Unter Jürgen Schweikardt läuft es gut beim TVB – auch nächste Saison? Foto: Baumann

Wer wird Trainer des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart? Eigentlich sollte die Frage schon vor dem Derby an diesem Donnerstag (19 Uhr) geklärt sein – jetzt verzögert sich die Entscheidung.

Stuttgart - Natürlich kann auch Jürgen Schweikardt den Kalender lesen. Und nach dem hätte die Trainer-Entscheidung beim Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart bereits bis Mitte Mai fallen sollen, so der Plan. „Das hat jetzt nicht geklappt“, sagt der Coach Schweikardt, weil sich bis dahin nicht alle Details haben klären lassen. Inhalt geht vor Zeit. „Wir lassen uns da nicht unter Druck setzen“, sagt Schweikardt – in seiner Rolle als Manager.

Diese Doppelfunktion hat zuletzt das Wort „Trainager“ geprägt. Was zum einen den Vorteil der kurzen Wege hat, zum anderen aber auch die Gefahr birgt, sich in beiden Funktionen zu verzetteln. „Wir haben das aber intern als Team gut gelöst“, sagt Schweikardt, der sich auf die zehn Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle und die alles in allem 50 des Vereins verlassen kann. „Nachdem ich im Februar noch den Trainerjob übernommen habe, haben wir einige Dinge umstrukturiert und Mitarbeiter weiterentwickelt – aber das ist kein Dauerzustand“, sagt Schweikardt.

Künftig kein „Trainager“ mehr

Soll heißen, die momentane Funktion als Trainer und Geschäftsführer wird es nächste Saison so definitiv nicht mehr geben. Bisher deuteten die Zeichen darauf hin, dass Schweikardt – „ich bin Handballer mit Leib und Seele“ – sich künftig auf den sportlichen Teil konzentrieren wird (wobei parallel durchaus der Trainermarkt sondiert wird). Was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass noch jemand für die organisatorischen Aufgaben geholt oder gefunden werden muss. Ein Puzzle mit vielen Teilen also.

Um es klar zu sagen: „Ich kann hier nicht machen, was ich will“, betont Jürgen Schweikardt. Bereits vor dem Aufstieg in die Bundesliga ist der Verein recht professionell – in eine GmbH & Co. KG – umgewandelt worden. Wichtige Entscheidungen trifft die Gesellschafterversammlung, die sich aus fünf Mitgliedern zusammensetzt: mit Christian May aus dem Hause des Hauptsponsors Kärcher als Sprecher, dazu Wolfgang Andrä (von der gleichnamigen Consulting Group) sowie dem Unternehmer Klaus Mitterlindner, die gewissermaßen den wirtschaftlichen Part abbilden. Dazu kommen für die sportliche Seite Jürgen Schweikardts Vater Günter Schweikardt und Rainer Heib als Vertreter des Hauptvereins TV Bittenfeld.

Hilfestellung durch Firma Kärcher

Wenn es um strategische Entscheidungen wie Trainer- oder Managerfrage geht, hat dieses Gremium das letzte Wort – auch wenn Jürgen Schweikardts Meinung durchaus gefragt ist. Das alles basiert auf einer klaren Geschäftsordnung, in der geregelt ist, wer welche Entscheidungen treffen darf. Dabei hat der TVB Stuttgart auch auf die Struktur des Hauptsponsors Kärcher zurückgreifen können, ein weltweit geführtes Unternehmen mit 12 000 Mitarbeitern. „Es gilt ein Vier-Augen-Prinzip“, so Jürgen Schweikardt, der auch jeden Spielervertrag von einem Mitarbeiter gegenzeichnen lassen muss; ab einem gewissen Budget von einem Gesellschafter.

Das alles war bisher nicht zum Schaden des Vereins, der schon vor dem Derby am Donnerstag (19 Uhr) gegen Frisch Auf Göppingen (für das es an der Abendkasse noch 500 Karten gibt) den Klassenverbleib sicher hat, auch wenn die Trennung von Trainer Markus Baur so nicht geplant war. „Dennoch entwickeln wir uns weiter“, sagt Schweikardt. „Schritt für Schritt.“ Dazu zählt auch der angepeilte Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Oberliga oder der Einzug der A-Jugend ins Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft.

Das alles verbunden mit einem nicht so einfach vollzogenen Standort- und vor allem Namenswechsel. Ob es den auch beim Trainer gibt? Abwarten. Um nochmals auf den Kalender zurückzukommen: Nach dem letzten Spieltag am 3. Juni gegen Wetzlar soll auch diese Frage geklärt sein – denn danach ist erst einmal Urlaub.

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