Götz-Bernhard Haase (links) ist auch im Trainingsbetrieb des Team Stuttgart engagiert Foto: Team Stuttgart

Mehr Trainingsintensität, mehr Leistung – das Projekt Team Stuttgart soll dem Handball in Stuttgart neue Qualität verleihen. Der Sportliche Leiter Götz-Bernhard Haase ist sicher: „Die Vereine werden profitieren“.

Stuttgart - Als herausragender Tempospieler war Götz-Bernhard Haase als Handballer gefürchtet. Auf höheres Tempo hofft der Mediziner nun auch bei der Rückkehr der Amateur-Handballer in die Trainings- und Spielhallen. Als Sportlicher Leiter des Team Stuttgart hat er für die Mannschaften der Besten aus Stuttgarts Vereinen „in diesem Jahr noch viel vor“.

Herr Haase, der Kinder- und Jugendhandball liegt seit Monaten still. Wie geht es Ihnen damit?

Uns allen fehlt der Sport, uns natürlich besonders der Handball. Das Training, der Wettkampf beziehungsweise die Spiele und das gemeinsame in der Halle. Aber am stärksten betroffen sind natürlich die Kinder und Jugendliche, für die schon seit fast einem Jahr ihr Sport mehr oder weniger in seiner ursprünglichen Form stillsteht.

Verluste durch die Pandemie

Sie stehen mit dem Team Stuttgart für eine Idee, die über die vergangenen Jahrzehnte immer wieder aufgegriffen wurde – leistungsinteressierten Kindern und Jugendlichen ein Angebot vor der Haustür zu machen. Werden Sie jetzt gar zur letzten Instanz eines Sports ohne TeilnehmerInnen? Oder glauben Sie, die Kinder und Jugendlichen kommen wieder zu ihren Vereinen?

Da wir vorwiegend Spieler haben, die den Sport leistungsorientierter ausüben, werden wir, so glaube ich, fast alle bei der Stange halten können. Insgesamt wird es aber sicherlich in allen Ballsportarten zu Verlusten oder Abmeldungen von Spielern kommen. In der Phase zwischen 14 bis 17 Jahren kommt es auch ohne Pandemie zu Verschiebung von Prioritäten, und diese Kinder/Jugendliche wieder für den Handball zu begeistern, wird eine Aufgabe aller Vereine, der Bezirke und des Verbands sein.

Homehandball statt/und Homeschooling: DHB und HVW üben den Schulterschluss bei Digitalangeboten. Ist das Team Stuttgart Teil dieser Linie? Wie bleiben Sie sichtbar?

Homehandball ist im Winter sicherlich nur schwer möglich, es sei denn, die Familien verfügen über einen entsprechend großen Garten. Wir machen allerdings regelmäßig Online Training, um zum einen die Spieler bei der Stange zu halten und um sie auch entsprechend fit zu halten für den Zeitpunkt, wenn es wieder losgeht. Zusätzlich bekommen sie von jedem Trainer einen Trainingsplan. Auch ein „Online Public Viewing“ während der Handball WM war eine interessante Geschichte als gemeinsamen Event.

Leistungsunterschiede werden größer

Entwicklungssprünge sind i m Handball meist zwischen 10 und 13 Jahren sichtbar. Ein Jahrgang fehlt Ihnen jetzt schon mal. Verlieren Sie auch einen zweiten?

Coronabedingt haben wir zur Zeit Probleme den Jahrgang 2008 wie gewünscht aufzustellen. Ob diese Jahrgänge die verpassten Entwicklungssprünge wieder aufholen können, wird man erst in ein paar Jahren sehen. Da es alle gleichermaßen trifft, wird das Niveau sicherlich zunächst sinken. Der Unterschied zwischen Kaderspielern, die trainieren dürfen, und Spielern, die vielleicht nur gering schlechter sind, wird in jedem Fall größer.

Gegenfrage: Wie gestalten Sie mit dem Team Stuttgart den „Weg zurück auf das Feld“ mit?

Sobald die Möglichkeit besteht wieder trainieren zu dürfen, werden wir loslegen. Und die aktuellen Neuregelungen machen Hoffnung. Im vergangenen Frühjahr hatten wir bereits Training in Kleingruppen im Freien gemacht. Sobald es durch die Coronaverordnung erlaubt ist, werden wir aktiv. Ich gehe davon aus, dass dieses Jahr auf jeden Fall, in welcher Form auch immer, eine Jugendqualifikation gespielt wird. Denn der Verband kann sich eine nicht leistungsgerechte Einteilung wie im vergangenen Jahr nicht noch einmal erlauben.

50 Spieler in vier Mannschaften

Wie viele Kinder und Jugendliche haben Sie aktuell im Blick?

Zurzeit haben wir 50 Spieler in unseren vier Mannschaften. Gerne würden wir noch in den meisten Altersklassen motivierte Spieler aufnehmen, doch aktuell kann leider kein Spieler in ein Probetraining kommen, um zu sehen, ob es für ihn, und/oder uns, das Richtige wäre.

Und wie läuft da die Kommunikation mit den „Heimatvereinen“?

Trotz der aktuellen schwierigen Situation, sind sowohl unsere Vorstände Marko Baisch und Florian Scheurle, als auch unsere Jugendleiterin Sabrina Kluger mit ihren Partnern in den Stammvereinen in stetigen Kontakt, da sie bereits seit Jahren gut miteinander vernetzt sind und eng und vertrauensvoll miteinander arbeiten. Aber die kurzen Gespräche in der Halle vor oder nach dem Training oder am Wochenende bei den Spielen fallen natürlich weg.

Enger Kontakt zu Heimatvereinen

Manch 2020 16-Jährige verbanden die Leistungshoffnung mit dem Team Stuttgart und sehen sich jetzt mit Blick auf den Herbst bereits auf dem Sprung zu den Aktiven. Begleiten Sie diese Altersgruppe weiter? Wenn ja – wie?

Aktuell dürfen noch alle bei uns in der A-Jugend spielen, aber vom älteren Jahrgang haben schon einzelne Spieler im Herbst bei den Aktiven ihres Heimatvereines mittrainiert. Die Aufgabe ist natürlich, sobald es wieder feste Trainingszeiten/-einheiten gibt, dies mit den entsprechenden Vereinen zu koordinieren, dass ein fließender Übergang gewährleistet ist.

Der Handball könnte es in der Breite schwer haben, zu seiner Bedeutung zurückzufinden. Was glauben Sie – wo steht der Handball in einem Jahr?

Ich glaube, es wird vor allem im Breitensport bei den älteren Jahrgängen weniger Mannschaften geben. Wenn ein Schulabschluss, Berufsanfang oder sogar ein Studienbeginn mit Wohnortwechsel ansteht, werden sicherlich viele Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene einen Wiederanfang mit dem Handball hinten anstellen. Dies gilt natürlich auch für alle anderen Ballsportarten. Aber insgesamt bin ich optimistisch, dass der Handball weitgehend zu seiner Bedeutung als zweitwichtigste Mannschaftssportart zurückkehrt.

Gute Ausbildung vor Ort

Und welche Rolle spielt in der Metropolregion dann das Team Stuttgart?

Wir hoffen auf eine sportlich faire Qualifikation für die Jugend. Das Ziel ist, wenn möglich mit der A-, B- und C-Jugend die Verbandsebene zu erreichen. Ich wünsche mir weniger Skepsis gegenüber dem Team Stuttgart bei den Stuttgarter Vereinen, denn was wir wollen, ist, talentierten Spielern heimatnah eine gute Handballausbildung in Stuttgart zu geben. Nur durch eine entsprechende Akzeptanz lässt sich das bisher positiv verlaufende „Projekt“ weiterführen. Langfristig, da bin ich ganz sicher, werden die Stuttgarter Vereine davon im aktiven Bereich profitieren.

Diese Vereine machen mit

Der Talentförderverein Stuttgart e.V. wurde bereits im Jahr 1997 gegründet und wird unterstützt von mehreren Vereinen in und um Stuttgart mit dem Ziel der Leistungsförderung im Jugendhandball.

Dabei sind: HSG Cannstatt/Münster/Max-Eyth-See, HSG Gablenberg-Gaisburg, HSG Oberer Neckar, TSV Schmiden, Hbi Weilimdorf/Feuerbach, SV Stuttgarter Kickers.

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