Hartmut Mayerhoffer (Mi.) gibt weiter die Kommandos als Trainer von Frisch Auf Göppingen. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Frisch Auf Göppingen steckt in einer der schlimmsten Krisen seit dem Wiederaufstieg 2001. Dennoch hält der Handball-Bundesligist weiter an Trainer Hartmut Mayerhoffer fest. Das sind die Gründe.

Die Verantwortlichen von Frisch Auf Göppingen steckten gleich nach dem 26:29 am Donnerstagabend gegen GWD Minden noch in der Kabine gemeinsam mit der Mannschaft die Köpfe zusammen. Auch am Freitag stimmten sich Aufsichtsratschef Claus Mai, der Sportliche Leiter Christian Schöne und Gerd Hofele in einer Krisensitzung noch einmal intern ab. Am Ende stand die überraschende Entscheidung: Trotz einer der schlimmsten Krisen seit dem Wiederaufstieg 2001 geht es beim mit 7:19 Punkten auf den drittletzten Platz abgestürzten Traditonsclub mit Trainer Hartmut Mayerhoffer weiter. Der 53-Jährige wird zumindest in den Spielen an diesem Dienstag (20.45 Uhr) in der European League bei Montpellier HB und am darauffolgenden Sonntag (16.05 Uhr) im Bundesligaspiel beim Bergischen HC auf der Bank sitzen.

 

Verhältnis intakt

„Wir haben festgestellt, dass die Mannschaft komplett, ohne Ausnahme, zum Trainer steht. Deshalb soll er noch eine Chance haben, wir wollen es gemeinsam durchstehen“, sagte Mai. Auch für Hofele war das intakte Verhältnis zum Team entscheidend für das Festhalten am Coach. „Die Analyse ist brutal schwer. Wenn die Verbindung Trainer-Mannschaft zerrüttet wäre, wäre es etwas anderes. Aber wir halten eine Leistungsexplosion in der aktuellen Konstellation für wahrscheinlicher als bei einem Trainerwechsel.“ Allerdings räumte der ehemalige Linksaußen auch ein, nicht endlos zuzuschauen.

Dass Frisch Auf im freien Fall nicht sofort die Reißleine zieht, ist in Anbetracht der vertrackten Lage eher ungewöhnlich. Denn der Vorjahresfünfte mit dem Saisonziel „Top Sechs“ lieferte in dieser Saison nicht nur einmal einen desaströsen Auftritt ab – etwa beim Schlusslicht ASV Hamm-Westfalen, im DHB-Pokalspiel beim Bergischen HC oder in der zweiten Halbzeit gegen die MT Melsungen, auch das prestigeträchtige Derby daheim gegen den TVB Stuttgart ging verloren.

Blockade im Kopf

Der Tiefpunkt aber war am Donnerstag erreicht: Wer den Auftritt gegen den Tabellenvorletzten aus Ostwestfalen verfolgte, der sah eine zerbrochene Mannschaft. Mit zittrigen Händen schlitterte eine total verunsicherte Ansammlung von individuell eigentlich passablen und sogar international erfahrenen Handballern ins Verderben. Nichts ging mehr. Die Blockade in den Köpfen saß tief und fest – und war nicht zu lösen.

Oftmals wird in solchen Notlagen auf die befreiende Wirkung des Trainerwechsels gesetzt, um neue Impulse zu setzen und noch einmal die letzten Reserven zu mobilisieren. Nicht beim schwäbischen Patienten Frisch Auf. „Mit Hartmut Mayerhoffer sind wir vergangene Saison Fünfter geworden – fünf Monate später können manche den Ball nicht mehr fangen“, sagte Torwart Daniel Rebmann, der wie Kapitän Tim Kneule, Marcel Schiller, Sebastian Heymann und Kresimir Kozina dem Mannschaftsrat angehört. „Wir haben den Trainer zuletzt im Stich gelassen, jetzt müssen wir uns endlich für ihn auf dem Feld zerreißen.“ Das Problem: Damit allein ist es nicht getan. Zu Punkten dürfte es nur reichen, wenn die Bremse zwischen den Ohren gelöst wird – zunächst ohne die möglicherweise befreiende Wirkung eines neuen Kommandogebers auf der Bank.