Einsteigen und fertig: So einfach ist das Bahnfahren in Deutschland oft nicht. Diese Erfahrung haben drei Mütter aus Stuttgart und der Region unlängst gemacht (Symbolbild). Foto: IMAGO/Frank Sorge

Drei junge Mütter aus Stuttgart und der Region berichten von einer Zugreise voller Hindernisse. Bahn fahren wollen sie nicht mehr. Was sagt die DB?

Den Zustand der Deutschen Bahn und des Schienennetzes hierzulande beklagen viele Pendler und Reisende, die täglich auf Züge angewiesen sind. Die Züge kommen selten pünktlich, manchmal auch gar nicht. Das ist für jeden nervenaufreibend – besonders aber, wenn man mit Kleinkindern unterwegs ist.

 

Drei junge Mütter aus der Region Stuttgart haben unlängst so schlechte Erfahrungen mit der Bahn gemacht, dass sie künftig nicht mehr mit dem Zug vereisen wollen. „Eine so lange Fahrt mit der Bahn werden wir nie wieder machen“, sagt Hannah L. Die Frauen wollen nicht mit vollem Namen genannt werden.

Bagger rammt ICE, Fernverkehr gerät völlig aus dem Takt

Sie hatte Ende März gemeinsam mit zwei weiteren Müttern eine Freundin in Hannover besucht. Alle drei hatten kleine Kinder zwischen einem und zwei Jahren dabei, L. ist zudem schwanger. Als sie in Hannover in den ICE 771 in Richtung Stuttgart stiegen, waren sie guter Hoffnung, dass alles glatt laufen werde, erzählen sie. „Wir haben noch gesagt: Wow, super. Die Kinder sind zufrieden, wir haben Platz. Alles bestens“, sagt Christine D.

Bahn fahren mit kleinen Kindern: das kann anstrengend sein. Foto: picture alliance/dpa

Schnell war klar, dass aus der angepeilten Ankunftszeit nichts wird. „Wir hatten extra eine Verbindung gewählt, bei der wir nicht umsteigen mussten“, sagt L. Dass es möglichst schnell gehen sollte und die Kleinen auch irgendwann müde werden – und ins Bett sollten – können Eltern nachvollziehen. „Anderthalb Stunden Verspätung sind das eine; mit der Bahn rechnet man ja schon fast zwangsläufig damit“, sagt Aliki K. Zumal klar gewesen sei, dass der Zug nicht rechtzeitig ankommen werde.

Bei Gelnhausen (Hessen) hatte an dem Tag ein Bagger mit seiner Schaufel einen vorbeifahrenden ICE „erheblich beschädigt“, heißt es vonseiten der Bahn. Die Strecke zwischen Fulda und Frankfurt am Main musste daraufhin gesperrt werden.

Auf dem Weg von Niedersachsen nach Baden-Württemberg wuchs die Verspätung, irgendwann wurde der Stopp in Stuttgart komplett gestrichen. „Das ist als Fahrgast schwer begreiflich“, sagt Aliki K.

Die Bahn erklärt es damit, dass durch den Unfall auf der Baustelle „im Fernverkehr der bundesweite Einsatz von Fahrzeugen und Zugpersonal außer Takt geraten“ sei und in der Folge „der Zugverkehr neu disponiert werden“ musste. Dass der ICE aus Kiel bereits in Mannheim endete, sei „kurzfristig entschieden“ worden, damit er „nahezu planmäßig wieder in Richtung Norden zurückfahren“ konnte. Zum Nachteil der Mütter, die nach Stuttgart wollten.

Mütter berichten von wenig Entgegenkommen des Zug-Personals

Wie kommen wir jetzt nach Hause? Kommen wir heute überhaupt noch nach Hause? Und falls nicht, was machen wir dann? Diese Fragen stellten sich die Frauen, wie sie erzählen. Das Personal im Zug sei nicht gerade auskunftsfreudig gewesen. Erst auf mehrfache Nachfrage habe man eine Alternativroute genannt bekommen. Überhaupt: die Gleichgültigkeit des Zugpersonals sei frappierend gewesen, befinden die Mütter unisono. „Wir können jetzt auch nichts machen. Das ist jetzt halt so“, habe man mehrfach zu hören bekommen.

Dass die drei jungen Mütter mit schwerem Gepäck, Kinderwagen und Kindern, die teils noch nicht laufen können, vor besonderen Herausforderungen beim Umsteigen standen, hätten andere Reisende wahrgenommen. Teils halfen die Fremden auch, boten ihren Platz an, berichten die Mütter. Das Zugpersonal hingegen habe sich nicht sonderlich darum geschert.

So sei es auch im proppevollen Zug gewesen, in den die Gruppe in Frankfurt umstieg. Im Familienabteil, das in ICEs für Reisende mit Kind vorgesehen ist, sei auch kein Platz mehr gewesen. Dorthin sei die Gruppe dennoch verwiesen worden, wieder mit der Ansage: „Das ist halt jetzt so.“ Irgendein Entgegenkommen? Fehlanzeige, sagen die Mütter. „Für die ist das offenbar normal mittlerweile“, schildert Hannah L. ihre Eindrücke. „Es wird nicht einmal irgendwo ein bisschen Hilfe angeboten. Auch wenn du allein bist, mit Kind und schwanger.“ Ob es interne Richtlinien im Umgang mit sensiblen Gruppen gibt, dazu gibt die Bahn auf Nachfrage keine Auskunft.

Der Fahrgastverband Pro Bahn äußert sich nicht zu konkreten Vorfällen, nur allgemein. „Der Großteil der Bahn-Mitarbeiter verhält sich vorbildlich, ist freundlich und fahrgastorientiert“, sagt Sprecher Andreas Schröder. Es gebe – wie in anderen Berufen mit Kundenkontakt auch – immer „einige Ausfälle oder Mitarbeiter, die mal einen schlechten Tag“ hätten. Dabei spiele teils auch die schlechte Stimmung im Konzern insgesamt eine Rolle. „Wir wünschen uns, dass das Bahn-Personal gut geschult wird im Umgang mit Reisegruppen die besondere Sensibilitäten haben.“ In der Regel sei der Umgang der DB-Mitarbeiter mit diesen Menschen – beispielsweise auch Rollstuhlfahrer oder ältere Menschen, die schlecht zu Fuß seien – „vorbildlich“, heißt es.

„Benzin ist teuer – aber die Bahn auch“

Vonseiten der DB-Pressestelle heißt es, man könne sich „nur für entstandene Unannehmlichkeiten entschuldigen“, so ein Sprecher. „Wir bedauern auch, dass davon die Reisegruppe von Müttern mit Kleinkindern und Kinderwagen betroffen war.“ Bei „Ereignissen, die die DB unvorhergesehen treffen“, lassen sich „Einschränkungen leider nicht vermeiden“, heißt es.

Die drei Mütter aus Stuttgart und der Region haben für sich jedenfalls einen Entschluss gefasst. „Nie wieder Bahn“, sagt Hannah L. Eine Reise, allein mit dem Kind und Zug, könne sie anderen Müttern nicht empfehlen. „Wir fahren nächstes mal lieber mit dem Auto, auch wenn Benzin jetzt teuer ist“, sagt Aliki K. Aber das sei die Bahn auch.