TVB-Spielmacher Mimi Kraus (li.) gegen Göppingens Manuel Späth: Am letzten Spieltag am 10. Juni treffen die beiden Rivalen in Göppingen aufeinander – womöglich in einem Endspiel gegen den Abstieg? Foto: Baumann

Der TVB Stuttgart und der HBW Balingen-Weilstetten konnten punkten. Frisch Auf kommt nach der sechsten Niederlage dagegen immer stärker in Not. Ausgerechnet jetzt steht das EHF-Pokal-Final-Four in Göppingen an.

Stuttgart -

TVB 1898 Stuttgart: Aller guten Dinge sind drei – so jedenfalls kann der TVB das 24:24 (9:12) bei der TSV Hannover-Burgdorf bewerten. Nachdem sich die Mannschaft bereits bei den Auswärtsspielen in Kiel und Magdeburg jeweils nur mit einem Tor hatte geschlagen geben müssen, schlug das Pendel am Samstag endlich mal in die andere Richtung aus. „Diesmal war das Glück auf unserer Seite“, sagte der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt, „aber ich glaube, das haben wir uns auch verdient.“ In letzter Sekunde hat Michael Kraus (5/2) die Nerven bewahrt – und einen Siebenmeter zum Ausgleich verwandelt, nachdem Hannover zuvor ein Stürmerfoul van Can Celebi reklamiert hatte. „Eine Kann-Situation“, sagte dazu der TVB-Trainer Markus Baur diplomatisch.

Dabei hatte sieben Minuten vor dem Ende rein gar nichts auf den Punktgewinn hingedeutet, als die Gäste scheinbar hoffnungslos mit 18:23 zurücklagen. „Für den Mut und den Glauben an uns muss ich der Mannschaft ein Riesenkompliment machen“, sagte Baur zum Remis, an dem Marian Orlowski, Michael Schweikardt und Simon Baumgarten (je 5) maßgeblichen Anteil hatten. „Natürlich fühlt sich das Ergebnis wie ein Sieg an“, sagte Jürgen Schweikardt. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Es gab nur einen Punkt, aber auch der war wichtig im Kampf gegen den Abstieg, der in Sachen Dramatik an den in der Fußball-Bundesliga erinnert. Mit dem Unterschied, dass der Drittletzte im Handball eben keine Relegationsspiele bekommt, sondern direkt in die zweite Liga muss.

Und die droht – vor allem in Anbetracht der Ergebnisse der Konkurrenz – für den TVB nach wie vor. Vor dem Kellerduell nächsten Samstag in Lemgo geht es am Mittwoch noch zum Titelanwärter SG Flensburg-Handewitt. Schweikardt: „Auch da haben wir eine kleine Chance, an die wir glauben müssen.“ Im Zweifel gilt es aber, einen Kantersieg des Spitzenreiters zu verhindern, damit das Torverhältnis intakt bleibt. Auch das kann noch wichtig werden.

Frisch Auf Göppingen: Gezeichnet von der desolaten Leistung in der zweiten Halbzeit saßen die Göppinger Verantwortlichen nach dem 19:29 (12:12) bei der HSG Wetzlar in der Pressekonferenz. „Ich bin sprachlos, dass wir nach einer 13:12-Führung nur noch sechs Tore in 28 Minuten zustand bringen. Dieser Einbruch ist peinlich“, sagte Trainer Magnus Andersson. 27 Fehlwürfe fabrizierten die Göppinger vor 4317 Zuschauern und Geschäftsführer Gerd Hofele forderte nach der „unterirdischen zweiten Halbzeit“ eine „hundertprozentige Leistungssteigerung von jedem einzelnen Spieler.“

Nach der sechsten Niederlage in Serie ist auch dem Letzten klar geworden, dass der amtierende EHF-Pokalsieger im Kampf gegen den Abstieg angekommen ist. Die Aussichten sind düster. Der Coach ist angezählt und wirkt ratlos. Vor dem Final Four um den EHF-Pokal am kommenden Wochenende wird sich aber nichts tun. Die Kritik nur auf den Schweden zu fokussieren, wäre vor der Aufsichtsratssitzung an diesem Dienstag ohnehin zu kurz gesprungen: Die Mannschaft hat zu wenig Typen, die bedingungslos nach Erfolgen jagen und Niederlagen persönlich nehmen. Nach ein paar positiven Erlebnissen (wie in der EHF-Pokal-Gruppenphase oder einem achtbaren Ergebnis gegen Kiel) schläft die Aufbruchstimmung wieder ein. Und jetzt folgt der Auftritt auf der internationalen Bühne im eignenen Wohnzimmer in Göppingen. „Zum ungünstigsten Zeitpunkt“, wie Co-Trainer Christian Schöne (36) findet, der aufgrund der Personalnöte in Wetzlar 37 Minuten lang spielte. Dann zwangen ihn Oberschenkelprobleme zur Aufgabe und Nachwuchsmann Joschua Braun (18) feierte auf Rechtsaußen sein Bundesligadebüt. Was Schöne zumindest mit Blick auf das Halbfinale am Samstag (15 Uhr/MDR) gegen den SC Magdeburg Mut macht? „Wenn wir extrem viel investieren, sind wir in der Lage, ein außergewöhnliches Ding rauszuhauen.“ Punkte für die Liga bringt das allerdings nicht.

HBW Balingen-Weilstetten: In der Bundesliga geht es für Frisch Auf als nächstes am 27. Mai (19 Uhr) nach Balingen. Der HBW sendete mit dem 28:23 (12:9) gegen den SC DHFK ein echtes Lebenszeichen. Vor dem 2350 Zuschauern war Rückraumspieler Srdjan Predragovic (21) der Mann des Abends. Der mit Zweitspielrecht ausgestattete Linkshänder vom TV Neuhausen spielte unbekümmert auf und warf 9/3 Tore. Der Bosnier war für Lars Friedrich (dreifacher Bänderriss) erstmals in den Kader gerückt. Unabhängig von einem Balinger Klassenverbleib wechselt Predragovic in der neuen Saison nach Österreich zum HC Linz.

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