Handball-Bundesliga TVB Stuttgart Entwicklungshilfe aus Göppingen

Von Joachim Klumpp 

TVB-Trainer Markus Baur (Dritter von rechts) und seine Neuzugänge. Foto: Baumann
TVB-Trainer Markus Baur (Dritter von rechts) und seine Neuzugänge. Foto: Baumann

Der Handball-Bundesligist TVB Bittenfeld hat investiert und fünf neue Spieler verpflichtet. Darunter auch einen Weltmeister.

Stuttgart - Der Countdown läuft zur zweiten Saison in der Handball-Bundesliga. „Die wird nicht einfacher“, sagt der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt mit Blick auf die neue Runde, die am 3./4. September beginnt. Deshalb wurde nochmals in die Mannschaft des TVB Stuttgart investiert. Fünf neue Spieler sollen die Abgänge „nicht nur kompensieren, sondern uns auch weiterbringen“, wie Schweikardt betont – mit Qualität statt Quantität.

Michael Kraus Der Weltmeister von 2007 ist abgetaucht, allerdings nur im Urlaub. Auf den Malediven hat er gleich drei Tauchscheine gemacht (bis 30 Meter Tiefe) und ist begeistert: „Unter Wasser vergisst man alles.“ Doch jetzt hat den Ex-Nationalspieler der Alltag wieder – und er ist sich seiner Rolle als Leit- und Führungsfigur bewusst. „Wir erwarten nicht, dass er uns irgendwo hinschießt“, sagt Schweikardt, „aber dass er vielleicht doch eines der knappen Spiele aus der Vorsaison für uns entscheidet.“ Und vor allem, „dass wir ihm ohne Vorurteile begegnen.“

Immer noch hängt dem 32-Jährigen der Ruf des Hallodri nach, doch im neuen Umfeld will er es noch mal wissen. Zumal er ja halber Bittenfelder ist, mütterlicherseits. Das verbindet. Nicht nur das. Er sagt: „Die Strukturen hier stimmen, der Verein hat eine Vision – und in Markus Baur einen tollen Trainer.“ Obwohl der sich in seiner Lemgoer Zeit mit Kraus auch schon mal in die Haare geriet. Dass Baur in der Vorbereitung wegen seines Noch-DHB-Engagements phasenweise fehlt, hält Kraus für nicht so dramatisch. „Wenn es um den Feinschliff geht, ist er ja voll dabei.“ Von 8. August an, dann sind noch vier Wochen hin bis zum Saisonstart gegen Kiel.

Felix Lobedank Neben Kraus ist er der zweite Ex-Göppinger. Er stand schon im Januar als erster Neuzugang fest. Zu einem Zeitpunkt, als der Linkshänder eine schwere Phase durchmachte. Eine Achillessehnen-OP setzte ihn viereinhalb Monate außer Gefecht. Dennoch wollte der TVB den 31-Jährigen unbedingt haben. „Dieser Vertrauensvorschuss hat mich überzeugt.“ Im Gegenzug unterschrieb Lobedank einen Vertrag, der auch für die zweite Liga gegolten hätte, weil ihn das Konzept des Vereins überzeugt hatte. Lobedank ersetzt im rechten Rückraum Lars Friedrich, der nach Balingen wechselte, wo Lobedank auch schon spielte. „Neben Jogi Bitter und Mimi Kraus haben wir schon mal eine erfahrene Achse“, sagt Baur. Lobedank setzt auf die Vorbereitung, um wieder auf 100 Prozent zu kommen. „Im Moment bin ich voll belastbar“, sagt er. Nach der Verletzungspause fehlt es noch am Feinschliff, zum Beispiel der Koordination, um die letzten Prozente rauszuholen.

Bobby Schagen Der Niederländer kennt den TVB noch aus früheren Zweitliga-Zeiten. Damals spielte er für Nordhorn, von wo aus er nach Nettelstedt wechselte. Das war keine so gute Idee. Der Traditionsverein erwischte eine miserable Saison mit drei Trainerwechseln und dem Abstieg. Der 26-Jährige soll Michael Spatz ersetzen, der in der vergangenen Saison mit 180 Treffern Platz fünf in der Torschützenliste belegte: „Das wird nicht einfach, er war einer der besten Rechtsaußen der Liga.“ Dennoch gilt Schagen als optimaler Ersatz im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten. „Ich habe verfolgt, wie der Verein sich weiterentwickelt und will meinen Teil dazu beitragen.“ In der stärksten Liga der Welt. Er spielt mit Holland zwar nicht bei der WM, aber einen Achtungserfolg gab es zuletzt doch. In der Qualifikation knüpfte sein Team den Polen immerhin einen Sieg ab, verpasste den Sprung nach Frankreich aber aufgrund der Tordifferenz. Freundin Tess Wester ist übrigens Torhüterin bei den Bietigheimer Handballerinnen. Kein Wunder, dass er sagt: „Hier hat alles gepasst.“

Marian Orlowski Der 23-Jährige kommt wie Bobby Schagen ebenfalls aus der zweiten Bundesliga vom ASV Hamm, bei dem er vielleicht sogar geblieben wäre, wenn nicht das Angebot aus Stuttgart auf den Tisch geflattert wäre: „Es war schon immer mein Traum, als Profi in der ersten Handball-Bundesliga zu spielen.“ Der ist jetzt wahr geworden. Orlowski soll im linken Rückraum den Konkurrenzkampf mit Dominik Weiß beleben, ihn aber auch entlasten. Mit 1,96 Meter und 102 Kilogramm bringt er zumindest schon mal die richtigen Maße mit. Und noch mehr. Eine gute Ausbildung genoss er in der Handball-Akademie des VfL Gummerbach, seine persönliche vertieft er im Fernstudium Wirtschaftswissenschaften an der Uni Hagen. Und Markus Baur kennt er bestens aus der Junioren-Nationalmannschaft.

„Ich bin von allen vier überzeugt“, sagt Schweikardt. Nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich – und finanziell passen sie ebenfalls in den Rahmen des TVB. Nicht zu vergessen Markus Baur – der fünfte und vielleicht wichtigste Neue. Ergänzt wird das Team von dem Torwarttalent Linus Mathes als sechstem Neuzugang.

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