Entsetzen bei Trainer Roi Sanchez und den Spielern des TVB Stuttgart nach der 32:34-Derby-Niederlage am zweiten Weihnachtsfeiertag in der EWS-Arena in Göppingen. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Eine Flut an Gegentoren, akute Abstiegsgefahr, zudem öffentliche Schiedsrichter-Kritik von Trainer Roi Sanchez – beim TVB Stuttgart herrscht höchste Alarmstufe. Welche Konsequenzen sind zu erwarten?

Stuttgart - Roi Sanchez habe aus der Emotion heraus ehrlich seine Meinung gesagt. „Dass er das öffentlich machte, war nicht glücklich“, räumte Jürgen Schweikardt, der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart, einen Tag nach der 32:34-Niederlage im Derby bei Frisch Auf Göppingen ein. Der TVB fühlte sich zu Recht bei zwei Entscheidungen in der Endphase benachteiligt. Dass Sanchez danach zu einer Generalkritik in Sachen Schiedsrichterentscheidungen ansetzte („die beste Liga der Welt hat Luft nach oben in diesem Bereich“) – damit tat sich der Spanier in seinem ersten Jahr als Chefcoach in Deutschland keinen Gefallen. Das kommt nicht gut an in der Branche, zumal schnell der Verdacht aufkommt, nur von den eigenen Unzulänglichkeiten ablenken zu wollen.

 

Denn Luft nach oben – die hat zuallererst seine Mannschaft. Sie überwintert mit 9:27 Punkten auf dem drittletzten Rang und nur wegen der besseren Tordifferenz gegenüber dem HBW Balingen-Weilstetten nicht auf einem Abstiegsplatz. Vor allem die mit Abstand meisten Gegentore aller Teams lösen die höchstmögliche Alarmstufe aus. Es drängt sich der Eindruck auf, die Gegner haben das neue Abwehrsystem von Sanchez schneller entschlüsselt, als es das eigene Team gelernt hat. „Wir müssen unser Niveau in der Abwehr massiv steigern, aber das braucht Zeit“, sagt der 37-Jährige – und schiebt in Kenntnis der Gepflogenheiten schnell hinterher: „Zeit, die wir nicht haben, weil es in der Liga so eng zugeht.“ Ob Sanchez die Zeit überhaupt bekommt? Für Schweikardt ist ein Trainerwechsel jedenfalls kein Thema. „Da gibt es keinerlei Überlegungen, weil wir von Rois Arbeit, die wir tagtäglich beobachten, überzeugt sind. Er wird es hinbekommen.“

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Möglicherweise mithilfe eines weiteren Neuzugangs nach Torwart Ivan Pesic, der bisher noch zu selten die gewünschten Impulse liefern konnte. „Wir schauen uns um, wer uns für die Defensive helfen kann“, erklärte Schweikardt. Ob der am 31. Dezember auslaufende Vertrag von Kreisläufer Benjamin Meschke verlängert wird, sei offen.

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Sicher ist, dass sowohl Sanchez’ öffentliche Schiedsrichterschelte als auch Schweikardts Sturm aufs Spielfeld Richtung Unparteiische nach den 60 Minuten ohne direkte Folgen bleiben. „Wir bitten zwar darum, nicht aufs Feld zu laufen, doch keiner hat sich im Ton vergriffen oder gar jemanden angefasst“, sagte der anwesende Technische Delegierte Jürgen Rieber. Zum von Sanchez geforderten Videobeweis meinte das Mitglied des DHB-Lehrstabs: „Mittelfristig wird er kommen, doch erst müssen in allen Hallen mit zwei bis drei Kameras die gleichen Voraussetzungen geschaffen werden.“ International kann der Videobeweis bereits angefordert werden – allerdings nur vom Schiedsrichter. Was Sanchez in doppelter Hinsicht nicht weiterbringt.