Handball-Drittligist TSV Neuhausen vergibt zu viele Chancen, unterliegt dem TSB Heilbronn-Horkheim mit 32:37 und bleibt weit hinter den eigenen Möglichkeiten
Julian Reinhardt passte auf Daniel Schliedermann, der mit einem Kempa-Tor den Schlusspunkt setzte. Sehenswert, aber bezeichnend. Der Handball-Drittligist TSV Neuhausen zeigte ein paar starke Aktionen, leistete sich aber im ersten Durchgang gegen den TSB Heilbronn-Horkheim viel zu viele Fehler und kassierte so eine herbe 32:37 (9:17)-Niederlage.
Daniel Brack: „Unser Kader ist besser als die erste Hälfte“
Nach dem Spiel waren alle bedient. Spieler und Trainer wussten nicht zu erklären, woran es gelegen hatte. Ein paar Spieler waren angeschlagen und fehlten unter der Woche im Training. „Das kann keine Ausrede sein. Wir hatten genug Qualität“, betonte Rückraumspieler Tobias Haag. Und auch Neuhausens Trainer Daniel Brack sagte: „Unser Kader ist besser als die erste Hälfte.“
Immer wieder warfen Spieler freistehend neben das Tor. Das liegt dann auch ein Stück weit am fehlenden Selbstvertrauen. Aber warum ist es gesunken, nach dem guten Saisonstart? Die Siebenmeter-Quote war bis zur 44. Minute katastrophal. Drei Versuche, drei Mal gescheitert. Dann übernahm Lukas Fischer die Verantwortung und verwandelte die nächsten drei Würfe von der Linie (44., 46., 51.). Die Maddogs haben nun drei Spiele in Folge verloren und zu Hause die erste Saisonniederlage kassiert. Auch Gäste-Coach Oliver Heß sagte: „Wir wussten, dass noch keine andere Mannschaft hier gewonnen hat und wir wussten, wie schwer es wird. Es war ein Wahnsinns-Sieg für uns.“ Die Horkheimer machten es richtig gut, vor allem die Abwehr stand und fand immer zum richtigen Zeitpunkt Zugriff.
Neuhausener laufen einem deutlichen Rückstand hinterher
Bei den Neuhauser lief es vor allen Dingen im Angriff nicht rund. Die erste Hälfte war zum Vergessen – kaum ein Angriff saß. Im zweiten Durchgang bäumte sich das Team noch einmal gegen die drohende Niederlage auf. Acht Tore aufzuholen, war allerdings zu viel, denn die Horkheimer ließen nicht nach. Es entwickelt sich ein Spiel auf Augenhöhe, mehr als Ergebniskosmetik war für Neuhausen aber nicht mehr drin. Zumal auch jetzt noch Chancen zu leichtfertig vergeben wurden. Es gab ein paar Aktionen, die hoffen lassen. So spekulierte Simon Kosak beispielsweise in der 37. Minute und fing einen Pass ab. Anschließend warf er den Ball souverän aus der eigenen Hälfte ins leere TSB-Tor zum 16:21. Fischer brach in der Schlussphase immer wieder durch und traf in den letzten neun Minuten fünf Mal.
Es war allen klar, dass die Horkheimer eine starke Abwehr spielen, mit einem starken Torhüter dahinter. Die Neuhausener fanden nicht die geeigneten Mittel. In der zweiten Hälfte waren sie dann auf vier Tore dran (17:21/39.). In der nächsten Aktion setzte Schliedermann den Ball aber neben das Tor. Direkt darauf traf der Spielmacher gegen seinen Ex-Club zum 18:23 (40.) und 19:24 (42). Aber der TSB zeigte in dieser Phase keine Nerven und ließ Neuhausen nicht mehr näher heran. Brack stellte in der zweiten Hälfte um. Er spielte ohne klassischen Kreisläufer und setzte dafür auf Fischer und Schliedermann – quasi zwei Mitte-Spieler.
Personelle Situation ist angespannt
Die personelle Situation wird nicht entspannter: Linus Schmidt hat sich am Rücken verletzt, wann er wieder einsteigen kann, ist noch ungewiss. Brack hofft, dass es nur eine „muskuläre Geschichte“ ist. Julien Sprößig laboriert noch an einer Knieverletzung. Max Heydecke war indes beim TVB Stuttgart im Einsatz. Zudem werden die Neuhausener künftig auf Schliedermann verzichten müssen, der ein halbes Jahr durch Südostasien reist. Die Lücke soll Nachwuchsspieler Nick Scherbaum schließen. „Wir müssen nochmals näher zusammen rücken“, forderte Haag. Gemeinsam soll das nun gleich am Samstag bei den Rhein-Neckar Löwen II gelingen. Denn mit 15:11-Punkten richten die Neuhausener den Blick im Moment nicht mehr nach oben, sondern müssen schauen, dass sie den Abstand nach unten halten.
Wie das Selbstvertrauen wieder aufgebaut werden kann, konnte direkt nach dem Spiel keiner beantworten. Brack hatte im Verlauf des Saisonstarts betont, dass viele junge Spieler im Kader sind, denen man auch Fehler zugestehen muss. Aber nun haben eben auch die Routiniers Nerven gezeigt, was es nicht leichter macht.
TSV Neuhausen: Prauß, Hamann, Pol; Scherbaum, Marlin Sprößig (1), Haag (3), Reinhardt (1), Baumann (3), Sommer (2), Schliedermann (4), Fischer (11/3), Sahin (2), Keppeler (1), Kosak (4).
TSB Heilbronn-Horkheim: Bitz; Sacherow, Soos (2/1), Roth (5), Urban, Matusik (6), Polifka (5), Glaser (2), Thiele (1/1), Starz (9/2), Schröder (4), Dück (3), Kanters.
Schiedsrichter: Sven Hanker / Christopher Klimmesch (Wiesbaden / Klingelbach).
Zuschauer: 300.
Zeitstrafen: 12:14 - zwei Mal zwei Minuten für Starz, Dück (Heilbronn-Horkheim), ein Mal zwei Minuten für Marlin Sprößig, Haag, Reinhardt, Schliedermann, Fischer, Sahin (Neuhausen), Matusik, Glaser, Thiele (Heilbronn-Horkheim).
Rote Karte: - / Polifka (33. / grobes Foulspiel).
Beste Spieler: Fischer, Haag / Matusik, Starz.