Frisch Auf Göppingen befindet sich vor dem Derby gegen den HBW Balingen-Weilstetten mittendrin im Kampf um die Europacupplätze. Ein internationaler Auftritt ist für den Handball-Bundesligisten erstrebenswert – nicht nur aus sportlicher Sicht.
Sie wissen diesen Wettbewerb bei Frisch Auf Göppingen durchaus zu schätzen: Die Triumphe im EHF-Pokal in den Jahren 2011, 2012, 2016 und 2017 gehören zu den absolut positiven Ausreißern in der jüngeren Vereinsgeschichte des traditionsreichen Handball-Bundesligisten. In dieser Saison könnte es zumindest wieder einmal für die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb reichen.
Vor dem württembergischen Derby an diesem Sonntag (16.05 Uhr/EWS-Arena) gegen den abstiegsgefährdeten HBW Balingen-Weilstetten hat die Mannschaft von Trainer Hartmut Mayerhoffer beileibe nicht die schlechteste Ausgangsposition. Frisch Auf (27:19 Punkte) kämpft mit der HSG Wetzlar (29:21 Punkte), der MT Melsungen (27:21 Punkte), dem SC DHfK Leipzig (26:22 Punkte) und dem TBV Lemgo Lippe (24:24 Punkte) um die Plätze fünf und sechs.
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Wobei Platz fünf nur dann ganz sicher für einen Europapokalplatz reicht, wenn die ohnehin über die Liga für Europa qualifizierten SC Magdeburg (im Halbfinale gegen den HC Erlangen) und THW Kiel (im Halbfinale gegen Lemgo) das DHB-Pokal-Finale am 24. April bestreiten. Damit auch noch der sechste Rang in der Bundesliga für einen internationalen Startplatz in der Saison 2022/23 ausreicht, müssten der SC Magdeburg oder die Füchse Berlin zudem den laufenden Wettbewerb der European League gewinnen. Dass zumindest eine der beiden Voraussetzunge eintrifft, ist nicht unwahrscheinlich.
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Positives Image durch Europa
„Der Sprung auf die internationale Bühne ist nicht überlebenswichtig für uns, aber Erfolge sind für eine positive Atmosphäre rund um den Club grundsätzlich förderlich. Und die Teilnahme an einem solchen Wettbewerb ist das Salz in der Suppe. Um solche Ziele zu erreichen, dafür macht man doch Sport“, sagt Göppingens Aufsichtsratschef Claus Mai. Zudem ist es ein offenes Geheimnis, dass nicht zuletzt Hauptsponsor Teamviewer den elffachen Deutschen Handball-Meister liebend gerne wieder einmal auf Europatour sehen würde. „Das internationale Geschäft ist für die Wahrnehmung des Clubs, für das Image ein großes Thema“, betont auch der Sportliche Leiter Christian Schöne, „und inzwischen lässt sich mit dem Wettbewerb auch Geld verdienen.“
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In früheren Zeiten gingen die Heimspiel-Einnahmen fast komplett für die Ausgaben für die Auswärtsspiele drauf. Inzwischen gibt es von der europäischen Handball-Föderation (EHF) zum Beispiel eine Reisekostenpauschale. Seit der Zusammenlegung des EHF-Pokals mit dem Europapokal der Pokalsieger in der Saison 2012/13 ist die Lukrativität gestiegen. Mit der Champions League kann die kleine Schwester der Königsklasse dennoch nicht mithalten. „Wenn es in der Champions League 750 000 Euro zu verdienen gibt, dann sind es in der European League, wenn man weit kommt, vielleicht 100 000 Euro“, schätzt Bob Hanning, der Geschäftsführer der Füchse Berlin.
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Hanning: Wertschätzung steigt
Aktuell ist er mit seinem Team im Achtelfinale der European League vertreten (Hinspiel 24:25 beim HBC Nantes), in der neuen Runde soll es möglichst die Königsklasse sein. Doch auch für den ehemaligen Vizepräsidenten des Deutschen Handballbundes (DHB) steht zudem fest: „Die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb wertet einen Verein generell auf. Es steigert die Aufmerksamkeit und die Wertschätzung bei den Sponsoren, außerdem ist es leichter, Spieler zu verpflichten, wenn man auf der internationalen Bühne vertreten ist.“
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Den Wettbewerb zu gewinnen, ist für einen deutschen Club immer möglich. Seit 2004 triumphierte im EHF-Pokal respektive in der European League immer ein Bundesligist. Einzige Ausnahme war 2014 der ungarische Club Pick Szeged.
„Diese Statistik belegt, wie enorm gut die Bundesliga in der Breite ist und zeigt, dass sie zu Recht die stärkste Liga der Welt ist“, sagt Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL). Und Göppingens Sportlicher Leiter Christian Schöne ergänzt: „Wenn jemand den Wettbewerb zu schätzen weiß, dann sind wir es.“ Anders ausgedrückt: Die Lust auf Europa bei Frisch Auf ist groß.
Frisch-Auf-Personalie und Termin
Restprogramm
3. April, 16.05 Uhr: Frisch Auf – HBW Balingen-Weilstetten
7. April, 19.05 Uhr: MT Melsungen – Frisch Auf
24. April, 19.30 Uhr: Frisch Auf – TSV Hannover-Burgdorf
28. April, 19.05 Uhr: Frisch Auf – GWD Minden
5. Mai, 19.05 Uhr: SG Flensburg-Handewitt – Frisch Auf
12. Mai, 19.05 Uhr: Frisch Auf – HSV Hamburg
Noch nicht zeitgenau terminiert:
19. bis 22. Mai: TuS N-Lübbecke – Frisch Auf
2. bi 5. Juni: Frisch Auf – Rhein-Neckar Löwen
8./9. Juni: Frisch Auf – TBV Lemgo Lippe
12. Juni: THW Kiel – Frisch Auf
Noch ohne Termin:
Füchse Berlin – Frisch Auf
Neuzugang
Frisch Auf Göppingen hat versucht, den für die kommende Saison schon länger verpflichteten Jaka Malus vom weißrussischen Erstligisten Meshkov Brest sofort zu holen. Der Spielmacher hat aufgrund des Krieges in der Ukraine seinen bisherigen Club bereits verlassen, wird nicht mehr für Brest spielen und hält sich in seiner Heimat Slowenien auf. Da in der weißrussische Meisterschaft aber weiter läuft, hätte Frisch Auf den 25-Jährigen kraft Statuten nur mit einem Amateurvertrag ausstatten können. Dies wiederum hätte eine Sperre durch den jeweiligen Landesverbandes (in diesem Fall dem Handballverband Württemberg) von zwei Monaten zur Folge gehabt. Da die laufende Bundesligasaison am 12. Juni endet, hätte ein vorzeitiger Transfer keinen Sinn ergeben. (jüf)