Simon Kosak setzt sich am Kreis durch. Foto: Jörn Kehle

Handball-Drittligist TSV Neuhausen setzt sich klar mit 43:31 gegen Aufsteiger TSV Erlangen-Bruck durch und orientiert sich wieder nach oben.

„Gut so Glenn“, rief Markus Fuchs in der 2. Minute lautstark aufs Feld. Der erste Angriff war gelungen, der TSV Neuhausen führte mit 1:0 und der ehemalige Kreisläufer und jetzige sportliche Leiter wusste nur zu gut, dass die Neuhausener selbstbewusst in das Duell gegen den starken Aufsteiger TV Erlangen-Bruck gehen mussten. Linkshänder Glenn Baumann erwiderte den Ruf mit einem Grinsen. Nach zwei Spielen ohne Sieg hatten sich die Neuhausener Drittliga-Handballer viel vorgenommen und wollten gegen Erlangen-Bruck den zweiten Heimsieg der Saison feiern. Das ist gelungen, und zwar eindrucksvoll mit 43:31 (25:14).

 

Wenn’s läuft, dann läuft’s. Bereits nach acht Minuten nahm Erlangens Coach Roland Nixdorf eine Auszeit – sein Team lag da schon mit 3:9 hinten. Nur eine Minute später erhöhte Neuhausen auf 10:3 durch Linus Schmid. Die Abwehr stand wie ein Bollwerk, gepaart mit starken Paraden von Torhüter Niklas Prauß. So kamen die Neuhausener immer wieder in ihr gefürchtetes Tempo-Spiel und gingen verdient mit 25:14 in die Pause. „Wir hatten uns etwas ausgerechnet, waren dann aber von der ersten Minute an nicht bei hundert Prozent und sahen kein Land“, haderte Erlangens Co-Trainer Moritz Sokol. Ihm blieb nur, den Neuhausenern zu gratulieren. Daniel Brack war auf der Gegenseite sichtlich erleichtert. Nach zuletzt 1:3 Punkten wussten die Neuhausener nicht so genau, wo sie stehen. „Ich bin sehr, sehr glücklich. Die Trainingswoche war zäh“, betonte Neuhausens Coach.

Am Abend zuvor hatte das noch anders ausgesehen. Brack machte beim Abschlusstraining seinem Ärger Luft. „Ich habe viel Verständnis. Es ist eben so, dass immer wieder Spieler aus unterschiedlichsten Gründen im Training fehlen. Aber wenn wir dann zusammen sind, erwarte ich, dass die Zeit nicht verschleudert wird. Die Mannschaft hat nun eine Reaktion gezeigt“, erklärte er. Kreisläufer Simon Kosak zeigte Verständnis, der Frust habe sich über die Woche aufgebaut. „Da ist der Trainer halt mal lauter geworden. Das gehört auch dazu. Er hatte sich mehr im Training erwartet“, sagte Kosak.

Starke Torhüter

Im zweiten Durchgang machten die Neuhausener weiterhin ein gutes Spiel. Zwischen der 35. und 43. Minute schwächelte allerdings der Angriff und das Team ließ einige gute Möglichkeiten ungenutzt. Da war dann aber Schlussmann Sören Hamann zur Stelle – er vereitelte in dieser Phase vier Würfe und einen Siebenmeter. Sein Kollege zwischen den Pfosten Prauß hatte entsprechend Lob parat: „Sören hilft uns in dieser Phase enorm.“ Vorne kamen die Neuhausener auch über einen zweiten Kreisläufer zum Erfolg. „Das war keine taktische Vorgabe und hat sich so ergeben. Es war aber ein gutes Mittel gegen die offene Deckung“, sagte Kosak.

Der weitere Neuhausener Torhüter Jorick Pol war unterdessen schon mit dem Bundesligisten TVB Stuttgart auf dem Weg zum Auswärtsspiel bei Lemgo Lippe. Youngster Schmid stand hingegen erst in der Egelseehalle auf dem Feld und fuhr dann nach. „Wir brauchen Linus, Jorick konnte schon mitfahren, um sich optimal vorbereiten zu können. Wir haben noch zwei andere starke Torhüter“, erklärte Brack. Hamann und Prauß haben jedenfalls geliefert. Und Schmid zeigte abermals seine Klasse, sowohl im Angriff als auch in der Abwehr.

„Ich hatte nicht mit der Deutlichkeit gerechnet, Erlangen ist ein starker Aufsteiger. Wir hatten alle richtig Spaß und sind dann natürlich auch mit einem sehr guten Gefühl in die Halbzeit gegangen“, sagte Kapitän Philipp Keppeler, der selbst elf Mal traf, sieben Mal souverän von der Linie – auch in der Schlussphase, als er nach einem schnellen Antritt am Kreis zu Fall gebracht wurde und einen Siebenmeter zugesprochen bekam. „Ich wollte erst auf Lukas zeigen, aber der lief schon zurück. Da habe ich selbst geworfen. Ich war mir sicher, dass wir beide treffen würden“, erzählte Keppeler lachend. Bezeichnend für den Erfolg: alle Feldspieler standen am Ende in der Torschützenliste.

Die Neuhausener stehen mit 9:3 Punkten in der oberen Tabellenhälfte – da wollen sie auch bleiben und am Samstag beim HBW Balingen-Weilstetten II die nächsten Punkte holen. Brack hofft auf Unterstützung der Fans und verspricht: „Wir wollen als Team Feuer geben“

TSV Neuhausen: Prauß, Hamann; Marlin Sprößig (3), Haag (4), Schmid (5), Reinhardt (2), Baumann (3), Sommer (1), Schliedermann (1), Fischer (5), Sahin (1), Keppeler (11), Kosak (7).

TV Erlangen-Bruck: Meyer, Golla; Neuß (6), Poser (5), Hümpfer (3), Völcker, Schindler, Walz (3), Banik, Hartmann (1), Mangen (2), Beyer (3), Maidl (1), von der Burg, Kokott, von Alvensleben (7).

Schiedsrichter: Michael Osternig / Thomas Schmidt (Groß-Gerau / Rodgau).

Zuschauer: 250.

Zeitstrafen: zwei Mal zwei Minuten für Sommer (Neuhausen), Völcker, Banik (Erlangen-Bruk), zwei Minuten für Baumann (Neuhausen), Poser, Hartmann, Beyer (Erlangen-Bruck).

Beste Spieler: Fischer, Kosak / von Alvensleben.