Kreisläuferin Julia Behnke trägt seit vergangenem Sommer zum zweiten Mal das Trikot der Pink Ladies. Foto: imago/Eibner/Roland Sippel

Julia Behnke spielte für die SG BBM Bietigheim, sie sammelte Erfahrungen im Ausland und steht nun mit der TuS Metzingen im Final Four um den DHB-Pokal in der Porsche-Arena. Wie stehen die Chancen auf eine Überraschung? Wie steht es um den Frauenhandball im Allgemeinen?

Julia Behnke stieg 2013 mit der SG BBM Bietigheim in die Bundesliga auf, sie stand mit der TuS Metzingen 2016 im EHF-Pokal-Finale, sie gewann 2020 die russische Meisterschaft mit GK Rostow am Don und in Ungarn mit Ferencvaros Budapest Meisterschaft (2021) und Pokal (2022). Was der Handballerin von der TuS Metzingen in ihrer Sammlung an Erfolgen noch fehlt, ist ein Titelgewinn mit einem deutschen Team.

 

Die nächste Chance, das zu ändern, bietet sich am Wochenende. „Wir sind zwar Außenseiter, aber wir können an diesen zwei Tagen etwas ganz Großes schaffen. Ich werde jedenfalls alles reinhauen, damit uns die Sensation gelingt und wir am Ende den Pott in die Höhe stemmen“, sagt die Kreisläuferin vor dem Final Four um den DHB-Pokal in der Stuttgarter Porsche-Arena.

Halbfinale gegen SG BBM

Die höchste Hürde steht bereits im Halbfinale am Samstag (15.15 Uhr/Sport 1) an. Es geht im württembergischen Derby gegen den deutschen Meister und Pokal-TitelverteidigerSG BBM Bietigheim, der die Bundesliga-Tabelle mit 36:0 Punkten anführt. Zum Vergleich: Die Pink Ladies aus Metzingen liegen auf Platz fünf mit 22:14 Zählern. „In einem Spiel, gerade im Pokal, ist immer alles möglich“, macht Julia Behnke sich und ihrem Team Mut. Gelingt der Coup, würde es im Endspiel am Sonntag (17.05 Uhr/ebenfalls Sport 1) gegen den Sieger der Partie HSG Bensheim/Auerbach gegen VfL Oldenburg gehen.

Julia Behnke kennt die Gegner genau. Sie ist schon lange im Geschäft. 2011 wechselte sie als 18-Jährige von der TSG Ketsch zur SG BBM. Nach drei Jahren zog sie weiter zu den TusSies nach Metzingen. Dort versprach sie sich als junge Spielerin mehr Spielanteile. Unter dem damaligen Coach Alexander Job ging der Plan auf. Sie etablierte sich in der Nationalmannschaft (85 Länderspiele). 2019 fühlte sich die gebürtige Mannheimerin reif fürs Ausland. Das sportlich erfolgreiche Jahr beim Topclub Rostow am Don bezeichnet sie als „aufregendes Abenteuer“. Erstmals war sie allein von zu Hause weg. Weit weg. In Russland, am Tor zum Kaukasus. Das brachte sie persönlich weiter. Aber als sie im Lockdown in Quarantäne in ihrer Wohnung im 15. Stock saß, war es ihr irgendwann mal zu viel. Heulend sagte sie sich: Das war’s.

Anschluss in Budapest

Die Kreisläuferin zog weiter zu Ferencvaros Budapest. Wie GK Rostow ebenfalls ein internationaler Topclub. Aber eben in einer der angesagtesten Städte Europas zu Hause, näher dran an der Heimat und mit direktem Freundinnen-Anschluss aus Deutschland. Ihre Nationalteam-Kolleginnen Emily Bölk und Alicia Stolle zog es gleichzeitig in die ungarische Hauptstadt. „Eigentlich war Budapest ein absoluter place to be, aber nach drei Jahren im Ausland war es für mich einfach eine Herzensentscheidung, wieder zur Familie und meinen Freunden in der Heimat zurückzukehren“, sagt Julia Behnke.

Seit Sommer ist sie nun wieder bei der TuS Metzingen. Die 30-Jährige arbeitet nebenher in ihrem erlernten Beruf als Industriekauffrau. Das lasse sich gut vereinbaren. Doch damit ist sie auch ausgelastet. Das Thema Nationalmannschaft hat sie abgehakt. Mit der eingeschlagenen Philosophie und Strategie unter dem damaligen Bundestrainer Henk Groener hatte sie sich nicht mehr zu 100 Prozent identifizieren können. Sie schlug gemeinsam mit Kim Naidzinavicius im Februar 2021 das Kapitel zu. „Es war eine coole Zeit, aber jetzt sollen die jungen Wilden ran“, sagt sie ohne Wehmut.

Seit Dienstag 30 Jahre alt

Am Dienstag erst feierte sie ihren 30. Geburtstag. In der Liga will sie noch ein paar Jährchen spielen. Und natürlich macht sie sich auch Gedanken, wie der Stellenwert ihres Sports gesteigert werden kann. Im Zuge der geplanten Professionalisierung stehen diverse Änderungen an: Ab der Saison 2024/25 wird es nur noch zwölf statt 14 Bundesliga-Clubs geben, ein Mindestbudget von 500 000 Euro wird vorgeschrieben. Schon ab 2023/2024 müssen alle Bundesliga-Spiele auf einem Boden gespielt werden, der nur Handballlinien enthält, die Hallen müssen Zuschauertribünen auf beiden Längsseiten des Feldes haben.

„Das mögen Schritte in die richtige Richtung sein, aber ob es der Schlüssel zum Erfolg ist, muss sich erst noch zeigen“, klingt bei Julia Behnke etwas Skepsis durch. Sie hat im Ausland, vor allem in Budapest, eben die absoluten Topbedingungen erleben dürfen. „Wir hatten dort unsere eigene Arena mit Fitness-, Kraft- und Reharäumen, hinzu kamen die TV-Präsenz und die staatliche Förderung. Davon können die Clubs hier nur träumen.“ Genauso wie sie von ihrem ersten Titel mit einem deutschen Verein.

DHB-Pokal

Final Four
Am 1. und 2. April findet in der Stuttgarter Porsche-Arena das Final Four um den DHB-Pokal der Frauen statt. Im Halbfinale am Samstag kommt es zunächst um 15.15 Uhr zum Nachbarschaftsduell TuS Metzingen gegen SG BBM Bietigheim. Um 17.45 Uhr folgt die Begegnung der Bundesligisten HSG Bensheim/Auerbach und VfL Oldenburg. Einen Tag später stehen dann das Spiel um Platz drei (14.30 Uhr) und das Finale (17.05 Uhr) auf dem Programm.

TV
Das württembergische Derby im Halbfinale und das Endspiel werden live im Free TV auf Sport 1 übertragen, die anderen beiden Spiele sind im Stream auf Sport 1 zu sehen. (jüf)