Alexander Schurr fordert ein hohes Maß an taktischer Disziplin von seinem Team. Foto: essigfoto.de

Kontinuität, Vertrauen, taktische Disziplin und Leidenschaft sind für Trainer Alexander Schurr (46) der Schlüssel zum zweiten Titel des SV Kornwestheim in der 3. Liga.

Seit neun Jahren trainiert Alexander Schurr den SV Kornwestheim. Im Interview verrät er, dass der Sieg in Würzburg die Tür zur Meisterschaft geöffnet hat.

 

Herr Schurr, im neunten Jahr ist es der zweite Titelgewinn in der 3. Liga. Wie fühlt sich das für Sie persönlich an?

Tatsächlich fühlt es sich diesem Mal deutlich intensiver an, vermutlich liegt das auch daran, dass wir so lange auf dem ersten Platz waren und man das Gefühl hatte, es auch „verdient“ zu haben. Ich bin extrem stolz darauf, was uns in dieser Runde gelungen ist. In dieser immer professioneller werdenden Liga Meister zu werden spricht für sich.

Schmälert es die Freude, dass Sie wieder nicht aufsteigen können?

Zur Wahrheit gehört, dass vor dem Aufstieg zunächst eine anspruchsvolle Aufstiegsrunde gespielt werden muss. Es macht aber keinen Sinn eine Aufstiegsrunde zu spielen, wenn man nicht aufsteigen darf. Für so etwas bin ich nicht zu haben. Wenn ich an einem Wettkampf teilnehme, möchte ich auch gewinnen dürfen. Im Verein ist man sehr früh und transparent mit den aktuellen Gegebenheiten umgegangen. Natürlich schwingt ein wenig Wehmut mit, da wir eine fantastische Runde gespielt haben und uns gerne mit den anderen Besten der Staffeln gemessen hätten. Persönlich gesehen hätte ich die Aufstiegsrunde daher gerne wahrgenommen.

Was hat Ihr Team besonders ausgezeichnet? War der Teamgeist wichtiger im Vergleich zur individuellen Qualität?

Ich glaube, die zentralen vier Aspekte sind Kontinuität, Vertrauen, taktische Disziplin und Leidenschaft. Insgesamt haben wir eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten, die sich in der 3. Liga beweisen wollen. Viele unserer Jungs sind im besten Handballalter und - trotz diverser Abwerbeversuche - lange Zeit bei uns in Kornwestheim. Handball ist als Sportart so komplex, dass ich fest davon überzeugt bin, dass eine hohe Kontinuität auf allen Ebenen ein wichtiger Baustein ist. Diese hohe Kontinuität, das Vertrauen ins eigene Team und in unser Spielsystem, das wir durchgezogen haben, waren sicher der zentrale Schlüssel zum Erfolg. Ich fordere ein extrem hohes Maß an taktischer Disziplin, was wiederum viel Fokussierung von jedem einzelnen Spieler fordert, um nicht ins individuelle Spiel abzurutschen. Dies ist uns diesmal sehr gut gelungen. Ein letzter Punkt ist die Leidenschaft: alle haben dafür gebrannt, den Spaß am Spiel nicht zu verlieren und das Publikum mitzureißen. All das hat uns erfolgreich gemacht.

Gab es einen Moment (eine Partie), der mit entscheidend für den Titel war?

Ein Moment ist zu kurz gegriffen, aber das Spiel in Würzburg ist sicher zu nennen. An einem Sonntagnachmittag sind wir nach einer extrem schwachen ersten Halbzeit nicht nur zurück ins Spiel gekommen, sondern haben sogar geschafft das Spiel bei einem sehr guten Gegner zu drehen. Das war unglaublich. Da war mir danach auch klar, dass wir die Türe nicht nur aufgestoßen haben, sondern jetzt auch durchgehen müssen. Das war ein beeindruckendes Spiel, bei dem uns auch die mitgereisten Fans unglaublich viel Energie gegeben haben. Dieses Spiel hat was mit einem gemacht.

Hat das auch mit Ihnen gemacht? Haben Sie sich als Trainer weiterentwickelt?

Eine Weiterentwicklung findet hoffentlich mein ganzes Leben lang statt. Konkret waren wir die letzten Jahre immer in der Jäger-Position, häufig aus dem gesicherten Mittelfeld oder eher dem oberen Drittel der Tabelle. Wir konnten immer frei aufspielen und waren dennoch immer wieder in der Lage auch die Top-Teams zu schlagen. In dieser Saison waren wir ab Mitte November in der Position des Gejagten. Von dieser Position und Aufgabe konnte ich, konnten wir, alle viel lernen.

Der Sieg nach Rückstand gegen Würzburg war mitentscheidend für den Titel. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Rolle des Gejagten ist nicht einfach, aber schön: Wie schwer wird es, diesen Erfolg zu wiederholen?

Es ist elementar zu betonen, dass im anspruchsvollen Umfeld der 3. Liga dieser Titel ein unglaublicher Erfolg ist. Wir sind vorab nie als Favorit gehandelt worden. Uns fehlt das Potenzial von anderen Vereinen, auch deshalb kann von wiederholen keine Rede sein. Konstanz, Würzburg, Oppenweiler, Leutershausen, Pfullingen – das alles sind Vereine, die strukturell und finanziell und auch in der Kaderbreite deutlich stärker aufgestellt sind als wir. Viel wichtiger ist, dass wir uns und unserem Weg treu bleiben. Und ganz wichtig ist, dass wir uns nicht auf dem, was wir erreicht haben, ausruhen. Der Erfolg liegt in der Entwicklung der Mannschaft und unseren Werten. Dann können wir auch wieder ein unangenehmer Gegner für alle sein.

Wie lauten die Ziele für die neue Saison?

Unser Ziel und unsere Aufgabe wird es zunächst wieder sein handballerische Qualität auf die Platte zu bringen. Denn auf Qualität folgt auch der Erfolg, davon bin ich fest überzeugt. In dieser Saison ist es uns gelungen eine tolle Atmosphäre zu entwickeln, auswärts wieder Fans und Freunde auf der Tribüne zu haben. Wir wollen diese Leute weiter begeistern. Ziele sollten wir nicht über einen Tabellenplatz argumentieren, sondern über die Art wie wir Handball spielen und vor allem wie viel Freude wir am Spiel haben.