Der König der Löwen geht: Uwe Gensheimer Foto: dpa

Uwe Gensheimer ist der große Star der Rhein-Neckar Löwen. Vor seinem Wechsel nach Paris kann der Kapitän mit dem Handball-Bundesligisten am Sonntag die lang ersehnte deutsche Meisterschaft feiern.

Mannheim - Die 13 200 Zuschauer in der ausverkauften SAP-Arena hatten sich von ihren Plätzen erhoben. Sie applaudierten und riefen immer wieder „Uwe, Uwe“. Aus Dank. Aus Hochachtung. Aus Anerkennung. Beim letzten Heimauftritt von Uwe Gensheimer nach 13 Jahren bei den Handballern der Rhein-Neckar Löwen kochten die Emotionen hoch. Die Fans verneigten sich nach dem 27:23 gegen die TSV Hannover-Burgdorf vor ihrem Idol – und dem Linksaußen mit dem goldenen Handgelenk gingen die bewegenden Momente unter die Haut: „Es war noch schlimmer als ich mir es vorgestellt habe. Heute habe ich gemerkt, was ich in Paris vermissen werde. Die Stimmung war einfach sensationell“, sagte der 29-Jährige mit feuchten Augen und pochte immer wieder auf das Vereinsemblem auf seinem gelben Trikot.

Mit 16 Jahren war er von seinem Heimatverein TV 1892 Friedrichsfeld zur SG Kronau-Östringen gewechselt. Daraus entstand 2007 der Verein, dessen Name sich aus zwei Flüssen und einem wilden Tier zusammensetzt: Der König dieser Rhein-Neckar Löwen ist Uwe Gensheimer. Kein anderer hat den Verein so geprägt wie er. Der Club ist für ihn eine Herzenangelegenheit. Doch die Krönung fehlt noch: Die erste deutsche Meisterschaft mit seinem Heimatverein. Zweimal war er in den vergangenen beiden Jahren ganz nah dran an der Schale, zwei Mal scheiterte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und der Löwen hauchdünn am THW Kiel, 2014 fehlten zwei mickrige Tore.

„Das wird ein Schlachtfest“

Besser als diesmal war die Ausgangsposition noch nie. Die Nordbadener treten am letzten Bundesliga-Spieltag an diesem Sonntag (15 Uhr/Sport 1 Live-Konferenz) mit 1000 Fans im Rücken beim Schlusslicht und feststehenden Absteiger TuS N-Lübbecke an. Im Fernduell geht es gegen die um einen Punkt schlechtere SG Flensburg-Handewitt, die den Bergischen HC empfängt.

Den Löwen wird nach menschlichem Ermessen schon ein Unentschieden für den zweiten Titel der Vereinsgeschichte (nach dem EHF-Pokal-Sieg 2013) reichen. Die um 30 Treffer bessere Tordifferenz gegenüber Flensburg spricht klar für das Team Trainer Nicolaj Jacobsen. Rolf Brack, der ehemaligen Bundesligatrainer des HBW Balingen-Weilstetten, glaubt nicht, dass die Nerven den Löwen im letzten Moment wieder einmal einen Streich spielen: „Das wird ein Schlachtfest, eine glasklare Sache für die Löwen.“

Für Gensheimer wäre es die Erfüllung eines Lebenstraums. „Ich will diese Meisterschaft unbedingt“, sagt der Rechtshänder, dem Gier und Entschlossenheit anzumerken sind. Er will sich endlich belohnen. „Das wäre der perfekte Abschluss und so etwas von verdient“, betont er und schiebt die Begründung hinterher: „Wir spielen eine konstant gute Saison. Seit dem vierten Spieltag stehen wir ununterbrochen an der Spitze.“

Mit seiner individuellen Klasse und seinem umfangreichen Wurfrepertoire muss sich der Weltklasse-Mann vor keinem Spieler auf diesem Planeten verstecken. Das Sympathische daran: Der gebürtige Mannheimer blieb immer auf dem Boden. Er ist ein offener Typ, der für jeden Spaß zu haben ist. Er macht dabei auch vor der mächtigsten Frau Deutschlands nicht halt. Bei der EM-Ehrung der Nationalmannschaft formte er beim Fototermin mit Angela Merkel wie die Bundeskanzlerin die Hände zur Raute. Auch seinen Teamkollegen spielt er gerne einen Streich. So tauscht er am Büffet schon mal Vanillesauce gegen Mayonnaise und stellt den Topf mit der salzig-öligen Sauce neben den frisch duftenden Apfelkuchen.

Er wird Mitglied des Starensembles von Paris Saint-Germain

Jetzt also hört der Spaß auf. Gensheimer geht. Immer wieder hatte er lukrative Angebote von den Topclubs aus Kiel und Barcelona ausgeschlagen, weil er es genoss, sein zum Beruf gewordenes Hobby in seiner Geburtsstadt auf höchstem Niveau ausüben zu können. Doch nach dieser Saison will er noch einmal etwas anderes erleben. Er wird Mitglied des Starensembles von Paris Saint-Germain, dem finanzstärksten Club der Handball-Welt. „Es war immer ein Traum von mir, mal im Ausland zu spielen“, sagt Gensheimer, der nach der Bekanntgabe seines Wechsels im September seine Französisch-Bücher aus der Schulzeit herauskramte und Vokabeln lernte. Er will bestens vorbereitet sein, wenn er in Paris antritt – und natürlich als deutscher Meister kommen. Der Titelgewinn sei seine letzte Mission mit den Löwen. Und der perfekte Abschluss bei seinem Herzensclub.

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