Halloween kennt jeder, doch wie sieht es mit den Feiertagen aus? Die Kirche muss sich etwas einfallen lassen, um noch wahrgenommen zu werden. Ein Kommentar von Jan Sellner.
Was sagt uns das Skelett im Supermarkt? Und was sagen uns die Fledermäuse und die Spinnweben über den Kürbissen in der Gemüseabteilung? Gammelt da was vor sich hin? Sollten die Lebensmittelkontrolleure etwas übersehen haben? Mitnichten. Es hat alles seine Ordnung. Es ist Halloween, die ganz normal gewordene Horrorshow, die uns am 31. Oktober den Übergang zum November versüßt.
Apropos süß: „Süßes oder Saures!“ Das ist keine Frage, sondern ein Süßigkeiten-Befehl der gefährlich bis schrecklich verkleideten Kinder, die von Haus zu Haus ziehen. Wir haben keine Wahl, als uns zu ergeben. Wir machen den Spuk mit – die einen freudig, die anderen mit süß-saurer Miene.
Kommerzieller Spuk oder gute Unterhaltung?
Halloween, so meinen die Kritiker, das sind die Geister, die wir riefen, und denen wir Tür und Tor geöffnet haben. Ein kommerzieller Spuk. „Wen stört’s?“, entgegnen die Freunde des harmlosen Grusels. Für sie ist Halloween schlicht Unterhaltung. Ein Teil des Herbstferienprogramms. Das Freilichtmuseum in Beuren konnte sich letzthin vor jungen Besuchern kaum retten – alle wollten Rübengeister schnitzen, etwas, das hierzulande durchaus Tradition hat. Und auch Halloween ist nicht so hohl, wie es die ausgehöhlten Kürbisse und der Klamauk erscheinen lassen. Ein tieferer Kern findet sich im irischen „All Hallows Eve“, dem Abend vor Allerheiligen. Die Ursprünge sollen bis ins keltische Fest Samhain reichen, das den Beginn der dunklen Jahreszeit markierte. Ein bisschen wie Fasching. Nur andersrum.
Im Alltag begegnet uns der Halloween-Hype als flacher, orangefarbener US-Import. Und vor lauter Zombie-Sortiment tritt in den Hintergrund, dass sich mit dem 31. Oktober noch etwas anderes verbindet: der Reformationstag, an dem die Protestanten den Beginn der Reformation und damit die Erneuerung des Glaubens feiern. Ein Ereignis, das nicht mehr selbsterklärend ist. Dazu braucht es schon die Auskunft der KI! Und das geht am nächsten Tag gerade so weiter, wenn – wichtig für die Katholiken – Allerheiligen ist.
Und was soll man erst einen Tag später zu Allerseelen sagen? Wer weiß, was das ist? Die Friedhofsgestecke im Blumenladen oder im Supermarkt – gleich neben den Halloween-Skeletten – erinnern entfernt daran, dass diese Zeit im Kirchenjahr dem Gedenken an die Verstorbenen gewidmet ist. Die Kirche muss eine passende Sprache finden, um noch wahrgenommen zu werden und nicht Spinnweben anzusetzen. Die sollten Halloween vorbehalten bleiben.