Trainer Hartmut Mayerhoffer steht nach nur 5:13 Punkten bei Frisch Auf in der Kritik. Foto: Baumann/Julia Rahn

Bei Frisch Auf Göppingen wurde nach einer Derby-Niederlage schon einmal ein Trainer entlassen. Hartmut Mayerhoffer bleibt trotz 5:13 Punkten weiter im Amt – zumindest bis auf weiteres. Was sind die Gründe?

Riesenjubel bei den Handballern des TVB Stuttgart, Niedergeschlagenheit bei Frisch Auf Göppingen. Die Szenen nach dem 24:25 in der EWS-Arena erinnerten an den September 2017. Auch damals nahm der Außenseiter im Bundesliga-Derby aus Göppingen mit einem 23:21 die Punkte mit. In der Woche danach trennte sich Frisch Auf von Trainer Magnus Andersson. 4:6 Punkte standen damals zu Buche, jetzt sind es 5:13 Zähler.

 

Diesmal steht ein Trainerwechsel nicht zur Debatte. Zumindest noch nicht. Doch die Kritik an Hartmut Mayerhoffer nimmt zu. Ein Großteil der Fans ist stinksauer. Die Verantwortlichen sind sich der heiklen Lage bewusst, glauben aber, mit dem Trainer die Kurve nach oben noch kratzen zu können. Warum das so ist? Mayerhoffer (Vertrag bis 2024) genießt nach wie vor in der Mannschaft höchste Anerkennung, sein Training wird von allen Seiten gelobt, und dass er bei Frisch Auf erfolgreich arbeiten kann, hat er mit Platz fünf im Vorjahr und der damit verbundenen Qualifikation für die European League bewiesen. Davon zehrt er noch, doch im schnelllebigen Profigeschäft muss nachgelegt werden. Auch Andersson hatte vier Monate vor seinem Rauswurf 2017 mit Frisch Auf noch den EHF-Pokal gewonnen.

„Der Trainer hat mit dem sehr beachtlichen fünften Platz aus der vergangenen Saison noch Kredit, aber keiner kann sagen, wie lange“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Claus Mai – und nimmt alle Beteiligten in die Pflicht: „Die Mannschaft und alle um die Mannschaft herum, inklusive Trainer, sind jetzt gefordert, zu zeigen, dass eine Entwicklung zu erkennen ist.“

Basics sind wieder da

Das war bisher nicht der Fall. Das erste Heimspiel gegen den TBV Lemgo Lippe (34:31) war spielerisch noch das mit Abstand beste, danach ging’s rückwärts. Was nicht zu dem Argument passt, die neu formierte Mannschaft brauche noch Zeit. Bei den Pleiten beim damaligen Schlusslicht ASV Hamm-Westfalen und beim Aus im DHB-Pokal beim Bergischen HC ließ das Mayerhoffer-Team neben Effizienz auf fahrlässige Weise auch Einsatz, Leidenschaft und Gegenwehr vermissen. Diese Basics waren zuletzt wieder da, doch es reichte in Flensburg und gegen den TVB nicht zu Punkten.

„Ich kann meiner Mannschaft nichts, rein gar nichts vorwerfen“, sagte Mayerhoffer nach dem Derby. Dabei vergaß er hinzuzufügen: „in kämpferischer Hinsicht“. Denn spielerisch ließ sein Team im Angriff erneut viele Wünsche offen. Misserfolge schön- , Gegner starkzureden, das wird Mayerhoffer vorgeworfen, der sich stets zu 100 Prozent vor seine Mannschaft stellt. Doch er übertreibt es damit auch. Beispiel Jon Lindenchrone. Der Linkshänder, der nach Informationen unserer Redaktion am Saisonende zu den Rhein-Neckar Löwen wechseln wird, befindet sich im Formtief, machte auch gegen den TVB bei seinen Kurzeinsätzen keine gute Figur, Mayerhoffer aber meinte er habe „seine Sache sicherlich gut gemacht“. Jetzt liegt es an den Spielern, ihrem Coach etwas zurückzugeben. Am besten schon am Dienstag (18.45 Uhr) in der European League bei Benfica Lissabon.