.Der tägliche Stau am Wilhelmsplatz betrifft auch den ÖPNV. Foto: Lg/Kovalenko

Eigentlich wollten die SSB Ende Mai mit den Vorarbeiten zur Verlängerung der Stadtbahnhaltestellen in Bad Cannstatt beginnen. Jetzt soll der Ausbau erst einmal nur stadtauswärts erfolgen.

Stuttgart - Der Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt ist einer der am stärksten belasteten Verkehrsknotenpunkte Stuttgarts. Staus stadtein- und stadtauswärts sind an der Tagesordnung. Doch zugleich ist der Platz auch ein wichtiger Umsteigehalt für den öffentlichen Nahverkehr. Mehrere Stadtbahn- und Buslinien passieren den Platz täglich, und mit der U 19 und U 16 sollen künftig weitere Stadtbahnen hinzukommen. Weil der Wilhelmsplatz auch im Evakuierungskonzept für den Cannstatter Wasen eine zentrale Rolle spielt, war vorgesehen, vom Sommer an die dortigen Haltebahnsteige auf 80 Meter zu verlängern, um im Notfall möglichst viele Wasenbesucher mit Langzügen aus der Gefahrenzone transportieren und in Bad Cannstatt aussteigen lassen zu können. Doch die Ratsmehrheit aus Grünen, SPD und SÖS/Linke-plus hat den Ausbau nun erst einmal teilweise gestoppt – mit unabsehbaren Folgen für die Finanzierung des Projekts.

Zur Erinnerung: Von 2020 an planen die SSB, zunächst auf der stark frequentierten Strecke der U 1 zwischen Heslach und Fellbach 80-Meter-Züge einzusetzen, um den steigenden Fahrgastzahlen Rechnung zu tragen. Dementsprechend sollen dann auch alle Haltestellen entlang der Strecke sukzessive auf 80 Meter verlängert werden. Den Ausbau am Wilhelmsplatz wollte man wegen des Evakuierungskonzepts vorziehen und dort die ersten 80-Meter-Bahnsteige in der Landeshauptstadt errichten. Doch die Ratsmehrheit durchkreuzte die Pläne fürs Erste: Weil durch den Ausbau des Bahnsteigs stadteinwärts der barrierefreie Übergang in Richtung Eisenbahnstraße entfallen und durch eine Treppe ersetzt würde, wollen Grüne, SPD und SÖS/Linke-plus diesen Teil der Maßnahme erst einmal zurückstellen. Stattdessen wurde der SSB-Technikvorstand Wolfgang Arnold beauftragt, einen Alternativvorschlag zu prüfen. Dieser sieht einen barrierefreien Überweg zu den König-Karls-Passagen vor. Parallel dazu soll außerdem die König-Karls-Straße in Richtung Stuttgart auf eine Fahrspur zurückgebaut werden.

Ob Zuschüsse von Bund und Land fließen, ist derzeit vollkommen offen

Vergeblich hatte Arnold zuvor gewarnt, ein solcher Beschluss gefährde die Zuschüsse von Bund und Land in Höhe von rund einer halben Million Euro zum auf 1,5 Millionen Euro veranschlagten Ausbau der Haltestelle Wilhelmsplatz. Die Förderung ist befristet; wenn sich der Ausbau verzögert, könnte der Zuschuss entfallen. Der städtische Verkehrsplaner Stephan Oehler wies zudem darauf hin, dass die Wegnahme einer Fahrspur zwischen Badstraße und König-Karls-Brücke einen Flaschenhals und damit lange und nachhaltige Staus produziere. Doch auch das brachte die Mehrheit nicht von der eigenen Haltung ab. „Wenn wir in der Zukunft 20 Prozent weniger motorisierten Individualverkehr in der Stadt haben wollen, ist das verkraftbar“, so Grünen-Stadtrat Björn Peterhoff. Stadtauswärts spreche nichts gegen einen Ausbau des Bahnsteigs. Damit werde dem Evakuierungskonzept Rechnung getragen. Auf der anderen Seite könne später immer noch nachgerüstet werden.

Die Hoffnung auf eine Reduzierung der Verkehrsmenge ruht auf der raschen Inbetriebnahme einer Pförtnerampel an der Markungsgrenze zu Fellbach: Mit ihr soll der Autozufluss in Richtung Bad Cannstatt dosiert werden. Diesen Vorstoß tragen auch CDU und FDP im Rathaus mit – den vorgeschlagenen Rückbau der Straße dagegen nicht: Dies werde zu einem Verkehrschaos in Cannstatt führen, prophezeite CDU-Stadträtin Beate Bulle-Schmid.

Es ist offen, ob die Vorarbeiten am 22. Mai beginnen können

SSB-Chefplaner Volker Christiani wollte gegenüber unserer Zeitung entsprechende Auswirkungen auf den ÖPNV nicht ausschließen: Durch Staus werde naturgemäß auch der Schienen- und Busverkehr im Bereich Wilhelmsplatz tangiert. Offen ist nach Angaben Christianis noch, ob die Zuschüsse für den Umbau auch dann fließen, wenn zunächst nur ein Bahnsteig verlängert wird: „Wir prüfen das derzeit und schauen uns die Vereinbarungen dazu an.“

Am 17. Mai wollen die SSB zunächst im Bezirksbeirat Bad Cannstatt über die weitere Entwicklung berichten. Ob die Vorarbeiten für den Ausbau wie geplant am 22. Mai beginnen können, scheint völlig offen. Klar ist dagegen: Der Vorschlag des FDP-Stadtrats Michael Conz, die 80 Meter langen Stadtbahnzüge einfach weiterhin an den nur 40 Meter langen Bahnsteigen halten zu lassen, wird im Gemeinderat keine Mehrheit finden.

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