Felix Wiederhöft zählt zu einer wichtigen Stütze in der Mannschaft des SV Leonberg/Eltingen – sein Rücktritt trifft den Club schwer. Foto: Pressefoto Baumann

Der 26 Jahre alte Rechtsaußen des Oberligisten SV Leonberg/Eltingen hört am Saisonende auf , weil ihm nur Handball zu wenig im Leben ist. Der Club respektiert die Entscheidung.

An ein Spiel im November 2022 kann sich Felix Wiederhöft noch gut erinnern. Mit 37:30 hatte der SV Leonberg/Eltingen damals die SF Schwaikheim abgefertigt – und der Rechtsaußen hatte fast die Hälfte aller Leonberger Treffer erzielt: 18 waren es am Ende, darunter zehn verwandelte Siebenmeter. „Das war ein Sahnetag, das war schon cool“, sagt der 26-Jährige, „aber am Ende spielt es keine Rolle, wer die Tore schießt – Hauptsache wir gewinnen.“

 

So häufig wird das nicht mehr vorkommen für Felix Wiederhöft. Weder ein Sahnetag mit 18 Toren noch ein Erfolg mit den Leonberger Handballern. Am Saisonende ist Schluss für den Linkshänder und Siebenmeter-Schützen – die Partie an diesem Samstag (20 Uhr) im Sportzentrum gegen die SG Heidelsheim/Helmsheim ist die viertletzte, die Wiederhöft im Trikot des SV absolviert.

Rücktritt mit nur 26 Jahren

Sein Rücktritt ist einer der Sorte „Aufhören aus eigener Entscheidung“, elf Jahre hat er gespielt. Keine hartnäckige Verletzung zwingt Wiederhöft zu diesem Schritt, und mit 26 Jahren ist er für die physisch harte und schnelle Sportart auch keineswegs zu eingerostet oder zu unbeweglich. Es ist vielmehr der Zeitaufwand, der den Sportler zu sehr in seinem Leben einengt, dreimal Training pro Woche, zusätzliche freiwillige Einheiten plus Spiel am Wochenende – die Sport-Life-Balance muss wieder ins Lot kommen.

Schon damals nur schwer zu greifen: Felix Wiederhöft in seiner zweiten Saison beim SV Leonberg/Eltingen Foto: Andreas Gorr

Handball in der Oberliga schluckt viel Zeit“, bemerkt Felix Wiederhöft, „ich möchte mehr Luft für andere Sportarten und Beschäftigungen haben.“ Skifahren im Winter, in den warmen Jahreszeiten häufiger aufs Rennrad steigen, mit dem Bruder Tennis oder Padel spielen, im Fitnessstudio an der Athletik feilen oder für einen Marathonlauf trainieren. Felix Wiederhöft ist überzeugt, dass ihm neben seinem Job als Wirtschaftsingenieur in der Prozessoptimierung in den kommenden Jahren nicht langweilig wird.

Nun zählt der Rechtsaußen keinen Countdown, doch immer wieder blitzen die Gedanken ans Karriereende auf. Den Blick zurück macht Wiederhöft aber nicht mit einigen Tränen in den Augen, sondern mit einem Lachen im Gesicht. Von der SG BBM Bietigheim 2 ist er zur Saison 2020/2021 zum SV Leonberg/Eltingen gestoßen, im Premierenjahr unterm Engelberg kam der Youngster aber lediglich auf einen Punktspiel-Einsatz in der Württemberg-Liga. Doch bald wurde aus Wiederhöft ein wichtiger Akteur, und schließlich einer, auf den ein Trainer nur ungern verzichten möchte. Vergangene Runde belegte der Rechtsaußen mit 184 Treffern Platz zwei in der Torschützenliste der Oberliga, diese Saison kommt er bislang auf 150 Treffer und rangiert auf Platz vier.

Trainer Christian Auer (hi. Mi.) prägte den Handballer Felix Wiederhöft (Nr. 7) mit seinem enormen Fachwissen und seiner Persönlichkeit. Foto: Andreas Gorr

Das Bedauern beim SV über den Abschied ist entsprechend groß. „Felix war über die Jahre ein prägender Spieler nicht nur bei uns, sondern in der gesamten Liga“, sagt Abteilungsleiter Stefan Schuster, „dass er aufhört, schmerzt uns sehr, aber wir respektieren seine Entscheidung und haben nicht versucht, ihn zum Weitermachen zu überreden.“ Paul Schreiner soll in der nächsten Saison die Rolle übernehmen. „Er kann da reinwachsen“, sagt Schuster.

Geprägt hat nicht nur Wiederhöft den SV, auch der Club hat ihn beeinflusst. Vor allem war es Christian Auer. Der Mann, der als Trainer von 2020 bis 2023 den Oberligisten coachte und im Kampf gegen den Abstieg im November 2024 bis Mai 2025 als Feuerwehrmann den sportlichen Flächenbrand löschte, bezeichnet Felix Wiederhöft als „Persönlichkeit, die mir in vielen Facetten gezeigt hat, wie man erfolgreich sein kann“. Besonders schätzte der Flügelspieler Auers punktgenauen Gegneranalysen, auf die man sich „vollkommen verlassen“ konnte. Die Phase, als Auer das abstiegsgefährdete Team mit zehn Siegen in 13 Partien in sichere Gefilde geführt hatte, hat Wiederhöft gezeigt, was man mit Teamgeist erreichen kann. „Da habe ich erlebt, wie man gemeinsam das Ruder herumreißen kann“, schwärmt er von den internen Erlebnissen in der Saison 2024/2025.

Häufige Trainerwechsel als Belastung

Doch auch die Schattenseiten des Handball-Geschäftes sind ihm in seinen Leonberger Jahren nicht verborgen geblieben. Etwa die zahlreichen Trainerwechsel in der jüngsten Vergangenheit, die negative Prozesse in der Mannschaft in Gang gesetzt hatten, da „haben die Leute angefangen über alles nachzudenken“, erzählt der Torjäger, dann könne ein Teamgefüge auch Schaden nehmen. Sport ist wie das Leben selbst, auf Höhepunkte folgen Rückschläge und manchmal auch Tiefen. „Man muss sich zusammenraufen, denn es geht immer weiter“, findet Felix Wiederhöft.

Unterm Strich bleibt für den 26-Jährigen eine lehrreiche, gewinnbringende Zeit beim SV Leonberg/Eltingen, in der Freundschaften mit Mitspielern entstanden sind, die das Ende der aktiven Karriere überdauern werden. Und es wäre keine Überraschung, wenn Felix Wiederhöft als Ex-Aktiver gelegentlich im Wohnzimmer der Leonberger Handballer im Sportzentrum vorbeischaut.