen zurück – Grund: Neben der beruflichen Belastung mit dem anspruchsvollen Job in Frankfurt/Main findet er zu wenig Zeit fürs Team. Christian Auer
(November 2024 bis Juni 2025): Das Urgestein übernimmt während der Runde nach dem Aus für Oliver Cicione – klare Bedingung: Am Saisonende ist Schluss. Auer fährt souverän den Klassenerhalt sowie die Qualifikation für die neue Oberliga ein.
Oliver Cicione
(Dezember 2023 bis November 2024): Der bisherige Co-Trainer steigt nach dem Abschied von Michael Zimmermann zum Chef auf – doch letztlich stimmen die Ergebnisse in der Folgesaison nicht mehr, der SV taumelt in Richtung Tabellenende. Cicione und der SV trennen sich.
Michael Zimmermann
(Juli 2023 bis Dezember 2023): Der Mann tritt ein schweres Erbe nach Erfolgscoach Christian Auer an – nach Reibereien mit der Mannschaft und der Vereinsführung erfolgt die vom Verein ausgesprochene Trennung nach knapp einem halben Jahr.
Christian Auer
(Juli 2020 bis Juni 2023): Nachdem Trainer Tobias Müller seinen Vertrag ein Jahr vor Ablauf kündigt, übernimmt der bisherige Co-Trainer und Kapitän Christian Auer den Chefposten.
Tobias Müller
(Juli 2018 bis Juni 2020): Nach zwei Saisonen als Chefcoach verabschiedet sich Müller kurzfristig und vorzeitig zum Drittligisten TSG Pforzheim.
Ivan Toldo
(Juli 2017 bis Juni 2018): Nach bereits einem Jahr endet die Ära von Toldo (der zuvor mit den SV-Frauen den Aufstieg feierte), weil er ein Angebot eines anderen Clubs erhält.
Frank Ziehfreund
(Juli 2012 bis Juni 2017): Die Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen Trainer endet nach fünf Jahren, da der Club frischen Wind hereinbringen will.