Sportlich war das Lokalduell in der Handball-Verbandsliga zwischen SG H2Ku Herrenberg II und HSG Böblingen/Sindelfingen bedeutungslos. Es bot aber noch einen emotionalen Höhepunkt.
Mit ihrem 31:24-Erfolg bei der SG H2Ku Herrenberg II haben die Handballer der HSG Böblingen/Sindelfingen einen bemerkenswerten vierten Platz im Endklassement der Verbandsliga erreicht. Der Favorit konnte sich allerdings erst in der zweiten Hälfte der Gegenwehr des feststehenden Absteigers entledigen.
Den emotionalen Höhepunkt gab es, als noch eine Minute zu spielen war. Gästetrainer Marco Cece nahm nach kurzer Rücksprache mit seinem Gegenüber Marcel Kohler eine Auszeit. Diese Unterbrechung sollte ganz allein Marvin Seeger gehören.
Marvin Seeger darf letztes Tor der Saison für die BöSis erzielen
Der Linksaußen, der zuvor sein ganzes handballerisches Leben im Gäu verbracht hatte und in den vergangenen drei Saisons eine neue sportliche Heimat bei den BöSis fand, wurde sowohl von den 250 Zuschauern als auch von beiden Mannschaften mit stehenden Ovationen in den Ruhestand verabschiedet.
Ganz klar, dass Seeger dann auch der finale Treffer der Partie gehörte. „Diese Geste hat mich für Marvin total gefreut“, befand Cece. Erst da wurde ihm auch sein eigener Abschied wieder bewusst. Zuvor dachte er nämlich an alles andere, nur nicht an Wehmut. „Nein, genießen konnte ich mein letztes Spiel trotz des Sieges nicht“, gab Cece lachend zu.
In der ersten Halbzeit ist SG H2Ku Herrenberg II den BöSis ebenbürtig
Sein Ärger begründete sich vor allem auf der Leistung seiner Schützlinge in der ersten Halbzeit. Die Einheimischen waren kämpferisch mindestens ebenbürtig, hatten vor allem in der Abwehr ihre besten Momente. Großen Anteil daran hatte Keeper Nicolas Rhotert, der unter anderem gleich zu Beginn zwei Strafwürfe von Seeger entschärfte. „Es fehlte insgesamt das Tempo. Mit 50 Prozent gewinnt man nicht“, ärgerte sich Cece über das 11:11 zur Pause.
Direkt nach dem Seitenwechsel wiederum hatte der Lokalrivale allen Grund zum Hadern. So wie sich Ceces Miene immer weiter aufhellte, gingen bei Kohler die Mundwinkel genau in die andere Richtung. Denn innerhalb von fünf Minuten entglitt seiner Truppe das Geschehen völlig. Dieser kurze Zeitraum reichte dem Auswärtsteam, um auf 18:12 davonzuziehen.
SG H2Ku Herrenberg II erholt sich gegen die BöSis nicht mehr
„Wir haben in dieser Phase nichts von dem umgesetzt, was wir besprochen hatten“, winkte Kohler ab, der dieses Problem schon so oft monieren musste. Seine Mannen erholten sich davon bis zum Ende nicht mehr. Es fehlten bei tropischen Temperaturen in der Markweghalle am Ende die Kraft und die Qualität.
SG H2Ku Herrenberg II: Rhotert, Karasu, Rinderknecht; Kälbly (1), Seemann (1), Lifka, Turek (1), Ehler (2), Eckert (3), O. Kohler (2), Mannherz, Lasovic (3), Bühler (2), Kretschmann (2/davon 1 Siebenmeter), A. Kohler (7/1), Mezger
HSG Böblingen/Sindelfingen: Rothsching, Meyer; Grosser (4), Fangerow (3), Seeger (2/davon 1 Siebenmeter), Englert (6), Heinkele (4), Frommer, F. Spitzl (3), Negler (2), Todt (1), Rose (5/5), Neuberger (1), M. Spitzl.