Die Halloween-Dekorationen im Kreis Böblingen werden immer ausgefallener: Mittlerweile ist der 31. Oktober für viele Familien ein Festtag, der sehnsüchtig erwartet wird. Das lange Warten auf die Nacht des Schauderns – und der Süßigkeiten natürlich.
Kleine Grabsteine stehen auf einigen Grundstücke in der Sonnenbergstraße in Grafenau. Nein, hier gibt es keinen Friedhof der Kuscheltiere – obwohl. . . nein, natürlich wird hier harmlos Halloween gefeiert: Spinnweben sind über Hecken und Gartenzäunen gespannt, überdimensionierte schwarze Spinnen lauern in Vorgärten und Kürbis-Fratzen jagen Spaziergängern einen gruseligen Schauer über den Rücken. Für die Nachbarschaft ist der 31. Oktober ein Tag, an dem alle zusammenkommen und vor allem die Kinder einen riesigen Spaß haben.
Die Vorbereitungen in vielen Familien laufen seit Tagen. Auch Bianca Beutler und ihre zwei Söhne haben die Skelette aus dem Keller geholt: Über dem Garagengeländer und am Gartentor sind die Gerippe drapiert. Im Garten stecken Mini-Grabsteine im Boden und geschnitzte Kürbisse lachen Besuchern entgegen. Vor zehn Jahren sei an Halloween noch nicht viel los gewesen in der Nachbarschaft, erst in den vergangenen Jahren habe sich der amerikanische Brauch eingeschlichen, sagt Bianca Beutler – das liegt wahrscheinlich auch daran, dass einige Amerikaner ganz in der Nähe wohnen. In den USA gehören Halloween-Dekoration zum Herbst wie hierzulande die Butter auf die Brezel.
„Ich konnte früher nichts mit Halloween anfangen“, erzählt auch Bianca Beutler. Doch ihre zwei Söhne sind begeistert von dem Gruseltag Ende Oktober, und sie ist es derweil auch. Die beiden Kinder haben sich mit großem Enthusiasmus um die Dekorationen gekümmert und haben sogar eine Halloween-Show vorbereitet. Das Programm, das die beiden ausgeklügelt haben, hängt bereits an einem Pfeiler an der Terrasse: Der Lockruf zum Gruseln quasi. Publikum werden sie am 31. Oktober auf jeden Fall haben. Denn mittlerweile trifft sich an diesem Tag die Nachbarschaft zum Halloween-Umtrunk in der Einfahrt der Beutlers. Dann gibt es ein Feuer, Marshmallows und Halloween-Snacks, die jedes Jahr kreativer werden, sagt Bianca Beutler. Ob da auch Blutwurst eine Rolle spielt? Wahrscheinlich eher nicht.
Die Kinder ziehen derweil von Haus zu Haus auf der Suche nach süßen Leckereien. Mittlerweile sind viele besser vorbereitet auf den Besuch der Kinder. Doch die Süßigkeiten-Jäger wissen mittlerweile auch, welche „Halloween Spots“ besonders ertragreich sind – sie steuern gekonnt die Häuser mit Dekoration an. Halloween ist im Hause Beutler mittlerweile das Herbst-Ereignis, das an festlicher Vorfreude dicht auf Weihnachten folgt. Es sei eine schöne Möglichkeit, den Herbst zu feiern mit seinen bunten Blättern, kälteren Temperaturen und kurzen Tagen.
Der letzte Schliff wird kurz vor dem 31. noch ausgeführt: Skelette werden mit Spinnweben überzogen und dem unbedarften Besuch wird die „Horror-Klingel“ vorgeführt, die an der Haustür der Beutlers hängt. Mit einem Klingel-Druck öffnet sich ein rot unterlaufenes, kugeliges Auge, das jeden Besucher durchdringend anstarrt.
Auch in Aidlingen gibt es einen Halloween-Hingucker
Überall im Kreis gibt es mittlerweile derlei Halloween-Hingucker, so zum Beispiel auch in Aidlingen. Der Balkon eines Hauses an der Hauptstraße gegenüber der katholischen Kirche ist so vollgepackt mit (teilweise fliegenden) Skeletten, Totenköpfen und Kürbissen, dass man gar nicht weiß, wo man hin schauen soll. Ein Klingel-Versuch, um einen genaueren Blick auf den Balkon zu werfen, bleibt allerdings unbeantwortet. Vielleicht liegt es an der fehlenden Horror-Klingel? Stattdessen fragt eine Klingel der Firma „Ring“, ob wir eine Nachricht hinterlassen wollen. Eigentlich nur: Happy Halloween!