Ein Kampf auf Biegen und Brechen: Das Hinspiel gewann Balingen (mit Sascha Ilitsch, links) mit 23:19 gegen Stuttgart (Marian Orlowski). Foto: Baumann

Das wird ein Knaller: Bis zu 10 000 Karten hätte Handball-Bundesligist TVB Stuttgart für das Derby gegen Balingen am Freitag (19.45 Uhr) in der ausverkauften Porsche-Arena verkaufen können.

Stuttgart - An diesem Freitag (19.45 Uhr) kommt es in der ausverkauften Porsche-Arena zu einem Handball-Derby der besonderen Art. Bei der Bundesliga-Partie zwischen dem TVB Stuttgart und HBW Balingen-Weilstetten geht es um mehr als nur zwei Punkte, es geht fast schon ums Überleben in der Liga. Ein Vergleich:

Die Ausgangslage Die aktuelle Konstellation macht das Spiel mehr als brisant – Abstiegskampf pur. Der Drittletzte trifft auf den Fünftletzten, der zwei Punkte (aber auch zwei Spiele) mehr auf dem Konto hat. Balingens Manager Wolfgang Strobel sagt: „Es macht keinen Sinn, uns gegenseitig den Druck zuzuschieben.“ Der lastet auf beiden Seiten, mehr noch aber beim TVB. „Aufgrund der Tabellensituation und des Heimvorteils sollten wir gewinnen“, sagt auch Trainer Markus Baur. Speziell zu Hause kann sich die Mannschaft keine leichtfertigen Niederlagen – wie zuletzt gegen Erlangen und Melsungen – mehr erlauben. Zumal der TVB mit einem Sieg am Gegner vorbeiziehen würde.

Die Mannschaft Beide Vereine sind mit gewissen Ambitionen in die Saison gegangen. Der Abstiegskampf war zwar eingeplant, aber parallel auch der Blick Richtung Mittelfeld. Strobel: „Im Lauf der Saison waren wir weitgehend auf Augenhöhe.“ Beide Mannschaften können – nach vielen Verletzungsproblemen in der Hinserie – aktuell nahezu in Bestbesetzung antreten, auch wenn beim HBW neben den Langzeitverletzten Dennis Wilke und Julian Krieg auch Markus Stegefelt fehlt. Dennoch ist nicht einmal der Einsatz des Weltmeisters Pascal Hens sicher, der zuletzt gegen Coburg zwar fit, aber aufgrund der Trainingsleistungen eben nicht im Kader war. Beim TVB sind wieder alle drei Linkshänder – Lobedank, Celebi und M’Bengue – an Bord, sodass Baur fast etwas die Qual der Wahl besitzt.

Die Schlüsselpositionen Wichtige Rollen spielen im Handball die Torhüter und Spielmacher. Beide Male scheint Stuttgart Vorteile zu haben. Während Balingens Martin Strobel im Rückraum eher als Stratege gilt, ist Michael Kraus nach wie vor ein impulsiver Leadertyp. „So ein torgefährlicher und kreativer Spieler fehlt uns“, sagt HBW-Trainer Rúnar Sigtryggsson. Bei den Torhütern hat der Isländer nach der Nachverpflichtung des Weißrussen Viachaslau Saldatsenka – neben Tomas Mrkva und Peter Johannesson – zwar Alternativen, aber eben nicht die Qualität eines Jogi Bitter, „der auch mal 20 Bälle hält“, so Strobel.

Balingen träumt von neuer Halle

Die Trainer Beide Vereine gingen mit einem neuen Coach in die Saison. Markus Baur kam im Sommer für den vorzeitig entlassenen Thomas König, um frischen Schwung in die TVB-Mannschaft zu bringen. Das gelang anfangs (8:6 Punkte) sehr gut – bis die Durststrecke von elf Spielen mit nur einem Sieg kam. Vor allem im Angriff war der TVB zuletzt zu leicht auszurechnen. Dennoch sagt Baur: „Ich bleibe selbst bei einem Abstieg.“ Gleiches gilt auch für Sigtryggsson, der „aus wenig viel gemacht hat“, wie Strobel betont. „Angesichts unserer Verletzungen in der Hinrunde elf Punkte zu holen, ist schon überdurchschnittlich gut.“ Mit dem mutigen Spielstil hat der HBW vor allem auswärts überrascht, wie zuletzt in Hannover.

Das Umfeld Wenn man auf die Hallenkapazitäten von Balingen (2350) und Stuttgart blickt (2251) blickt, sind diese für Erstligaverhältnisse sehr beschränkt; doch der TVB hat eben die Porsche-Arena als Pfund, die mit ihren 6211 Plätzen bei den Heimauftritten bisher nahezu immer ausverkauft war. Sieben Spiele bestreitet der Verein in dieser Saison in der großen Halle, perspektivisch betrachtet sollen es eher mehr werden; wobei der Abstiegskampf eben auch die langfristige Planungssicherheit blockiert. Solche Sorgen hätten die „Gallier von der Alb“ gerne. „Auf Dauer sind wir nicht konkurrenzfähig“, sagt Strobel. Nachdem ein Ausbau der Sparkassenarena flach fällt, gibt es Pläne für eine 4000-Zuschauer-Arena nach dem Vorbild in Gummersbach. Jetzt ist die Politik gefordert. Sollte es aus dieser Richtung in naher Zukunft kein Signal geben, „muss man sich mit den Gegebenheiten abfinden“ – und im Zweifel auch mit einem Abstieg. „In diesem Punkt hat der TVB sicher den größten Vorteil gegenüber uns“, sagt Strobel etwas neidisch: „Besser geht’s nicht.“

Das Management Nicht nur beim Etat – etwa 3,5 Millionen beim TVB, rund drei Millionen beim HBW – gibt es Parallelen. Beide Macher gehören quasi zum Inventar bei ihrem Verein, in dem sie auch schon als Spieler aktiv waren. Jürgen Schweikardt komplettiert die schon oft zitierte Familienbande mit Vater Günter (Sportlicher Leiter) und Bruder Michael (Spielmacher) und hat noch einen Vertrag bis 2019. Wolfgang Strobel weiß noch seinen Bruder und Ex-Nationalspieler Martin auf dem Feld; sein Vertrag läuft aus – doch trotz der kritischen Tabellensituation dürfte eine Verlängerung nur noch Formsache sein.

Zum Spiel Balingen hatte zuletzt Licht (29:26-Sieg in Hannover) und Schatten (nur ein Punkt gegen Schlusslicht Coburg), während Stuttgart seit dem letzten Auftritt sage und schreibe 23 Tage Pause hatte. Vor- oder Nachteil? „Das werden wir nach dem dem Spiel wissen“, sagt Baur diplomatisch. Nachdem die Partie so früh ausverkauft wie noch nie ein Spiel in der Porsche-Arena („wir hätten vielleicht 10 000 Karten verkaufen können“, so Jürgen Schweikardt), können sich die Handballfans erstmals beim TVB über eine Übertragung im Live-Stream des SWR 3 freuen. Nachdem im künftigen TV-Vertrag die Rechte auch verstärkt an die ARD gehen, sagt Schweikardt: „Ich denke, das ist schon ein Testlauf für nächste Saison.“ Aktuell ist es sportlich für beide Teams aber der Ernstfall.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.interview-mit-hbw-trainer-sigtryggsson-solche-spiele-machen-unseren-sport-aus.6051b174-7561-4766-9f45-021bb0c02697.htm http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.tvb-stuttgart-manager-schweikardt-wir-haben-kein-festgeldkonto.249287bc-ebc2-433c-88ea-8ebfed8baeee.html

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