Einen ganzen Tag lang hat eine Herrenberger Familie filigrane Motive in Kürbisse geschnitzt. Das Ergebnis leuchtet abendlichen Spaziergängern heimelig-unheimlich entgegen.
Halloween – ein Fest am 31. Oktober, das die einen lieben, die anderen hassen und das manchen völlig egal ist. Doch unabhängig davon, wie man dazu steht: Man kommt kaum umhin, die geschnitzten Kürbisgeister zu mögen. Vor allem dann, wenn sie nachts heimelig vor Haustüren und in Gärten leuchten.
Besonders kunstvolle Exemplare sind in einem Garten in der Straße Am Burgrain nahe der Herrenberger Stiftskirche zu finden. Ein filigraner Oktopus, ein sturmzerzauster Rabe, ein gruseliger Geist und ein Einhorn sind dort zu sehen – um nur eine Auswahl der Motive zu nennen. Geschnitzt wurden die insgesamt zwölf Kürbisse von einer Familie mit drei Kindern, die in der Nähe wohnt.
Motiv wird auf den Kürbis durchgepaust
Sie haben sich am Samstag vor Halloween getroffen und zusammen mit zwei Freunden einen ganzen Tag lang Kürbisse bearbeitet, berichtet die Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Wir haben eigentlich keinen Bezug zu Halloween, aber das Schnitzen macht einfach Spaß“, sagt sie. Die Freunde, mit denen sie den ganzen Tag zusammengearbeitet haben, hätten sie vor einigen Jahren auf den Geschmack gebracht.
Seither denken sie sich jedes Jahr Motive für die Kürbisse aus. Ein übergeordnetes Thema gibt es nicht. „Wir nehmen das, was uns gefällt“, sagt die Mutter. Sie hat den Oktopus und den Raben beigesteuert, ihre Tochter, die mit am Tisch sitzt, das Einhorn und ein Fischskelett. „Wir höhlen den Kürbis aus und haben eine Vorlage, die wir auf den Kürbis durchstechen“, erklärt die Tochter das Vorgehen.
Die Legende von Jack O’Lantern
Die Bearbeitung der Kürbisse verlangt Geduld und Fingerfertigkeit. Für den Oktopus wurde beispielsweise nur die äußere harte Schicht stellenweise abgetragen, sodass das Kerzenlicht durch die verbleibende dünnere Schicht hindurch schimmert. Ein Loch auf der Rückseite des Kürbisses versorgt die Kerzenflamme mit ausreichend Sauerstoff.
Doch woher kommt überhaupt die Tradition, für Halloween Kürbisse zu schnitzen? In diesem Zusammenhang taucht die Legende von Jack O’Lantern auf, die beispielsweise der Bayrische Rundfunk aufgeschrieben hat. Jack O’Lantern war den Erzählungen zufolge ein irischer Bauer, der den Teufel überlistete und ihn damit ordentlich verärgerte.
Kürbisse senden Signal
Nach seinem Tod durfte der zu Lebzeiten nicht gerade umgängliche O’Lantern nicht in den Himmeln und auch der Teufel wollte ihn nicht in der Hölle haben. Seither ist O’Lantern dazu verdammt, zwischen den Welten zu wandern – etwas Licht spendet ihm dabei eine ausgehöhlte und geschnitzte Rübe, in der ein Stück Kohle aus der Hölle glimmt.
Der Brauch, Rüben zu schnitzen, wanderte im 19. Jahrhundert in die USA. Dort wurden die Rüben durch die heimischen und vermutlich deutlich einfacher zu bearbeitenden Kürbisse ersetzt. Auch in Süddeutschland, wo hie und da noch Rübengeister zu finden sind, hat sich inzwischen vielerorts der Kürbis durchgesetzt.
Während sich die einen eher auf Kürbisse konzentrieren, verzieren andere für Halloween ihre Gärten und Häuser mit grusligen Gestalten. So hat etwa Bianca Beutler in ihrem Garten in Grafenau schaurig-schöne Halloween-Szenen kreiert mit Skelettarmen, die aus der Erde ragen, die Finger fest um eine Hundeleine gewickelt an der ein knochiger Hund (natürlich aus Plastik) hängt.
Kürbisse und Halloween-Szenen sind nicht nur ein Hingucker, sondern senden in der Regel auch ein Signal aus: Hier darf man an Halloween klingeln und „Süßes oder Saures“ fordern.
Bilder gesucht
Halloween-Schmuck
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