Mit einem Etat von 6,5 Millionen Euro will Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen seine Entwicklung vorantreiben. Die entscheidende Frage dabei: Macht Hauptsponsor Teamviewer über die kommende Saison weiter – und wenn ja, in welchem Umfang.
Hartmut Mayerhoffer bat um Entschuldigung. Dass der Trainer zur Saisonpressekonferenz in den Räumlichkeiten des Sponsors in Uhingen mit viertelstündiger Verspätung eintraf, lag am Vormittagstraining mit der Mannschaft. Frisch Auf Göppingen befindet sich in der heißen Vorbereitungsphase auf die am 4. September (16.05 Uhr) mit dem Spiel bei den Füchsen Berlin beginnende Bundesligasaison.
In diese geht der Traditionsclub mit einem um 500 000 Euro gestiegenen Etat von nun 6,5 Millionen Euro. Das ist Rekord in der Vereinsgeschichte. Und auch der Kader ist zumindest auf dem Papier so stark und breit aufgestellt wie noch nie. Für Kapitän Tim Kneule (seit 2006 bei Frisch Auf) steht jedenfalls fest: „Ich habe noch nie mit einer besseren Mannschaft zusammengespielt.“
Dass das Saisonziel bei einer solchen Weiterentwicklung und Vorjahresplatz fünf „nur“ Top Sechs lautet, bedarf einer Einordnung. Zum einen hat Frisch Auf aus der vergangenen Runde das Optimale herausgeholt. Dass man Clubs mit deutlich höherem Etat, wie die Rhein-Neckar Löwen und die MT Melsungen, hinter sich lassen konnte, war genauso beachtlich wie überraschend. Zum anderen klafft zu den ersten vier eine Riesenlücke – sowohl was die Punkte und Treffer (Frisch Auf hatte als Fünfter eine Tordifferenz von minus 12) wie auch das Leistungsvermögen betrifft. „Erneut Fünfter oder Sechster zu werden, wird eine extrem anspruchsvolle Aufgabe, um diese Plätze streiten sich acht Clubs“, sagt Mayerhoffer.
Extreme Leistungsdichte
Obwohl der 53-Jährige ohnehin nicht für großspurige Ansagen bekannt ist, hat dies wenig mit Tiefstapelei zu tun. Neben der extremen Leistungsdichte zwischen den Plätzen fünf und zwölf kommt mit Blick auf den Ligaalltag die nicht zu unterschätzende internationale Belastung hinzu. Frisch Auf steigt in der European League Ende September/Anfang Oktober in der zweiten Qualifikationsrunde ein (Auslosung 6. September), wo schon dicke Brocken warten können. Gelingt der Sprung in die Gruppenphase, wären fünf Heimspiele sicher und damit Renommee und Zuschauereinnahmen garantiert.
Überhaupt sind die Besucherzahlen ein wichtiges Thema bei Frisch Auf. 2000 Dauerkarten und ein Schnitt von 3300 Besuchern werden angepeilt. Der lag in der Zeit vor den geänderten Anwurfzeiten und Corona deutlich über 4000. Dass der Etat dennoch auf Rekordniveau stieg, liegt zum allergrößten Teil am Hauptsponsor Teamviewer. Der Vertrag läuft noch bis Saisonende. Und dann? Gibt es Sorgen, dass die Partnerschaft beendet wird, so wie es das IT-Unternehmen mit Sitz in Göppingen für sein Engagement bei Manchester United (Vertrag bis 2026) bereits angekündigt hat? Nein – meint der Frisch-Auf-Geschäftsführer Gerd Hofele: „Wir befinden uns mit Teamviewer in permanentem Austausch, die internen Gespräche nehmen einen sehr positiven Verlauf.“
Wie verhält sich Teamviewer?
Im Optimalfall buttert der Softwarekonzern noch mehr Kohle als die bisher kolportierte gut eine Million Euro pro Saison in Frisch Auf rein. Dann könnte der EHF-Pokal-Sieger von 2011, 2012, 2016 und 2017 vielleicht doch einmal die Teilnahme an der Champions League in Angriff nehmen. „Ich hätte sogar nichts dagegen, wenn irgendwann einmal Champions-League-Sieger auf dem Briefkopf stehen würde“, sagte Coach Mayerhoffer auf die Frage, ob nicht der European-League-Sieg angestrebt werden müsste und ergänzte: „Wir setzen uns immer die höchsten Ziele.“ Nur müssen sie eben auch realistisch sein.