Vor allem Kinder haben einen riesigen Spaß an Halloween. Foto: dpa/Andreas Arnold

Ist Halloween ein oberflächlicher Trend aus den USA? Nein, findet unsere Reporterin Melissa Schaich. Der Gruseltag kann – für alle, die Spaß daran haben – eine willkommene Ergänzung zu bestehenden Traditionen sein.

Diese Woche standen gleich mehrere Feste und Feiertage an: Halloween, der Reformationstag, der in Baden-Württemberg kein Feiertag ist, und Allerheiligen. Neben den religiösen Feiertagen scheint Halloween auch auf dem europäischen Kontinent immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Das muss nichts Schlechtes sein.

 

Für immer mehr Familien ist Halloween ein Festtag – vor allem Kinder haben großen Spaß am „All Hallows Eve“, dem Abend der Heiligen – also vor Allerheiligen. Verkleidung gibt es auch zu Fasnet, könnte man meinen, aber das ist es nicht allein. Denn Halloween hat etwas, das Fasnet nur eingeschränkt hat: den Gruselfaktor. Es wird eine wohlige Gänsehaut zelebriert. In der Dunkelheit um die Häuser zu ziehen, umgeben von schaurig-schön dekorierten Vorgärten – das bekommen die Kinder nur an diesem Tag im Herbst. Und das ist ein Heidenspaß.

Viele Leute werden sehr kreativ, wenn es um Halloween-Dekorationen geht. /Stefanie Schlecht

Man kann eine „Amerikanisierung“ Europas kritisieren. Doch manche Dinge, die sich ändern, verbessern sich auch durch andere Einflüsse: Vielleicht sind es ja die Anfänge einer neuen Herbst-Kultur, die sich in Deutschland etablieren könnte?

Denn der Kult um Halloween bringt auch mehr Kreativität und Freude in eine Jahreszeit, die in der Regel dunkel und neblig ist: Gemeinsam mit Familie und Freunden Kürbisse zu schnitzen, kann einen Herbstabend beträchtlich aufheitern. Einen Anlass zu haben, Gebäck mit Zimt zu essen, Äpfel aufzulesen und die bunten Wälder zu genießen – das kann das Leben schöner machen. In Amerika ist es nichts Ungewöhnliches, abends durch die Nachbarschaft zu spazieren (oder zu fahren – nicht alles aus Amerika ist gut – ist klar, wissen wir) und sich an besonders kreativen Halloween-Dekorationen in Vorgärten zu erfreuen. Und auch der Kürbis – im Essen oder in Getränken als beliebtes „Pumpkin Spice“ – hat durch Halloween hierzulande eine echte Hochphase. Zurecht – es schmeckt ja auch wirklich lecker.

Halloween ist darüber hinaus ein Brauch, der Gemeinschaft fördert und nicht einfach als oberflächlicher, amerikanischer Trend abgetan werden sollte: Wann kommen Nachbarn sonst so ungezwungen zusammen? In Grafenau, aber auch in Schafhausen – oft in Neubaugebieten mit vielen jungen Familien – wird das schon längst so gemacht. Eine tolle Sache ist das. In den USA kommen die Menschen beispielsweise zum „Community Pumpkin Carving“ (zum gemeinschaftlichen Kürbis-Schnitzen) zusammen.

Das soll nun aber nicht heißen, dass Tage wie der Reformationstag, an dem der Beginn der Reformation der Kirche durch Martin Luther gedacht wird, oder Allerheiligen, wo man nicht nur den Heiligen der katholischen Kirche, sondern auch seinen lieben Verstorbenen gedenkt, dadurch abgeschrieben sind. Gerade Letzteres ist nicht nur kirchlich wichtig. Die Besinnlichkeit, die trübe Stille im Herbst passen oft auch zum Gemüt der Menschen, die ihre Liebsten vermissen und an diesem Tag etwa bei gemeinsamen Grabgängen mit der Familie zusammenkommen. Es ist wichtig, das Wissen und die Bedeutung dieser Feiertage lebendig zu halten und ihre prägende Rolle für unsere Kultur anzuerkennen. Und als Menschen sind wir ja zum Glück in der Lage, mehr als nur eine Sache unsere Aufmerksamkeit zu schenken.

Obwohl Halloween mit seinen Kostümen und aufsehenerregenden Dekorationen emotional einfacher zugänglich ist als ein religiöser Feiertag, können wir es als Gesellschaft trotzdem schaffen, das gesamte kulturelle Spektrum abzudecken: gruseliger Halloween-Spaß und andächtiger Feiertag – alles in einer Woche. Neue Bräuche und Traditionen müssen dabei keine Bedrohung oder Verdrängung sein, sondern eine willkommene Ergänzung.