Tobias Thulin kommt als Europameister nach Stuttgart zurück – und ist einer von drei Torhütern beim TVB. Foto: imago/Carl Sandin

Nach dem Gewinn des EM-Titels mit der schwedischen Nationalmannschaft steigt Tobias Thulin am Samstag beim TVB Stuttgart wieder ins Training ein. Hat der Torwart beim Handball-Bundesligisten eine sportliche Zukunft?

Stuttgart - Trainer Roi Sanchez hat ihm per SMS gratuliert. Geschäftsführer Jürgen Schweikardt genauso. Telefonisch war Tobias Thulin seit seinem EM-Triumph am Sonntagabend mit der schwedischen Handball-Nationalmannschaft bisher nicht zu erreichen. Der 26-Jährige ging erst einmal auf Tauchstation – und dürfte den Titelgewinn in vollen Zügen genießen. Zwar kam der Keeper des Bundesligisten TVB Stuttgart im Halbfinale und Finale nur jeweils bei Siebenmetern zwischen die Pfosten, doch vor allem als Stammkeeper Andreas Palicka im Hauptrundenfinale gegen Norwegen wegen seiner Coronainfektion ausgefallen war, zeigte der 1,98 m-Mann seine Klasse. Insgesamt drückte sich das in nackten Zahlen bei der EM so aus: Sechs Spiele, 16 von 48 Würfen pariert, macht eine Fangquote von 33,33 Prozent für Thulin. Zum Vergleich: Palicka absolvierte acht Spiele, parierte 65 von 211 Würfen (30,81 Prozent), der dritte Keeper Peter Johannesson (TBV Lemgo Lippe/ab der neuen Saison Bergischer HC) stand bei fünf Spielen im Tor, hielt 20 von 56 Bällen (35,71 Prozent).

 

So weit die Fakten. Zu denen zählt auch, dass Tobias Thulin am kommenden Samstag wieder beim TVB Stuttgart ins Training einsteigt. Das Testspiel an diesem Donnerstag in Dettelbach/Unterfranken gegen Ligarivale SC DHfK Leipzig geht ohne den Schweden über die Bühne. Bleibt die Frage, ob er in der Rückrunde – los geht’s am 10. Februar mit dem Heimspiel gegen den THW Kiel – überhaupt noch eine Rolle spielt. „Stand jetzt gehen wir mit drei Torhütern in die Rückrunde und auch in die neue Saison“, sagt Schweikardt, „Ich freue mich auf drei Torhüter und glaube, dass sie zusammen mit der Abwehr in der Rückrunde besser funktionieren werden“, sagt Sanchez.

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Doch klar ist eben auch: Bisher war der TVB mit Thulins Leistungen und seiner Ausstrahlung unzufrieden. Deshalb wurde im vergangenen November der kroatische Nationalkeeper Ivan Pesic (32) bis zum Saisonende nachverpflichtet. Und auch der sofortige Einstieg von Miljan Vujovic (21/RK Celje), der eigentlich erst im Sommer nach Stuttgart kommen sollte, kommt keinem Vertrauensbeweis für Thulin gleich. In der neuen Saison baut der TVB auf Nationaltorwart Silvio Heinevetter (37/MT Melsungen) und Vujovic – und auf Thulin? Kaum vorstellbar, denn bei allem Konkurrenzkampf gilt es auch, den Etat im Blick zu haben. Und drei Torhüter von dieser Kategorie sind finanziell nur schwer vertretbar.

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Viel wahrscheinlicher ist demnach, dass es noch vor Schließung des Transferfensters am 15. Februar zu einer Trennung von Thulin kommt. Der stille Schwede sitzt mit einem Vertrag bis Juni 2024 allerdings am längeren Hebel. Sein Berater Ake Unger hält sich, was einen vorzeigen Wechsel betrifft, bedeckt: „Das müssen Sie den TVB Stuttgart fragen, wie sie mit dem Europameister umgehen wollen. Ich habe noch nicht mit Tobias gesprochen, und weiß nicht was der denkt“, erklärte der Schwede gegenüber unserer Redaktion.

Gerüchteweise wurde Thulin genauso wie Malte Semisch (GWD Minden) schon mit den Füchsen Berlin in Verbindung gebracht. Doch der Hauptstadtclub ist anderweitig fündig geworden: Der aktuelle Tabellenvierte steht für die kommende Saison vor der Verpflichtung des russischen Nationalkeepers Victor Kireev (34) von ZSKA Moskau.