Die Löwen voller Leidenschaft: Kim Ekdahl Du Rietz (li.) gegen Kiels Joan Canellas Foto: Bongarts

Die Rhein-Neckar Löwen wahren mit einer furiosen Aufholjagd und einem 23:23 beim THW Kiel ihre Chance auf die deutsche Meisterschaft. Für die baden-württembergischen Bundesliga-Mitstreiter Frisch Auf Göppingen und SG BBM Bietigheim setzt es dagegen Auswärts-Niederlagen.

Rhein-Neckar Löwen

Wer zehn Minuten vor Schluss mit 17:21 vor 10 285 Fans in der ausverkauften Sparkassenarena beim THW Kiel zurück liegt, fünf Sekunden vor Schluss einen Ball an die Unterkante des eigenen Tores bekommt und mit unglaublicher Moral ein 23:23 rettet, müsste eigentlich Freudentänze aufführen. Doch nach dem Unentschieden im Gipfeltreffen der Handball-Bundesliga machte Uwe Gensheimer ein Gesicht, als habe sein Team gerade die Meisterschaft verspielt.

„Wir haben es jetzt nicht mehr in der eigenen Hand“, stellte der Löwen-Kapitän fest. Der Weltklasse-Linksaußen weiß: Nach dem Herzschlagfinale der vergangenen Saison, als der THW nur zwei Treffer besser als die Löwen war, droht dem Tabellenzweiten erneut das Nachsehen aufgrund der schlechteren Tordifferenz. Die Kieler bleiben nach Minuszählern punktgleich mit dem Vize-Meister und aufgrund der um 47 Treffer besseren Tordifferenz Titelanwärter Nummer eins.

Andererseits ist den Löwen auch klar: Hätten sie sich nicht so verbissen gewehrt und das Spiel verloren, wäre die Chance auf den Titel nur noch blanke Theorie. So aber bleibt die Hoffnung auf einen Ausrutscher der Kieler. Wobei aufgrund des vergleichbaren (relativ einfachen) Restprogramms der beiden Kontrahenten der SC Magdeburg das Zünglein an der Waage sein dürfte. Der THW muss bereits an diesem Mittwoch (20.15 Uhr/Sport 1) zum Tabellenvierten, die Löwen erst am letzten Spieltag (5. Juni), wenn es für den SCM möglicherweise um nichts mehr geht.

"Starke Leistung und viel Moral"

Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen blickt jedenfalls optimistisch auf den Endspurt, der für sein Team an diesem Dienstag (19 Uhr/SAP-Arena) mit dem Heimspiel gegen MT Melsungen weitergeht. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Sie hat eine starke Leistung und viel Moral gezeigt“, sagte der Däne. Mit einer variablen Abwehr stellten die Badener den Weltklasse-Rückraum des THW vor immense Probleme, nur dank großer individueller Klasse kamen die Kieler zum Erfolg.

„In der Abwehr waren wir richtig gut. Aber wir können trotzdem besser spielen“, sagte Torwart Niklas Landin und monierte die Chancenverwertung. Mehrfach scheiterten die Löwen an Kim Sonne-Hansen, der Nummer drei des THW, der für den verletzten Andreas Palicka und den an einer hartnäckigen Grippe erkrankten Johan Sjöstrand zwischen den Pfosten stand.

„Als Mannschaft waren wir eigentlich besser“, sagte Jacobsen, „aber leider haben wir von der 45. bis zur 50. Minuten zu viele Fehler gemacht. Deswegen müssen wir mit dem Unentschieden zufrieden sein, obwohl ich uns einen Sieg zugetraut hatte. Aber ich glaube nach wie vor an unsere Titelchance.“

Göppingen, Bietigheim

Frisch Auf Göppingen

Magnus Andersson war richtig sauer. „Ich bin wahnsinnig enttäuscht“, sagte der Frisch-Auf-Trainer nach dem 29:30 (16:15) beim HSV Hamburg, „wir haben durch dumme Fehler zwei Punkte verschenkt.“ Trotz der Roten Karten für Kreisläufer Bojan Beljanski (18. Minute/Foulspiel) hatte sich sein Team mit einer starken Vorstellung bis zur 57. Minute eine 29:26-Führung erarbeitet. Dann gingen Göppingen die Kräfte aus, zu viele Spieler verloren die Nerven.

Michael Kraus leistete sich beim Zurücklaufen ein Foul und kassierte eine Zeitstrafe. In Unterzahl unterlief Kévynn Nyokas dann ein technischer Fehler. Die Unzulänglichkeiten nutzte der HSV vor 6616 Zuschauern zu vier Toren in Folge, Kentin Mahé gelang mit seinem achten Tor 26 Sekunden vor Schluss der Siegtreffer. Am Ende hatten auch die zwölf Tore (davon sechs Siebenmeter) von Frisch-Auf-Linksaußen Marcel Schiller nichts genutzt. Andersson wirkte ratlos: „Ich habe keine Erklärung, warum unsere erfahrene Mannschaft immer wieder einen Vorsprung aus der Hand gibt.“

Die bittere Niederlage ist vor dem Heimspiel am kommenden Samstag (20.15 Uhr/EWS-Arena) gegen die TSV Hannover-Burgdorf ein Rückschlag im Kampf um einen Europacupplatz. Noch ist Frisch Auf zwar Fünfter, doch Verfolger MT Melsungen hat drei Minuspunkte weniger. Um Platz fünf zu halten, müsste Göppingen sechs Spieltage vor Schluss wohl bis auf die Partie beim THW Kiel (22. April) alle ausstehenden Saisonspiele gewinnen.

SG BBM Bietigheim

Für den Aufsteiger setzte es im 15 Auswärtsspiel die 13. Niederlage – 24:32 (13:15) beim TuS N-Lübbecke. Rückraumspieler Romas Kirveliavicius kehrte nach seiner Wadenzerrung zwar wieder ins Team zurück, er sah nach einem Foulspiel in der Endphase jedoch die Rote Karte. Die jüngsten Turbulenzen mit dem Geschäftsführer-Wechsel – Jochen Sandkühler für Timo Schön – hatten laut SG-Trainer Hartmut Mayerhoffer keine Auswirkungen aufs Team. „Das betrifft die Mannschaft nicht. Wir sind fürs Sportliche zuständig und haben unsere Arbeit zu tun.“ Die nächste Chance dies erfolgreich zu tun bietet sich an diesem Samstag (20.15 Uhr): Die TSG Friesenheim kommt in die MHP-Arena.

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