Die Drittliga-Handballer des SV Kornwestheim liefern sich im Spitzenspiel mit dem HC Erlangen II einen heißen Tanz und sichern ein 43:43-Remis.
In einer wahnsinnigen Begegnung sicherten sich die Drittliga-Männer des SV Kornwestheim ein spektakuläres 43:43-(23:17)-Unentschieden gegen den HC Erlangen II. Während die Hausherren die erste Hälfte in der Sporthalle Ost in überragender Manier dominierten, zeigten die jungen Talente aus der Kaderschmiede des Bundesligisten aus Erlangen im zweiten Durchgang eindrucksvoll, was in ihnen steckt.
Die als Spitzenspiel angekündigte Partie zwischen Tabellenführer und -drittem hielt einmal mehr, was sie versprach: Spannung pur, intensiver als jeder Samstagabend-Krimi – gekrönt von einem einmaligen Höhepunkt. Als SVK-Akteur Jan Döll, Ehemann der Nationalmannschafts-Kapitänin Antje Döll, bei 59:59 Minuten auf der Anzeigetafel den Ball unhaltbar zum 43:43-Remis ins Eck zimmerte, brach die Sporthalle Ost in Jubelstürme aus. Dieses Wahnsinnstor stand sinnbildlich für die Partie, die reich an grandiosen Momenten, hohem Tempo und völlig unterschiedlichen Spielhälften war.
Lurchis ziehen schnell davon
Die erste Halbzeit gehörte klar den Lurchis. Der Gastgeber erwischte einen Traumstart und zeigte sich hervorragend eingestellt. Die Sieben um Cheftrainer Alexander Schurr agierte im Angriff wie in der Defensive hochkonzentriert, legte ein enormes Tempo vor und glänzte mehrfach mit Ballgewinnen. Die Gäste aus Erlangen wirkten sichtlich überrascht. Bereits nach zehn Minuten leuchtete eine beeindruckende 11:4-Führung für Kornwestheim auf.
Die Zweitvertretung Erlangens leistete sich in dieser Phase zu viele Fehler, woraufhin Gästetrainer Vyacheslav Lochman zur grünen Karte griff. Doch auch nach der Auszeit dominierten die Lurchis das Geschehen. Zwar verkürzten die Erlanger zwischenzeitlich und kamen auf 12:9 heran (15.), doch die Schurr-Sieben ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. Mit ungebrochenem Kampfgeist setzte sich der SVK erneut ab, führte wieder klar mit 17:11 (20.) und ging mit einer deutlichen 23:17-Führung in die Pause.
Nervenkitzel in der Schlussphase
Gleichzeitig war absehbar, dass diesem hohen Tempo noch Tribut gezollt werden sollte. Beispielsweise war Top-Torschütze Felix Kazmeier – der unglaubliche 16 Tore lieferte – in der Trainingswoche erkältungsbedingt kürzergetreten und auf dem Feld an seiner roten Nase zu erkennen.
Dennoch: Die Kornwestheimer lieferten erneut einen gelungenen Start. Ab etwa der 35. Minute drehten die jungen Erlanger Talente aber richtig auf. Mit einem Lauf von vier Treffern kämpften sie sich auf 25:28 heran (39.). „Der Orkan von Erlangen“, wie Moderator Andreas Postl es später bei der Pressekonferenz nannte, zog durch die Halle. Mit enormem Druck und unbändigem Willen standen die jungen Recken auf der Platte.
Zwar gelang es der Schurr-Sieben, bis zur 45. Minute eine Drei-Tore-Führung zu behaupten, doch die Kräfte der Hausherren schwanden zusehends. Hinzu kam eine zwischenzeitliche doppelte Unterzahl. In Minute 50 fiel schließlich der erste Anschlusstreffer zum 36:37. Mit großer Moral und Leidenschaft verteidigten die Lurchis ihre Führung zunächst weiter, doch der offene Schlagabtausch wurde zunehmend kräftezehrend.
Erlangen stellte auf eine offensive Abwehr um, hielt das Tempo hoch und legte weiter nach. Zwar parierte SVK-Keeper Jan Tinti noch einen Siebenmeter sowie einen Gegenstoß, doch dann fiel der Ausgleich zum 42:42 (58.). Es folgte Nervenkitzel pur: Erst bei 59:54 Minuten erzielte Erlangens David Sehnke mit dem 43:42 die erste Erlanger Führung. Doch die Lurchis glaubten weiter an sich. Nach schnellem Anwurf von Moritz Lanig auf Jan Döll zimmerte dieser aus neun Metern den umjubelten Treffer zum hochverdienten 43:43 ins Tor.
„Die ersten Minuten haben uns einfach sehr viel Energie gekostet“, zog Cheftrainer Schurr sein Fazit. Gleichzeitig lobte er die enorme Moral seines Teams sowie die „brachiale Leistung“ der Gäste in der zweiten Halbzeit. Für den Handballsport war die Begegnung wieder einmal beste Werbung.
Beide Mannschaften sind nun seit zehn Spielen ungeschlagen. Die Tabelle führt weiterhin der SVK mit 28:8 Punkten an, gefolgt vom HC Erlangen II (25:11) und den Rhein-Neckar Löwen II (24:12).
SV Kornwestheim: Henke, J. Tinti – Luithardt, Keil (1), Zeppmeisel (3), Reu, Kägler, Kazmeier (16/6), C. Tinti (1), Lanig (3), Lantella (4), Kaysen (5), Döll (6), Joneleit (4).