Handball in Scharrena Der TV Bittenfeld spielt künftig in Stuttgart

Von Frank Rothfuss 

Alexander Heib (li.) vom TV Bittenfeld gegen Matthias Gysin den Torwart der SG BBM Gietigheim    Foto: baumann
Alexander Heib (li.) vom TV Bittenfeld gegen Matthias Gysin den Torwart der SG BBM Gietigheim Foto: baumann

Die eigene Gemeindehalle ist zu klein geworden – Stadt Waiblingen sucht Lösung für Handballer.

Stuttgart/Waiblingen - Die Zweitliga-Handballer des TV Bittenfeld ziehen um. Ihre Halle in dem Waiblinger Teilort ist zu eng geworden. Ab September 2012 werden sie in der Scharrena auflaufen. Vier Jahre mindestens werden sie im Exil in Stuttgart spielen. Und erst wieder heimkehren, wenn sie eine taugliche Spielstätte haben.

Sie kennen sich ja bestens aus in Stuttgart. Seit Jahren schon kommen die Bittenfelder Handballer zu ihren Topspielen in die Porsche-Arena. Nun ziehen sie in der Nachbarschaft ein und teilen sich mit den Bundesliga-Volleyballerinnen von Smart Allianz, den Drittliga-Handballern der Stuttgarter Kickers und dem Turnteam Stuttgart die Spielstätte. "Das wird sich gut ergänzen", sagt Stuttgarts Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann, "das ist eine Abrundung für die Scharrena." Im April ist die 13 Millionen Euro teure Halle im Bauch der Mercedes-Benz-Arena eröffnet worden. "Und gut ausgelastet", sagt Eisenmann, "sie ist ein Gewinn für die Sportstadt." Mit nunmehr drei Mannschaften, die regelmäßig dort spielen, den Fechtern in ihrer kleinen Halle und einzelnen Veranstaltungen wie den Deutschen Faustballmeisterschaften oder den Deutschen Trampolinmeisterschaften.

Gebaut wurde die 2100 Zuschauer fassende Scharrena jedoch, um den Stuttgarter Vereinen zu helfen, für die die Schulturnhalle zu klein und die Porsche-Arena zu groß ist. Und wird von der Stadt im Jahr mit 130.000 Euro unterstützt. Die Vereine zahlen zehn Prozent Umsatzpacht aus den Nettoeinnahmen des Eintrittskartenverkaufs, mindestens aber 500 Euro am Tag. Der VIP-Raum kostet 100 Euro am Tag, ein Kiosk 50 Euro. Nun subventioniert die Stadt Stuttgart einen Verein aus Waiblingen. Für Eisenmann kein Problem. "Stuttgart versteht sich ja als Zentrum der Region, gerade auch im Sport."

Hanball-Liga übt Druck aus

Trotz aller Vorzüge Stuttgarts, die Bittenfelder Handballer wären gerne in ihrer Heimat geblieben. Doch man muss ein leidenschaftlicher Handballfan oder eingefleischter Bittenfelder sein, um Spiele in der Gemeindehalle zu genießen. Parkplätze gibt es kaum, Sitzplätze nur 450, von den allermeisten sieht man die Stützpfosten, quetscht man sich auf einen der bis zu 700 Stehplätze sieht man nur den Vordermann, um an Essen und Trinken zu kommen, braucht man viel Geduld, beim Toilettengang ebenso - es gibt nur ein Männerklo. "Als wir 2006 überraschend in die zweite Liga aufgestiegen sind, war das kein Problem", sagt Jürgen Schweikhardt, Spieler und Geschäftsführer der Bittenfelder Handball GmbH, "da hatte das Charme."

Mittlerweile ist die zweite Liga "Alltag", die Zuschauer murren, "und unser VIP-Bereich ist unzulänglich" weil viel zu klein. Das heißt: "Wir können keine neuen Sponsoren gewinnen." Die sind nötig, will der Verein seinen "siebenstelligen Etat" halten oder gar ausbauen. Zudem übt die Deutsche Handball-Liga Druck aus. In diesem Jahr wurden die beiden Staffeln der zweiten Liga zusammengeführt, die Anforderungen an die Vereine und ihre Spielstätten werden erhöht. Schweikhardt: "Es soll alles professioneller werden. Und wir wollen rechtzeitig reagieren, solange wir das noch können und bevor man uns zwingt."

Sie hätten gerne, dass die Stadt Waiblingen die Gemeindehalle ausbaut. 1700 Sitzplätze, eine einfahrbare Tribüne und ein VIP-Bereich stehen auf der Wunschliste. Zwei Architekten erarbeiteten ein Anforderungsprofil, das der Verein der Stadt Waiblingen vorlegte. Der Gemeinderat lässt nun eine Machbarkeitsstudie erstellen. "Doch es gibt hohe Hürden", sagt Waiblingens OB Andreas Hesky. Zudem gebe es mit der Rundsporthalle in der Waiblinger Kernstadt noch einen Sanierungsfall. Nehme man Millionen in die Hand, müsse das eine Lösung für die ganz Stadt sein. Doch bis diese Lösung erarbeitet und umgesetzt ist, gehen Jahre ins Land. "Diese Zeit haben wir nicht", sagt Schweikhardt. Deshalb habe man sich für einen Umzug entschlossen. "Bis wir wieder nach Bittenfeld heimkehren können."

Lesen Sie jetzt