Toilettenpapier wird gehamstert, Einzelhändler und Hersteller beruhigen: Der Nachschub rollt. Foto: dpa/Tom Weller

Dort, wo sonst das Toilettenpapier in großen Mengen angeboten wird, sind die Regale leer oft gefegt. Niemand muss beunruhigt sein, sagen Hersteller und Händler. Die Produktion läuft auf vollen Touren, der Nachschub rollt.

Stuttgart - Die Regale sind leer gefegt, Kunden schleppen riesige Packungen Klopapier nach Hause. „Es gibt Hamsterkäufe“, sagt ein Sprecher der Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm, zu der Lidl und Kaufland gehören. „Es kann zwar einen oder zwei Tage dauern, aber der Nachschub rollt“, erklärt der Unternehmenssprecher. Einer der größten europäischen Hersteller von Toilettenpapier und der einzige in Baden-Württemberg hat seinen Sitz in Mannheim – der Hygienepapierhersteller Essity mit Konzernzentrale in Stockholm.

 

„Wir nutzen unsere Maschinen voll aus“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens, „die Anlagen laufen an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr.“ Dies bedeutet aber auch, dass die Produktion angesichts der rapide gestiegenen Nachfrage kaum noch groß hochgefahren werden kann.

Essity stellt Toilettenpapier (Marke Zewa) her und weitere Hygieneartikel wie etwa Papiertaschentücher (Marke Tempo). „Die Rohmateriallager sind ausreichend gefüllt“, sagt die Essity-Sprecherin.

Auch die deutschen Hersteller arbeiten auf Hochtouren

Mannheim ist der größte europäische Standort des Unternehmens, Deutschland der größte Markt in Europa – 1,31 Milliarden Euro wurden dort 2019 umgesetzt. Von den 4500 Essity-Mitarbeitern in Deutschland sind 2000 in Mannheim beschäftigt, davon 1200 in der Produktion.

In praktisch jeder großen Papierfabrik werde rund um die Uhr produziert, sagt ein Sprecher des Verbandes Deutscher Papierfabriken. Das gilt auch für die 16 deutschen Hersteller von Toilettenpapier. „Papiermaschinen lassen sich nicht viel schneller oder langsamer einstellen“, sagt der Verbandssprecher. Ein wenig ließen sich die Kapazitäten möglicherweise noch erhöhen: „Die Hersteller verschieben beispielsweise geplante Wartungsstillstände, um durchzufahren.“ Vermutlich würden die Verbraucher nach einer ersten Kaufwelle zunächst einmal ihre Vorräte aufbrauchen. Der Verband wisse aber nicht, wie die Lager im Handel gefüllt seien.

„Die Versorgung ist sichergestellt“, sagt der Schwarz-Sprecher. Ob sich die Situation nach den ersten Hamsterkäufen wieder normalisiert, will er aber nicht voraussagen. „Es könnte auch eine Art Wellenbewegung geben, wenn die ersten Einkäufe verbraucht sind“.

Verkauf nur in haushaltsüblichen Mengen

Damit die Produktion gesichert wird, schützt Essity die eigenen Mitarbeiter. „Wenn es geht, arbeiten die Beschäftigten im Homeoffice“, sagt die Sprecherin. Im Produktionsbereich wurden Teams in kleine Gruppen eingeteilt und „weitgehend voneinander getrennt“. Schichtübergaben finden nur im kleinen Kreis statt, vermehrt werden digitale Kommunikationsmöglichkeiten genutzt, „zum Beispiel Skype“. Auch dies sei ein Beitrag „zur kontinuierlichen Versorgung der Bevölkerung“. Für Hamsterkäufe bestehe „absolut kein Anlass“. Die Schwarz-Gruppe sieht das ähnlich und achtet nach den Worten ihres Sprechers darauf, „dass in haushaltsüblichen Mengen eingekauft wird“.

Normalerweise werden in Deutschland nach den Angaben des Verbandes Deutscher Papierfabriken im Jahr 750 000 Tonnen Toilettenpapier verbraucht. Davon werden 200 000 Tonnen ausgeführt – eine ähnliche Menge wird eingeführt. Mit 40 000 Beschäftigten haben die deutschen Papierfabriken über alle Sorten hinweg – von Wellpappenpapieren bis hin zu Papieren für Verpackungen, Bücher, Zeitungen und Hygienepapieren – im vergangenen Jahr einen Umsatz von 14,4 Milliarden Euro erzielt. Dies waren fast sieben Prozent weniger als noch 2018. Wegen der Schließung einzelner Papierfabriken war die Zahl der Mitarbeiter um knapp zwei Prozent gesunken.