Nicht nur in dieser Szene setzt sich Kornwestheims Felix Kazmeier durch. Gegen die Wölfe schlägt er elf Mal zu. Foto: Melanie Bürkle

Die Drittliga-Handballer des SV Kornwestheim drehen ein fast schon verloren geglaubtes Spiel bei den Wölfen Würzburg zu einem grandiosen 29:27-Erfolg.

Mit einer sensationellen zweiten Halbzeit haben die Drittliga-Handballer des SV Salamander Kornwestheim am Sonntagabend eine bereits verloren geglaubte Partie bei den Wölfen Würzburg noch gedreht. Nach einem 11:17-Rückstand zur Pause kämpfte sich das Team von Cheftrainer Alexander Schurr eindrucksvoll zurück und sicherte sich am Ende einen fulminanten 29:27-Auswärtssieg.

 

„Ich denke, dass kaum noch jemand hier mit uns gerechnet hat“, sagte Schurr nach dem Spiel. Auch er selbst zeigte sich noch überrascht von dem, was seine Mannschaft zuvor auf die Platte gezaubert hatte. Zur Halbzeit hatte die Situation nämlich noch ganz anders ausgesehen: Kornwestheim wirkte eher geschlagen und lag mit sechs Toren deutlich zurück. „Auf keinen Fall wollten wir hier mit mehr als zehn Tore Rückstand am Ende rauslaufen“, so der Coach.

Elf Fehlwürfe für den SVK in der ersten Hälfte

Dabei begann die Partie zunächst ausgeglichen. Nach fünf Minuten stand es erst 1:1 – auch dank starker Paraden beider Torhüter. Doch im weiteren Verlauf erspielten sich die Gastgeber leichte Vorteile. Nach rund 20 Minuten lagen die Lurchis bereits mit 9:12 zurück. Vor allem zahlreiche technische Fehler und eine schwache Chancenverwertung machten den Kornwestheimern zu schaffen – allein elf Fehlwürfe standen zur Pause zu Buche. Auch defensiv agierte das Team viel zu zaghaft. Eine Auszeit von Schurr brachte zunächst keine Wende. Würzburg nutzte die Schwächen konsequent aus und zog bis zur Halbzeit auf 17:11 davon.

SVK-Coach Alexander Schurr (Mitte) feiert die klare Tabellenführung. Foto: essigfoto.de

In der zweiten Hälfte präsentierten sich die Salamanderstädter jedoch wie ausgewechselt. Mit einer deutlich aggressiveren 3-3-Abwehr und mehr Konsequenz im Angriff startete die Schurr-Sieben furios. Ein 3:0-Lauf direkt nach Wiederbeginn durch Felix Kazmeier, Finn Joneleit und Tim Zeppmeisel brachte das Team zurück ins Spiel. Bis zur 40. Minute verkürzten die Lurchis auf 17:19 und setzten Würzburg zunehmend unter Druck. Nun wirkten die Gastgeber verunsichert, während Kornwestheim immer mehr Selbstvertrauen tankte. Allrounder Jan Döll glänzte wieder mit seinen Steels, Keeper Jan Tinti lieferte in der Schlussphase mehrfach wichtige Paraden, und in der 47. Minute gelang durch einen verwandelten Siebenmeter von Kazmeier der Ausgleich zum 21:21 – inmitten eines beeindruckenden 6:0-Torelaufs.

Elektrisierende Atmosphäre In Franken

Ebenfalls erstmals wieder auf dem Spielfeld: Marvin Bahmann. Der Abwehrchef glänzt nach seiner langwierigen Schulterverletzung sofort mit seinem Offensiv-Auftritt. Zu Beginn der Crunch-Time (23:23) war die Partie also völlig offen. Mehr Spannung hätten sich die über 1200 Zuschauer, darunter auch ein rund 20-köpfiger SVK-Fanblock, in der elektrisierenden Atmosphäre kaum wünschen können. Nach einem 24:24 und 25:25 fiel in der 59. Minute das 27:27.

Die Entscheidung fiel in den finalen Sekunden: Nach der 28:27-Führung der Schurr-Sieben beriefen die Wölfe eine kurze Teambesprechung ein. Doch letztendlich eroberten sich die Lurchis den Ball, und 15 Sekunden vor Schluss gab es Siebenmeter. Kazmeier behielt die Nerven und verwandelte sicher zum 29:27-Endstand.

Kornwestheimer haben das Spiel „im Kopf gewonnen“

Mit diesem Sieg sicherte sich Kornwestheim nicht nur zwei wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft, sondern schaltete Würzburg endgültig aus dem Titelrennen aus. Zudem war es der erste Auswärtssieg in Franken. „Was die Jungs mental und körperlich geleistet haben, ist extrem. Wir haben das Spiel im Kopf gewonnen“, lautete Schurrs zufriedenes Fazit. Würzburgs Trainer Heiko Karrer gratulierte dem Gegner gratulieren. Mit 42:10 Punkten behaupten die Kornwestheimer ihre Tabellenführung und liegen fünf Punkte vor dem HC Erlangen 2. Dieser Auftritt könnte bereits ein Vorgeschmack gewesen sein, auf was noch kommt – denn dieser Auftritt war sehr meisterlich.

SV Kornwestheim: Tinti, Henke – Reu, Luithardt, Keil (1), Zeppmeisel (3), Kazmeier (11/4), C.Tinti, Lanig (3), Lantella (2), Kaysen (2), Döll (3), Kägler, Bahmann, Joneleit (4).