Knifflige Aufgabe für Dagur Sigurdsson: Der Kader muss auf 14 Mann reduziert werden. Foto: dpa

Es wird Härtefälle geben: Nach dem Testspiel an diesem Mittwoch (18.35 Uhr) in Stuttgart gegen Tunesien muss Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson seinen 14-Mann-Kader für Olympia benennen.

Stuttgart - Ob es noch am Gewinn der ersten Deutschen Handball-Meisterschaft mit den Rhein-Neckar Löwen liegt? Oder möglicherweise an der Gewissheit, auf jeden Fall ein Ticket für die Olympischen Spiele (5. bis 21. August) zu bekommen? Uwe Gensheimer jedenfalls ist beim Fototermin und beim anschließenden Pressegespräch in der Stuttgarter Porsche-Arena die Gelassenheit in Person. Mit seiner ersten Olympia-Teilnahme und einer Medaille in Rio möchte der Linksaußen seine Karriere krönen: „Das wäre das Allergrößte für mich“, sagt der Kapitän, der in der neuen Saison zu Paris St. Germain wechseln wird.

21 Spieler kämpfen um 14 Plätze

Gensheimer kann sich seiner Sache sicher sein. Sein Name wird auf der Meldeliste stehen, die der Deutsche Handballbund (DHB) am kommenden Donnerstag an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) schicken wird. Auch EM-Torwart-Held Andreas Wolff wird nach menschlichem Ermessen dabei sein, genauso die Rückraumspieler Martin Strobel und Steffen Weinhold, wahrscheinlich auch die Kreisläufer Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler sowie Abwehrhüne Finn Lemke. Ansonsten hat die Nominierung etwas von Olympia-Lotto: Viele wissen nicht wie es ausgeht. 21 Spieler kämpfen um die nur 14 Plätze. „ Das olympische Dorf ist eben klein. „Die Nominierungen sind schwieriger als vor einer EM oder WM“, sagt Bundestrainer Dagur Sigrudsson. „Es ist alles offen. Ich werde sehen, wer am besten passt, wer am besten in Form ist und hoffentlich die richtige Entscheidung treffen.“ Letzte, entscheidende Hinweise erhofft er sich an diesem Mittwoch (18.35 Uhr/live im ZDF) im Länderspiel gegen Tunesien in der Stuttgarter Porsche-Arena. Bis auf Steffen Fäth sind alle fit. Der Rückraum-Allrounder leidet noch an den Folgen eines Mittelhandbruchs. Gegen die Nordafrikaner will Sigurdsson schnell „den Rhythmus finden und voll auf Sieg spielen“. Alle gesunden 20 Spieler haben die Möglichkeit, Sigurdsson von sich zu überzeugen. Vorzüge für die Europameister wird es laut Coach keine geben. „Ich versuche, die zu nominieren, wo ich meine, dass sie uns im nächsten Spiel helfen. Einen EM-Bonus gibt es nicht“, erklärte Sigurdsson. Teammanager Oliver Roggisch ergänzte: „Alle haben die gleiche Chance.“

Der Göppinger Tim Kneule lauert auf seine Chance

Also auch Tim Kneule. Der Spielmacher von Frisch Auf Göppingen fiebert seinem ersten großen Turnier entgegen. Er ist abwehrstark und kann zur Not auch Linksaußen spielen. „Es kann schon sein, dass wir nicht alle Positionen doppelt besetzen, da wir großen Wert auf eine vernünftige Abwehr legen“, sagt Sigurdsson, der überlegt 15 oder sogar 16 Spieler mit nach Rio zu nehmen. Die Reservisten dürften dann aber nicht im Olympischen Dorf mit dem Team wohnen und auch nur eingeschränkt mittrainieren. Unabhängig, wer letztendlich ein Ticket ergattert, für Roggisch steht fest: „Wir müssen den Schwung vom EM-Titel mitnehmen.“ Am 7. August geht es gegen Schweden los. Gensheimers Augen leuchten: „Olympia ist für einzelnen Spieler eine riesen Chance.“

Für das Länderspiel gegen Tunesien an diesem Mittwoch (18.35 Uhr/ZDF) in der 6211 Zuschauer fassenden Porsche-Arena sind bisher 3500 Tickets verkauft. Es gibt also noch genügend Karten an der Abendkasse. Hallenöffnung ist um 17 Uhr.